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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-04-03 · Heft 14 (3.4.1841) · p. Seite 203

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 14 (3.4.1841)
Date
1841-04-03
Page
Seite 203 (sequence 15)
Language
German
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203 wir die Farben von den vagabundirenden Subjekten, die uns-'behelligen, leihen. Ein tiefes Gemüthsleben, ein raffinirter Witz, eine Scharfsicht in den drückendsten Lebensverhältnisscn, diese sind ihre Mittel, ihre Waffen, ihre Wehr. Erst nach Jahren gelang es mir, meiner Dankbarkeit in Etwas Genüge thun zu können. Damals hatte ich ihnen Nichts zu bieten, als den Segen Gottes, denn mein S.oldatenkleid war Alles, was ich hatte. Ich führe Sie schnell wieder über die nächsten Kriegsjahre hinweg, und all' ihren Wandel, um zü dem entscheidensten Momente meines Lebens zu kommen. Mein Regiment hatte in Spanien blutige Lorbeeren geerntet, ich war zum Sergeanten avancirt. Jetzt wollte Napoleon an den nördlichen Koloß all' seine Kräfte wagen. Wir wurden beordert, Spanien zu verlassen, durch Frankreich nach dem Rhein zu ziehen, weiter durch Deutschland nach dem Norden zu folgen. Der Befehl war erst spät bei unftrm Regiment eingetroffen, es befand sich gerade im elendsten Zustande der Equipirung, weshalb einige Zeit verlief, bevor wir wieder einigermaßen montirt waren, dazu kam der weite Marsch. Kurz, diese Umstände verursachten, daß wir im nördlichen Deutschland anlangten, als die große Armee bereits in voller Flucht aus Rußland begriffen war. Alsbald wurden wir gebraucht, die Stellung in Deutschland bis zum Frühjahr 1813 behaupten zu helfen. Einige Monate später zog der Kaiser seine Heere auf Leipzig zusammen, wohin ihm die Armeen der Murten nachdrangen. Es war im September, gegen Ende des Monats, als mein Regiment in dem kleinen D. eintraf, um einige Rasttage zu halten. Es war am Vortage des Versöhnungstages, und ich erhielt die Erlaubniß, mich in die Mitte meiner Glaubensgenossen zu begeben. Aus dem Innersten meines Herzens quollen die Gebete, die ich nachlas. Ich hatte das 30ste Jahr meines Lebens erreicht, unsägliche Strapazen lagen zwischen damals und jenen stillen, heiteren Jahren meines Kaufmannsstan. des, aber sie hatten nicht hingereicht, mir einen bestimmten Standpunkt für das Leben zu erringen, und die unglücklichen Zeitverhältnisse konnten nur meine Aussichten trüben. Wie ich so unter den mit Todtenhemden bekleideten Betern weilte, ergriff mich das Gefühl, wie ich so nirgends hingehörte, und Alle bei den Tobten weilten, die je Theil an mir genommen. So überließ ich mich ganz dem Strome der Empfindungen, die mich überwältigten und über den Augenblick und seinen Inhalt hinwegführten. Ich vernahm nicht, wie schon seit geraumer Zeit zu der hinter Gärten und Hintergebäuden versteckten Synagoge Getöse und Waffenlärm herübcrschallte. Plötzlich erschienen einige Glaubensgenossen, die meldeten, daß die Preußen das Städtchen überfallen, viele Franzosen gefangen genommen, die anderen vertrieben hatten, so daß sie sich in schleunigster Flucht unter dem Schutze der Nacht entfernten. Dies Alles war das Werk einer kurzen Stunde, die wir im lauten Gebet verbracht hatten. Aller Blicke wandten sich auf mich; eben wollte ich mich rathlos entfernen, als der Vorsteher der Gemeinde und die angesehnsten Mitglieder über mich Hersielen, mir die Montirungsstücke in aller Eile vom Leibe rissen, diese in den Stätten und Pulten versteckten, wir einen schnell herbeigeholten Civilrock anzogen, während Einer aus Fürsorge sogar sich seines Todtenhemltes entkleidete, und mir ihn überwars. Trotz des heiligen Festes wurde bald eine Scheere herbeigeholt, und der Schnauzbart mir unerbittlich heruntergeschnitten. So war ich im Nu aus einem kaiserlichen Soldaten in ein jüdisches Gemeindemitglied verwandelt. Ich mußte mich in mein Schicksal ergeben, und dem Herrn, wie diesen braven Glaubensgenossen, die sich an meiner Inbrunst erbaut hatten, danken. Denn, wie ich später einsah, konnte nur drückende Gefangenschaft mein Loos sein, da ich von meinem Korps völlig abgeschnitten war. Bald darauf ward die Schlacht bei Leipzig geschlagen, und die Trümmer des französischen Heeres eilten im Fluge zum Rheine. So hatte mich abermals mein Glauben aus großer Gefahr gerettet. Aber was nun? Zehn Kriegsjahre ließen mich hülflofer zurück, als sie mich beim Beginne gefunden hatten. Die Gemeinde, mit der ich mich offen über meine Lage besprach, gelobte einstimmig, mich nicht zu verlassen, sie wollte mich als gemeinsamen Sohn annehmen. Vorerst wurde ich vom Vorsteher willig und gastfreundlich empfangen. Dieser biedere Mann, der vom heimlichen Kamin aus vor seinem Leben gern in das wechselnde Spiel des Krieges hinausrückte, fand den Lohn seiner Gastfreundschaft in der Erzählung meiner Kriegsabentheuer. Abends, wenn

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