Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1841)
- Date
- 1841-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Gleis) zurückzuführen; gewöhnlich wird sie mir zu mächtig, und dann gehe ich weislich vorwärts mit ihr. — Ergo ad rem. Daß Einer Einen hassen kann, das kann ich wol noch begreifen, obgleich ich es niemals versucht habe, und zwei solche Taugenichtse müssen es dann darauf ankommen lassen, wer von ihnen mit seinem Haffe den Andern am kräftigsten auf den Pelz brennen kann; daß Millionen Einen hassen können, das muß sein, wie es sein kann, obgleich so Vieler Haß einem Einzelnen schwer zu tragen sein muß; daß aber Millionen Millionen hassen, das ist infam, und deshalb ist jeder Nationalhaß Beweis einer sehr ssmpeln Denkungsart. Wir Dänen sind in dieser Hinsicht in den spätern Jahren sehr zum Bessern fortgeschritten. Wir sind gute Freunde geworden mit Schweden, mit den Engländern, mit den Russen, kurz mit allen den Nationen, die uns an Macht überlegen sind; es würde daher sehr simpel von uns gehandelt sein, wenn wir uns nicht mit der Einzigsten Nation in der Welt befreunden könnten, der wir etwas überlegen sind." — „Wie es sich im Ganzen mit der Religion der Dänen verhalt, davon kann man sich am besten eine Idee machen, wenn man bedenkt, daß wir Geistliche am Sonntage gemeiniglich 3 bis 4 Menschen und übrigens lauter Bänke vor uns haben, denen wir predigen, welche Bänke nicht einmal in allen Kirchen gemalt sind. Einige Male habe ich sogar bei meinen Landsleuten eine nicht geringe Inklination zum Mosaismus bemerkt. So habe ich mehrere Exempel erlebt, daß Christen Juden zu Gevattern bei der Taufe ihrer Kinder gebeten haben; ja ich habe in Erfahrung gebracht, daß ein theologischer Kandidat darum nachgesucht hat, als jüdischer Katechet angestellt zu werden!" — „Was die Mosaisten anbetrifft, so scheinen sie ihrerseits sich stark zum Christenthum zu inkliniren. Schon zu Rousseau's Zeit gab es Juden, die der christlichen Taufe sehr gewogen waren. So erzählt er in seinen Eonlessiomhus, daß er Juden gekannt habe, die nicht nur sich taufen ließen, sondern mehrere Male an verschiedenen Orten sich taufen ließen, welche Passion für die christliche Religion jedesmal, wie billig, aus der Proselytenkasse anständig honorirt ward." — „Es steht nun nur noch zurück, einige Einwendungen abzufertigen, die man, namentlich in dem holsteinischen Ständeverein, zum Nachtheil der Juden angeführt hat. Man hat gesagt: „Die Juden wollen nicht mit uns Christen essen." Hm! quid hoc est? Ist das auch ein Grund, einen Menschen zu verachten, daß er lieber aus seinem eigenen Topfe essen will? Ich halte es für eine große Ungezogenheit, Jemand die Speisen aufnöthigen zu wollen, die man für ihn bereitet hat, von dem man aber weiß, daß er sie nicht vertragen kann; und weil wir Dänen nun von Avil's Zeit her in diesem Speck nur gesöhlt haben, haben wir doch kein Recht, zu fordern, daß auch die Juden bei unserer Salzgerichtsschüssel mitzulangen und auf das Schweinefleisch einhauen sollen. Zudem giebt es, wie ich höre, nur Einzelne unter ihnen, die sich jetzt noch dieser Speisen enthalten; bei den Meisten soll sie bereits recht gut Hinuntergleiten. In der Ständegesellschaft soll übrigens nicht gegessen, sondern geredet und gewirkt werden; und von den Gastgeboten, die der Kommiffarius giebt, kann man wegbleiben, wenn man an^der Bewirthung etwas auszusetzen findet, oder man kann hingehen und sich an den Wein halten, der unmöglich schlecht sein kann. Aber zu Hause muß ein Jeder Erlaubniß haben, seinem eigenen Kochbuche zu folgen. So machen wir Christen es ebenfalls. Ich esse niemals Austern und mein Nachbar ißt niemals Schwarzbrod; deß ungeachtet können wir doch Prediger und gute Freunde. sein. Ich kenne einen Juristen — e scliola Herlousiana — der niemals Rumpudding ißt und wirklicher Justizrath geworden ist. Will man aber Jemanden etwas an's Kleid flicken,, so fällt man auf die dümmsten Dinge. Jetzt klagen wir darüber, daß die Juden nicht alles mit uns essen, thäten sie es aber, würde man bald schreien, daß sie alles wegäßen. Ltullorum Ihesaariis maledicentia. So hat man auch gesagt: „hie Juden wollen nicht mit uns den Sabbat halten." Allein Quaeritnr: Wollen wir denn mit irgend Jemand den Sabbat halten? Quaeritur iterum: Wollen wir überhaupt einen Sabbat feiern? Die Zusammenkunft der Landwehr ward zu feiner Zeit'oft am Sonntag- Vormittag anbefohlen; die Küstenmiliz hielt ihre Waffenübungen am Sonntag Vormittag; die Translokation der Einquartirten fand am Sonntag statt. Man wird sagen: „das war zur Zeit des Krieges." Concedo. Aber grade zu Kriegszeiten soll man got'