Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1841)
- Date
- 1841-04-10
- Page
- Seite 215 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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215 Allerdings ist diese Rede in ihrer Form monströs, da sie mit einer Abtheilung in I. und II. beginnt, die sich aber in's Ungetheilte vertheilt. Auch sind die Farben des Lobes zu stark aufgetcagen. Ferner lag es wol in lokalen Umständen, daß Streitfragen aus dem Gebiete des jetzigen Judenthums in die Huldigungsrede gebracht worden. Auch auf Korrektheit der Sprache hat der Redner noch zu achten. — —. tnp oder Fest-Reden und Fest-Vorbereitungsreden für das ganze Jahr. Gehalten und herausgegeben von Salomon Pleßner, Religionslehrer in Berlin. Berlin, 1841. S. XXVI und 421. Die Arroganz, mit der diesmal Herr Pleßner, dieser Prediger in der Wüste, seine Vortrage in die Welt schickt, verdient einmal eine vollständige Zurechtweisung. Nicht allein, daß dieser Vielredner die ganze Welt um sich außer „einem kleinen Häuflein von Gläubigen" in den Pfuhl der Sünde versunken glaubt, dünkt er sich selbst ein Prophet, der die Stimme der Wahrheit vergebens ertönen läßt. Er nennt sich (S. V.) v?n „Ohnmächtigen, durch den Gott in einer Zeit geistiger Erschlaffung und Abgestorbenheit für die höheren Interessen der Zeit (die sich freilich für Herrn Pleßner lediglich in seinen Vorträgen koncentriren!), den Geist einer verschollenen Vorzeit in's Leben zu rufen ff." würdigt. Während die ganze andre Welt nur Rückschritte macht, „schreitet Herr Pt. (S. VI.) in einem erhabnern Sinne, mit rascheren Schritten, ja mit jedem Momente schneller vorwärts." Er verdreht die Augen über die Männer, von denen Israel die Erhaltung und Fortführung seines Glaubens hofft, weil er nicht dazugehöre. Dagegen sind es die geachtetsten Rabbinen, die von ihm Festreden verlangen (! Wir können Herrn Pl. ebenfalls mit einer ganzen Reihe von Winkelrabbinen und Winkellehrern dienen, die Jahraus Jahrein Festreden verlangen, um sie als die ihrigen vor den unwissenden Gemeinden zu halten.) Alle Prediger Israels gehen in ihren Reden schnell über den Inhalt der Feste weg, und wenn daher keine Piutim gesagt würden, wüßten die Synagogenbesucher gar nicht, daß ein Fest wäre — seine Festreden machen natürlich eine Ausnahme, und sie haben eine solche „innere Fülle (S. XL.) daß diese den höhern Ursprung (also Herr Pl. ist inspirirt!) mehrer in derselben gegebenen Deutungen über Sprache und Sachen (!) verbürgen kann." Ein Korrespondent dieser Zeitung hat. in einer unglücklichen Stunde Herrn Pl. einmal mit Schleiermacher verglichen. Der Redakteur ließ diesen Ausdruck hingehen, und Herr Pl. kann ihn nun nicht vergessen. Aber wo wäre er nun noch damit zufrieden? S. XLI. wird gelehrt, wie weit Herr Pt. darüber erhaben ist. Herr Pl. dünkt sich ein prophetisches Organ, ja ist sogar über dasselbe gestellt, weil er vom Ceremonialgesetz predigt (S.XV.), und dies wieder aus reiner praktischer Befolgung des Gesetzes stießt (S. XVI.) Auf einen symmetrischen Bau seiner Predigten habe ec nicht zu sehen, denn die Torarollen haben keine Interpunktionen, Accente, Absätze, bald größere, bald kleinere Abschnitte ff., und darum „muß diese freiere Diktion zum Theil auch denjenigen Arbeiten nachgegeben werden, die dem Göttlichen sich anschließen" (!!! S. XXll.) „Was kümmert sich die ergiebig spendende Himmelskraft, was der unaufhörlich sich ergießende Strom der höhern Unerschöpflichkeit (!) um die enge Schranke des menschlichen Verstandes, die er sich durch die Regel setzen muß?"- Wir sehen, Herr Pleßner hat den Weg des Schwärmers sehr schnell zurückgelegt: schon vergöttert ec sich selbst, hält seine Deutungen für göttlichen Ursprungs, seine Arbeiten sind ein Anhang zur Tora, vom heiligen Geiste diktkrt-was fehlt Ihnen noch zum Propheten, Herr Pleßner? Und o, Berlin, solchem Propheten lauschest du nicht? merkst nicht auf ihn, und eilst dem Verderben zu?-Doch was Ihnen fehlt? Wahrlich, nicht der heilige Geiß allein, sondern jeder wahrhafte Schwung, jede innigere Erhebung, jede Erhabenheit der Empfindungen, jede tiefgehende und begeisternde Diktion. Denn Sie sind wahrlich in einem großen Jrrthum befangen! Kleinliche Auslegungen, bisweilen sinnige, bisweilen sinnlose Deutungen und Verdrehungen, und vor Allem recht häufige Citate aus unseren älteren Schriften — wenn sie nur einen hebräischen Titel führen — und noch häufigere ihrer eigenen Reden — bis zum Ekel wiederholt — dies ist es, was Sie in Ihrer Wohlgefällige keit für Prophetieen hatten und ausgeben wollen! — Herr Pt. hat einmal die Frage vernommen, ob seine Vortrage „Predigten" oder „Deraschet" zu nennen seien? Und an dieser Frage kaut er noch, und kann sich von keinem dieser Titel lossagen, verwirft sie beide und nimmt sie Beide in Anspruch (S. XLIL.) Wir wollen Herrn Pt. einen Gefallen thun, und ihm zur Wahrheit verhelfen. Seine diesmal uns vorgelegten Reden sind weder „Predigten," noch „Deraschot" — sie sind ganz einfach, was nian „Schiur-sagen" nennt, und was jeder tüchtige Rabbine alle Sabbate Nachmittag leistet. Dies,