Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1841)
- Date
- 1841-04-10
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
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206 fern Hause zn sitzen, reklamiren würden, werde er sie sicherlich unterstützen. (Lauter Beifall von tzen Bänken der Ministeriellen.) Er stche nicht an zu sagen, daß die einzige Bedingung, weGe er für nothwendig halte zur Ausübung der bürgerlichen Macht, sei, daß die Person die bürgerliche Befähigung besitze. (Beifall.) Allerdings wahre er selbst vor der Meinung, daß die Juden zu Aemtern, die mit der Kirche in Verbindung ständen, zuzulassen seien, aber in Beziehung auf alle anderen bürgerlichen Aemter, welche zu erlangen in der Macht eines brittischen Unterthanen stehen, würde er bereit sein, die Bill zu unterstützen, und jede andre Maßregel, die auf dem Prinzip der bürgerlichen Freiheit beruht. (Lauter Beifall.) Mr. Ewart sagte, daß die Einführung theologischer Argumente bei Gegenständen, die nur mit der menschlichen Vernunft zu thun hätten, gewiß deinen Kredit im Hause gewänne. Religion habe nichts mit politischen Diskussionen zu thun, und werde am füglichsten bei solchen Veranlassungen draußen gelassen. In der That verdiene das Hauptargument des ehrenwerthen Mitgliedes für die Universität Oxford keine ernstliche Widerlegung. Mr. C, Hamilton, wenn auch Konservativer, spricht sich gegen die unduldsame Rede des Sir Jnglis aus, und opponirt seinem Amendement. Mr. Mi ln es unterstützt die zweite Lesung der Bill, aber wahrt sich vor der Voraussetzung, mit Lord I. Rüssel für die Zulassung der Juden in das Haus zu stimmen. Die Abstimmung giebt für die zweite Lesung 137 Stimmen, gegen - 24 — Majorität zu Gunsten der Bill 113Stimmen, ein im englischen Hause seltenes Resultat. London, 13. März. Unterhaus. Sitzung vom II. März. Sir R. Jnglis brachte eine Petition ein, in welcher darauf angetragen wird, daß die Regierung dafür sorgen solle, den Christen und Juden in Syrien volle Religionsfreiheit zu sichern, und daß England in derselben Weise das Protektorat über die Protestanten in der Levante übernehme, wie Rußland das Schutzrecht über die Griechische und Frankreich über die Römisch-katholische Kirche in jenen Gegenden es ausübe. Lord Palmerston erwiederte, daß bereits bei der Pforte Schritt« grthan seien, um den Syrischen Ehristen ihre Relsgionsfreiheit zu sichern; was aber das in Anregung gebrachte Protektorat betreffe, so werde es nicht leicht sein, von der Pforte ein Vorrecht der Art bewilligt zu erlangen, welches den von Frankreich und Rußland in Gemäßheit sehr alter Verträge ausgeübten Schutzrechten gleichkäme. Wenn indeß die Pforte den auf die Religions-Toleranz bezüglichen von ihr erlassenen Hattischeriff gehörig zur Ausführung bringe, so sei nicht zu zweifeln, daß' alle Zwecke derer, welche die Religionsübung sowol der Christen wie der Juden sicher gestellt sehen wollten, werde erreicht werden. London, 15.März. (Privatmitth.) Am AMärz fand hier in der Synagoge der spanischen und portugiesischen Israeliten ein feierlicher Gottesdienst statt, dem Herrn für den glücklichen Erfolg, den Sir Moses Montesiore's Reise nach dem Orient gehabt, zu danken. Vor den Thüren der Synagoge fand ich ein beträchtliches Gedränge ärmerer Israeliten, welche den edlen Vertheidiger ihres Glaubens wenigstens sehen wollten. Im Vorhofe waren Kinder und die Almosengänger der jüdischen Gemeinde versammelt. Man wurde nur auf Vorzeigung eines Entröebillets eingelassen, von denen ich eines nur mit Mühe erlangt hatte. Die Synagoge war glänzend erleuchtet, und angemessen gefüllt, die Damen, wie gewöhnlich, aus dem Chore. Alle israelitische Gentlemens der Stadt waren gegenwärtig. Ich bemerkte unter Anderen den Baron Rothschild mit mehreren Gliedern seiner Familie, den Sherif Salomons, Herrn Goldsmith, d'Jsraeli ff. Um drei Uhr erschien Sir Moses Montesiore, und der Gottesdienst begann. Lady Montesiore war ebenfalls gegenwärtig, und saß neben ihrer Schwester, der Baronin Rothschild. Der Gottesdienst war hebräisch, doch wurden Bücher, welche den Text auf der einen, die Uebersetzung auf der andern Seite hatten, vertheilt. Der Gottesdienst dauerte von 3 Uhr bis halb sechs, und bestand meist aus Gesängen. Eine Anzahl Spenden für die Armen wurden bemeldet, unter Anderen die des Sir Moses von 100 Guineen, die gesammte Summe muß sehr beträchtlich gewesen , sein, und wird an alle Armen der Synagogen London's vertheilt. Der ehrwürdige Herr De Sola hielt die Predigt.