Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1841)
- Date
- 1841-04-10
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
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-Oesterreich. Pesth, im Februar. Da wir jetzt so oft von der sozialen Emanzipation der Juden zu sprechen Gelegenheit haben, so wird folgende pikante Anekdote, welche die Abendzeitung von hier aus erzählt, nicht ungern gelesen werden. „Ein Vorfall auf dem heurigen Juristenball gab den nationalen und deutschen Lokalblättern Anlaß zu erheblichen, mitunter possirlichen Debatten. Bei der Unzahl der hier domizilirenden akademischen und praktizirenden Juristen ist es natürlich, daß dieser Ball an Frequenz und Noblesse die übrigen, größeren Gesellschastsbälle überragt. Dieser war auch stets streng abgeschlossen, und höchst selten, selbst dem vornehmsten Nichtjuristen, wessen Standes und Charakters er auch sein durfte, zugänglich. Nun wurden mehrere jüdische Studirende und Kaufleute von liberalen angesehenen Juristen mittelst sogenannter Familienkarten, von denen die Ballaktionäre eine gewisse Zahl zur beliebigen Ä«r- III. NN72B ev Vn Tis; b3 piM *125 iwn trlröK : tom NSi7:b IV. t r;- ~ r ■ib in •ibsrp?. t^TißSt* : r,»n bn-1! vnb ‘isa V. T'72Cj üvi72 riiarr “Dit N72LS N227 a^n ■jn; rron nwv -lisb : NB 72 riwrr. nn^22b V2 VI. in^ssb NLli by^ Anp!2 nersi Aw; Ndr^i : NB72 N'v; üiN72,2 .bist 2NN2 db fbrfyfä m theilung stets erhalten, zu diesem Balle eingeladen. Die Eingeladenen wurden von der Ballgesellschaft mit zartester Aufmerksamkeit behandelt; nur, einem eingefleischten Aristokraten wollten die Abrahamiten (!) durchaus nicht munden. Er nahm einen von den Gästen, Namens Kunewalder, an der Hand, führte ihn mit ironisirender Sanftmuth bei der Hand mit den Worten: „Mein Herr, Sie gehören nicht hierher," zur Thüre. Herr Kunewalder, ein äußerst gebildeter junger Mann, faßte sich schnell und erwiderte: „Um öffentliche Excesse zu vermeiden und eine so brillante Gesellschaft nicht zu derangiren, entferne ich mich, aber Morgens 10 Uhr erwarten Sie mich zur Genugthuung auf Ihrem Zimmer, wenn Sie ein Ehrenmann . sind." Der Beleidigte fand sich pünktlich ein, und ließ dem Beleidiger die Wahl zwischen Sabel, oder Pistolen. Tiefbeschämt erkannte dieser seine Uebereilung (!) und bat-um Verzeihung. He§r, Kunewalder gab unter der einzigen Bedingung nach, dgß diese Abbitte auf's feierlichste in den Nationalzeitungen erfolgen müsse. Tags darauf bildete diese öffentliche Abbitte in allen hiesigen Blättern das allgemeine Stadtgespräch. Höchst liberal benahm sich bei vorerwähntem Anlasse die seit Beginn dieses Jahres erscheinende kogte Hirlop (Pesther Zeitung), redigirt von dem geistreichen amnestirten von Koßhut. Energisch und freimüthig demonstrirte er diese Beleidigung als einen Rückschritt in der magyarischen Civilisation, deren Förderung vorzüglich Pflicht der Akademiker sein sollte." — Krakau. Krakau, 16. März. (Privatmitth.) Die jüngsten Artikel der Allg. Zeit. d.. Jud. von hier haben zwar schon mancherlei über die hiesigen israelitischen Zustände gegeben, und hier und da schon. Mancher Theilnahme geweckt, aber erschöpfen konnten sie diesen umfangwie thränenreichen Gegenstand nicht. Denn von der einen Seite giebt es noch so Vieles, was an das Licht gezogen werden muß, von verändern müssen wir dafür sorgen, daß das Mitgefühl nicht vorübergehend sei, daß man schriftstellerischen Ueberschreibungen nicht beilege, was traurige Wahrheit ist, und am Ende wird es ja dem macht- und einflußlosen Israeliten die einzige Tröstung gewähren, wenn er seinen tief gefühlten Schmerz in Worte kleidet.