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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-04-17 · Heft 16 (17.4.1841) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 16 (17.4.1841)
Date
1841-04-17
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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’sar hat vor kurzem durch den'Tod des Herrn vr. Büdinger einen bedeutenden Verlust erlitten. Die Stelle, die er als erster Lehrer der israelitischen Schule so trefflich erfüllte, wieder eben so würdig zu besetzen, wird in derThat keine leichte Aufgabe sein, und auch auf dem Felde der Erziehungsliteratur, wo er ein rüstiger Arbeiter war^ wie seine Schriften und zahlreichen Aufsätze in Zeitschriften beweisen, wird seine segensreiche Wirksamkeit bedauert werden. Er hinterläßt eine vorzügliche Frau, welche ihrem Gatten in seinem Berufe beistand, und seit längeren Jahren einer Erziehungsanstalt für Mädchen vorsteht, die schon sehr viel Gutes geleistet hat, und gewiß noch ferner leisten wird, da dieselbe, dem Vernehmen nach, nicht nur fortbestehen, sondern sogar erweitert werden soll. Leipzig, 27. März. Der vr. Fürst, der seine Konkordanz Sr. Majestät dem Könige von Sachsen dedicirt hat, wurde von seinem Monarchen in einer Audienz^ zu Dresden mit Lobsprüchen beehrt, denen Aeußerungen beigesellt waren, wie sie des freisinnigen Königs würdig sind. Ihnen folgte ein huldvolles Schreiben und als Belohnung die goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst. (Lechz. A. Zeit.) Aus dem Lippeschen, 29. März. (Privatmitth.) (Wenn wir folgende Stücke aus einem von einer kleinen Anzahl Israeliten uns zugekommenen Schreiben hier mittheilen, so geschieht es aus dem besondern Grunde, weil eine „Stimme aus dem Volke" an die Oeffentlichkeit zu bringen, immer von Nutzen, und die ausgesprochenen Gesinnungen wirklich die jetzt meist verbreiteten sind, wenigstens in Deutschland. Neda kt.) Wir sind nicht Männer, die steif am Hergebrachten hängen, wir dürfen frei es sagen, daß wir mit der Zeit fortgeschritten, und halten eine Reform für nöthig, die uns mit den Bedürfnissen der Neuzeit ausgleicht. Aber wir wollen nicht, daß das Kind mit dem Bade ausgeschütter werden soll. Die Reform muß von oben herab kommen, nicht von den untern Klassen, wie es jetzt den Anschein nimmt, damit nicht ein Jeder thun kann, was ihm recht dünkt. Auf unsere Geistlichkeit fällt die ganze Verantwortlichkeit. Sie dürfen nicht die Hände in den Schooß legen, bis es zu spät ist. Die Orthodoxen müssen einsehen, daß sie nur durch Nachgeben gewinnen können, und die Männer der Aufklärung dürfen nicht zu weit gehen. Am nothwendigsten' wäre wol eine Reform in unseren kirchlichen Angelegenheiten, aber eine allgemeine, nichtwie jetzt, wo fast in jeder, gebildeten Gemeinde ein anderer Ritus herrscht..,.j,r^m betrübendsten ist es aber, mit welcher GlWMltigkeit der Jude sein Gotteshaus betritt, wie er ohne Erhebung des Geistes die vorgeschriebenen Gebet^rmeln ausspricht, wie unbeachtet sogar die Vorlesungen der heiligen Schrift an ihm vorüberziehen. Sogar die besten Predigten helfen nicht, wenn der Geist nicht vorher feierlich gestimmt ist, und dies kann nur durch einen zeitgemäßen Choralgesang geschehen. Wir selbst waren mehrmals Zeugen, wie die gediegenen Kanzelreden des Hrn. D. A. in H. gleichgültig an den Zuhörern vorübergingen, weil die vorhergegangenen Gebete sie nicht in eine Stimmung setzten, die sie empfänglich für die musterhaften Reden machten. Nur durch eine obere geistliche Behörde für ganz Deutschland kann dem Uebel der Zeit entgegen gearbeitet 'werden. Gebe Gott, daß die Errichtung derselben kein frommer Wunsch bleibt, den unsere Kinder vielleicht noch zu wünschen haben. Jetzt erlauben Sie uns von einem andern Gegenstand zu reden, der gewiß auch Interesse für Sie hat. Hier in unserem lippeschen Lande hat sich ein reges Streben für die Emanzipation der Juden kund gegeben, und sehen wir einer bessern Zukunft freudig entgegen. Ein-Advokat S. hat im Namen der Juden der Regierung ein Gesuch um Gleichstellung derselben mit den übrigen Bürgern, überreicht; dasselbe soll wohlwollend ausgenommen sein, und haben wir von unserer humanen Regierung viel zu erwarten. In einem öffentlichen Blatte, dem Lippeschen Magazin, ist Einiges für und wider erschienen. Wenn wir Ihre Erlaubniß dazu haben, werden wir Ihnen gern etwas Näheres darüber mittheilen *) Schließlich erlauben wir uns einen Wunsch auszusprechen, der uns sehr am Herzen liegt. Der *) Wird mit Vergnügen und herzlichem Danke gegeben. D. Redakt.

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