Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1841)
- Date
- 1841-04-10
- Page
- Seite 209 (sequence 5)
- Language
- German
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Nein, ich will die hier vorwaltenden Tendenzen nicht näher bezeichnen, die Thatsache allein soll sprechen, und wenn, unter dem Borwande, nach dem Buchstaben des Gesetzes zu handeln, längst vergessene Verordnungen wieder hervorgeholt werden, wenn, unter dem Vorwände, daß die Juden noch keine europäische Stellung einnehmen — wo die gerechten Worte „die Juden fordern ein Recht, und man antwyrtet ihnen mit einem Zustande" so füglich anzuwenden sind — ihre Lasten mehrt, wenn in Gesellschastssälen und auf den Kanzeln, in Gelehrtenstuben und auf dem Katheder, überall der Jude mit Gehässigkeit überschüttet wird: so wollen wir aus unsre Wunden nur hinzeigen, und diese sollen unsre kräftigste Vertheidigung führen. Vor fünf Jahren bereits hat man die jüdischen Antiquare und Eisenhändler von dem hiesigen Ring vertrieben, und in einen entlegenen Winkel der Stadt versetzt, aber man blieb dabei nicht stehen. Bald darf der Jude unter polizeilicher Strafe keinem Christen auf ein Pfand leihen, bald wird er vom Markte verwiesen, „weil er da nur herum schleiche, um durch Wucher Geld zu erpressen," bald verbietet man ihnen, nach einem längst vergessenen, (vor 30 Jahren unter österreichischer Herrschaft entstandenen) Gesetze, auf dem hiesigen Kleparz während der Marktzeit — Montag Vormittags — den Getreidehandel, weil, wie es den Polen von ihren Ahnen überliefert worden, „die Israeliten sich des Handels bemächtigen"'); bald wird es den Juden nicht gestattet, eine I) Eine hier anonym aber, wie bekannt, von derDeputirtensitzung erschienene Broschüre unter dem Titel: Uwagi nad pytaniem: czyli zydzi polscv major bydz lubnie przypuszczeni do prawobywatelskich i polilycznych, („Bemerkungen über die Frage: Sollen die Polnischen Juden zu den bürgerlichen und politischen Rechten zugelassen werden, oder nicht? Krakau 1816) äußert sich über diesen Punkt auf folgende Art. Es ist eine allgemeine Meinung, daß der ganze Polnische Handel in den Händen der Juden ist, und daß sie folglich wenigstens in dieser Rücksicht dem Staate nützlich seien; aber wollen wir darauf sehen, daß den Handel en gros nur die Reichern von ihnen in Händen haben, daß aber bei der niederem Klasse er bloß auf Wucher und Schacherei fußt, und daß, indem die Juden über ganz Polen ihren Handel ausgebreitet sie zugleich die Inländer davon. ausgeschlossen haben, so fallt jene Meinung von selbst ganz weg." (S. 33). Aber auf solche und ähnliche, von dieser Schrift den Juchristliche Amme in ihrem Hause zu halten, weil, wie es öffentlich im hiesigen vrienvik (Tageblatt) ausgesprochen worden, „die Juden der Unreinigkeit verdächtig sind"; bald verweigert man ihnen, den allgemeinen Nationalfeierlichkeiten deizuwohnen, man mißt ihnen den Boden zu, den sie betreten dürfen, und sie — ziehen sich erbittert in ihr Viertel zurück, der den kläglichsten Anblick bietet.-Wie auch der Stand, die Lage des Staates sei, die Juden entgehen den bittersten Beschuldigungen und Anklagen nicht; steigt die Selbstständigkeit der Nation, so beschuldigt man die Juden der Untreue gegen das Vaterland ^), der Geringschätzung ihrer christlichen Mitbrüder* 2 3 4 5), des Meineides *) und der Gewiffenslosigkeit gegen ihre Beschützer; fällt sie, so sind wiederum die Juden die Ersten, die dazu beigetragen haben'); hört man sie in irgend einem Winkel des Erdballs irgend eines Verbrechens schuldig halten, so wird es vom hiesigen polnischen Publikum vielfach gesteigert, mit hämischer Lust kombinirt man lügenhafte Erdichtungen mit früher vorhanden gewesenen 6), und dann ist die Andichtung sanktionirt. den gemachte Vorwürfe, antworten wir schlicht 'und recht, mit dem alten Sprüchwort: lionores mutant mores.“ Corresp. 2) Ebenfalls eine kleine ererbte Thesis. Unter dem Könige Michel Koribut (reg. von 1668—1673) wurden die polnischen Juden schrecklich mißhandelt, weil man sie des Berraths an die Türken, von dem auch nicht die geringste Spur vorhanden war, beschuldigte. Corresp. 3) S. die oben 'angeführte Schrift S. 51. Note. Corresp. 4) Leur serment est aussi un genre d’Anatheme contre les parjures, 1’effet de ce serment est nul, lorsqu’il s’agit des Chretiens, car selon leurs iois, tout serment prete devant un Chretien contre ou pour un Chretien, ou par son ordre, perd de sa validite. (Apercu sur les juifs de Pologne par un officier general polonais — nach dem Konversationslexikon Art. Juden und der Unterschrift unter der Vorrede, nämlich K., soll Krasinski der Verfasser sein — 1818. S. 34.) Wer nur eine geringe Kenntniß der jüdischen Ritualgefetze besitzt, wird von selbst das Nichtig« dieser grundfalschen, lügenhaften Angabe einsehen. Corresp. 5) „Und stießt stromweise das Blut der polnischen Bürger, so geht von dem ihrigen — der Juden— kein Tropfen verloren." (Uwagi e. c. S. 33.) Corresp. 6) Zwischen einer Menge von Anschuldigungen hinsichtlich des Blutbedarss, hat ein polnischer Schriftsteller