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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-04-03 · Heft 14 (3.4.1841) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 14 (3.4.1841)
Date
1841-04-03
Page
Seite 202 (sequence 14)
Language
German
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202 thums als Prinzip aufstellen. Aber die letztere trug ihre Früchte eher, als die Frage der Emanzipation gelöst worden ist. Bon Verbesserung der bürgerlichen Lage der Juden in Preußen war noch gar nicht die Rede. Der Monarch schätzte den Philosophen, nicht den Repräsentanten des Judenthums; hier galt er ihm nur als Ausnahme von der Regel. Man sprach zuweilen über den Glauben, aber seine Bekenner wurden dem Staate nicht genähert, und Mendelssohn mußte schmerzlich fühlen-, wie die Zeit zur Umgestaltung dieses Verhältnisses noch nicht reif war." (Schluß folgt.) Belletristik. Förderung und Hemmniß. Eine Skizze aus dem Leben. (Fortsetzung.) Als ich erwachte, war es still um mich, und der Abend sank feucht herab. Es mußte hier noch einen harten Strauß gekostet haben, denn um mich, vor mir, neben, hinter mir lagen die Leichen aufgehäust. Von der Schlacht war nichts mehr zu vernehmen auf dem fernen Hügel, es hatte sich Alles verzogen. Ich fühlte eine tödtliche Ermattung, ich konnte mich nicht regen, die Zunge klebte am Gaumen, auf meiner Wunde mußte das Blut geronnen sein, denn ich fühlte es nicht rieseln, der Schmerz war dumpf und allgemein. Ich glaubte, erwacht zu sein, um noch einmal zu sterben. Eine Stunde mochte ich schon so gelegen haben, und es begann zu dämmern. Wenigstens dämmerte es vor meinem Geiste, die Gedanken und Bilder verwirrten sich. So habt ihr nicht gelogen, Geister meiner Jugend, und ich sterbe! rief es in meinem Innern. Und wieder kam der Zug heran, von der Spitze des, Hügels, aber langsam diesmal, gemeßnen Schrittes, in einer langen Linie. Doch Alles wich vor mir aus, und nur mein Vater, meine Mutter, mein Pflegevater und Sara sonderten sich aus dem Zuge, und stellten sich um mich. Sie neigten ihre Häupter nieder zu mir, immer tiefer und tiefer, und ich sah in ihre glanzlosen Todtenaugen hinein, die geronnen waren. Wir wollen dich, wir wollen dich! sprachen sie. Ab et du bist ja Jude, und wenn du nicht stirbst, wie ein Jude, können wir dich nicht hinauftragen! Ja, ich bin ein Jude! rief es in mir, und das langvergessne Wort war wieder lebendig worden in mir. Und ich sehnte mich, ihre Hände zu fassen. Da begann ich das jüdische Sündenbekenntniß, eifrig, eifrig herzusagen, meine Zunge stammelte geläufig die alten Laute, Oschamnu, bogadnu und so sofort begann ich immer wieder, bis zu Ende. Da war meine ermattete Seele wieder kräftig geworden. Weiter, weiter! riefen die Geister mir zu. Noch eine Erinnerung blitzte mir durch die Seele. 8cbem», disrael, kreischte ich auf, Adonai. Elohenu, Adonai echod! Und ich sank in die Arme deS Todes.- Aber ich kehrte dennoch zum Leben wieder. Ich erwachte auf einem ärmlichen Lager in einem nieder» Zimmer. Wie lang ich da gelegen hatte, wußte ich nicht. Ich sammelte mein Bewußtsein. Ich sah mich im Zimmer um, und erblickte einen Greis mit langem Silberbarte, stierend in einen großen Folianten. Dort an der -Wand hing ein schlecht gerahmtes Papier, auf welchen mit großen Buchstaben — Misrach stand. .Daneben ein großer und ein kleiner Beutel. An der Thürpsoste war ein länglichter Blechkasten befestigt, aus dessen Oeffnung das heilige Wort Schaddai entgegenschaute. Ich wußte, ich war bei Juden. Doch ich will Sie nicht aufhalten. Später theilte man mir mit, daß einige polnische Juden unter dem Schutze der Dämmerung auf dem entlegenem Theile des Schlachtfeldes herumgestreift, um Beute zu suchen. Da hörten sie ein lautes Schema, und überzeugt, daß hier ein sterbender Jude läge, waren sie hcrangeeilt. Sie fanden mich, als ich eben bei dem Worte eciiod wieder zusammensank. Darauf hatten sie mich ausgenommen, in das nahe Städtchen getragen, und bei einem aus ihrer Mitte niedergelegt. Sie hatten mich verbunden, so gut sie konnten, und später einen Wundarzt gewonnen. Ich war bald in ein heftiges Wundsieber verfallen, und aus diesem in todesähnlichen Schlaf. Doch ich war gerettet. Mehrere Wochen blieb ich bei meinen polnischen Juden, und erfuhr auch hier, welch' falsches Bild wir uns von dem Volksleben dieser Schattirung unsrer Glaubensgenossen zu machen pflegen, indem

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