Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1841)
- Date
- 1841-04-17
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225190--03471-3313008- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zzo Plan zur Errichtung eines Denkmals für Herrmann hier im Lande, ist Ihnen bekannt. Will der Israelit nun Gleichstellung mit den übrigen Bewohnern genießen, so muß er auch deren Gefühle theilen. Wir sind Deutsche, Herrmann hat auch für unsere Sprache und Freiheit gestritten. Es ist also nicht mehr wie Pflicht, zur Errichtung des Denkmals mit beizutragen. Wir glauben, wenn Sie das jüdische Publikum darauf aufmerksam machen, daß es seine Gaben willig spenden 'wird. Es könnten sich ja überall Komitees bilden, und das. Eingegangene nicht vereinzelt, sondern im Ganzen der Kommission in Detmold eingesendet werden. Wenn der Jude seine Stellung richtig begreift, wenn er einsieht, wie sehr er dadurch in der Achtung seiner Mitbürger steigt, werden gewiß die Gaben nicht unbedeutend sein"). Tages-Controle. Der „Telegraph für Deutschland" enthält in No. 47 und 48. eine Necension von Steinheim's „Meditationen über die Verhandlungen, betreffend die bürgerliche Stellung der Mosaisten in den Ständeversammlungen Schleswig-Holsteins'1840. Neue Folge," welche abermals einen schlagenden Beweis giebt, in welche Winkel der Sophistik sich die Gegner der sogenannten Judenemanzipation flüchten müssen, um überhaupt noch aufrecht stehen zu können. Daß zu solchen Winkelzügen .Herrn K. G.'s *) Wir halten uns überzeugt, daß zu den, an vielen Orten veranstalteten Sammlungen für das Herrmann's Denkmal die Juden ebenso gut gesteuert haben, wie sie zu allen öffentlichen Anstalten, die auf der Einzelnen Beiträge Anspruch machen, zu steuern pflegen. Als eine gesonderte Gesammtheit können aber die deutschen Juden eben so wenig dabei auftreten, wie die Katholiken und Lutheraner. Ja, man würde ihnen dies bald verargen, und als eitle Zudringlichkeit und Prahlerei auslegen. Wir haben daher obige Zeilen abdrucken lassen, um eben einen Beweis zu geben, daß der Jude als Deutscher innigen Thcil nimmt an allem Deutschen, und Einzelne auf den gedachten Gegenstand aufmerksam zu machen: ein Weiteres jedoch können wir nicht veranlassen. D. Redakt. Feder nun gerade am befähigtsten und beweglichsten ist, können wir als bekannt voraussetzen. G. begiebt sich in seiner Entgegnung, die er Steinheim als ein besonderes Geschenk seiner Freundschaft darbietet, auf ein Feld, auf welches wir ihm nicht allein nicht folgen können, sondern auch für jetzt und in allen Zeiten nicht folgen mögen — auf das Gebiet der Borurtheile. Er bekennt, daß die Emanzipation des Judenthums als Prinzip längst entschieden ist. Offensivwaffen fehlen also dem Judenfeinde gänzlich, Schwert und Lanze sind seinen Händen entrungen und entsunken — aber noch ein Schild hat er in die Höhe zu heben, und vor Herz und Augen zu halten: es ist das christliche Vorurtheil wider den Juden. „Dieses Vorurtheil, dieser böse Haß, sagt G., ist uns Christen schon eingeflößt, als wir lesen lernten." „Diese Schmach trifft das Vorurtheil unsrer Eltern, die Sorglosigkeit unsrer Erzieher, den tausendjährigen Fluch der historischen, Vergangenheit." — Und wie? Er, der Bekämpfer aller Vorurtheile, der strenge Verfechter der Wahrheit, der konsequente Richter, der über so viele, in der Menschheit seit ihrem Bestände eingewurzelten Borurtheile — die sogar Anderen die ehrwürdigsten Institutionen des Menschengeschlechtes dünkten — den Stab gebrochen: wie wird er sich erheben gegen diese unjüdische, christliche Antipathie, mit welcher Kraft, Fülle, Gediegenheit wird er den Vorurtheilsvollen das Gestandniß ihres Unrechts abdringen, ihnen den Staar von den blöden Augen nehmen, und als glücklicher Arzt Gesundheit den vorurtheilskranken Herzen, wenn auch durch scharfe und bittere Arzneien, aufnöthigen! Nichts weniger. Er nimmt es sogar „Rießer, Steinheim u. A." sehr übel auf, daß sie ihrerseits solches versuchten, er schilt sie unklug und thöricht — kurzum er wirst sich zum Vertheidiger der Borurtheile auf, und trägt es den Juden sehr nach, daß sie sein Schooßkind anzutasten gewagt haben. Wir sollen uns fügen, wir sollen geduldig die Stockschläge tragen, die uns jenes Vorurtheil täglich austhcilt, wir sollen abwarten, bis es sich in „Jahrhunderten" aufgelöst habe, und unterdeß ruhig unsre müden Glieder in die Gräber unsrer proskribirten Väter legen. Nun, so sei es unsrerseits diesem Manne gesagt, der sich so kräftig wider alle Borurtheile sträubt, wenn sie ihn selbst berühren und betreffen, wenn sie ihm selbst Hindernisse und 16"