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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-04-03 · Heft 14 (3.4.1841) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 14 (3.4.1841)
Date
1841-04-03
Page
Seite 204 (sequence 16)
Language
German
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204 seine Familie um den Tisch sich versammelt hatte, mußte ich erzählen, und mein Stoff ging so wenig aus, wie die Aufmerksamkeit meiner Zuhörer. So verging das Laubhüttenfest, und schon hatte ich alle Herzen im Hause gewonnen. Mein Wirth war Kaufmann. Als daher die Werkeltage begannen, bat ich ihn, mir zu gestatten, mit Hand an's Werk zu legen, und ehe ich es mich versah, hatte ich alle meine kausdienerischen Künste wieder hervorgeholt. Mein Eifer, meine gute Handschrift, die dem Alten sehr zu Statten kam, machten mich bald unentbehrlich. Was soll ich Sie lange aufhalten? Ich blieb. Ich gewann bald das Herz der ältesten Tochter des Hauses, die durch ihr liebenswürdiges Aeußeres, durch die Sanftmuth ihres Charakters, durch die Treue und Reinheit, die aus ihren blauen Augen sprachen, auch mich fesselte. Der Vater war es zufrieden, er erwirkte mir durch seine Konnexionen das Einwohnerrecht, und als der Frühling kam, sah ich mich in einer Gegend, an die ich nie gedacht, in einem Städtchen, das ich nicht dem Namen nach gekannt, als Ehemann und etablirten Kaufmann, glücklich und beglückend. Mein Geschäft hatte guten Fortgang, meine Familie mehrte sich. Als nach Verlauf einiger Jahre mein Vater zu seinen Vätern versammelt worden, erwählte mich die Gemeinde zu ihrem Vorsteher. Auch dies sollte von wesentlichem Einfluß auf mein Schicksal sein. Es war jene betrübende Zeit, wo eine allgemeine Reaktion in den Welthändeln sich bemerklich machte. Volk und Regierungen strebten auf ihre, allerdings verschiedene Weise nach früherm Zustande der Dinge zurück. Die deutschen Alterthümler begannen ihre weltbeglückenden Prozeduren mit der gehässigsten Behandlung der Juden, aber auch von oben herab, obgleich man die Juden in Leib und Eigenthum schützte, führte man alte Verhältnisse größerer Abhängigkeit und benachtheiligterer Stellung für die Juden wieder zurück. Auch in unsrer Gegend äußerten sich Helle Symptome dieses Geistes. Da nun unser Städtchen die Hauptstadt eines großen Kreises war, so führten mich diese Umstände oft zu unserm Landrathe persönlich. Bald mußte ich bei ihm Beleidigungen von außen zur Klage bringen, bald gegen Beschränkungen protestiren. Ich fand an ihm einen humanen, aufgeklärten, billig denkenden Mann, dem aber, zu eignem Mißbehagen, die Hände vielfach gebunden waren. Er war nicht Herr der Verhältnisse, sondern mußte nach Instruktionen handeln, und ging offen in meine Klagen ein. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen I^Ngr. (1 Ggr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Zum ersten d. I. kann in hiesiger, aus zwölf Mitgliedern bestehenden Gemeinde ein Schächter und Vorsänger eine Anstellung finden. Derselbe erhält freie Station, ein jahrl. Gehalt, incl. Accidentien, von 100 Thlr. Pr. Ert. und außerdem fallen ihm die Schechita-Gebühren zu. Er muß mit einem Attest des Inhalts versehen sein, daß er zu jeder Zeit in seinem Vaterlands wieder aufzunehmen fei und muß von dem Landes-Rabbinen, Herrn Dr. HoldhrirN in Schwerin approbirt werden. Schleunige portofreie Anmeldungen bei dem Penzlin in Mecklenburg-Schwerin. Vorsteher §>r. Götz. Pleßners Festreden. Bei G. Eichler in Berlin ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: oder Festreden und Festvorbereituugsred en für Israeliten auf alle Feste des Jahres von Salomon Plestner. 4 Hefte. (448 Seiten.) Preis 2 Thlr. Allen Freunden und Verehrern der Pleßnerschen Schriften mag diese treffliche Sammlung aus das dringendste empfohlen sein. Druck von I. Bs Hirschfeld.

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