Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1841)
- Date
- 1841-04-03
- Page
- Seite 201 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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201 letztere eine Frucht guter und' glücklicher Spekulationen. Friedrich II. war nicht im mindesten daran gelegen, den Handel seiner jüdischen Unterthanen zu beleben, es galt ihm mehr, die Staatskasse durch sie zu bereichern und den Flor inländischer Erzeugnisse um jeden Preis zu befördern sei es auch auf Kosten dieser Glaubensgenossen, und man darf wol hinzusetzen, auf die der Billigkeit. Oder wie könnte man die Erhöhung des Schutzgeldes von 100 Dukaten anfangs auf das Fünf-, später auf das Achtfache mit andern Augen betrachten? Nicht minder die Auflage, Münzsilber zu niederm Werthe liefern, bei jeder Verheirathung für 1500 Thlr. Landesprodukte ins Ausland schaffen, bei Erlangung eines Privilegiums für 300 Thlr. inländisches Porzellan kaufen zu müssen? Grade diese Anordnungen verdienen Erwähnung, weil sie aus keinem andern Grund als aus dem Prinzip der Staatsbereicherung erklärt werden können. Die Justiz erlitt hinsichtlich der Juden im Allgemeinen feine. Beschränkung, der ordentliche Gerichtsstand derselben war bei den Stadtgerichten und Justizämtern, und die Angelegenheiten ihres Schutzes besorgte ein Generaldirektorium. Den neuen Ansiedelungen dagegen wurden Schranken gesetzt, die Familienprivilcgien sollten nur auf Einen Leibeserben übergehen, neue nur durch große Summen erkauft werden. Das Recht des Grundbesitzes, die Erlaubniß, Gewerbe treiben zu dürfen, erlitt bedeutende Beschränkungen. Die Gemeinden hatten für den Militärdienst, und die zu Berlin für das Feuerlöschen ein Aequivalent in Gelde zu entrichten; die Erlaubniß zur Heirath war mit Umständen und Kosten verknüpft. Diese letztern und ähnliche Bestimmungen athmeten zwar den Geist der Härte, konnten aber immer aus dem noch jetzt großentheils geltenden, wenn auch stets unrichtigen Grundsätze ver- Iheidigt werden, die Juden als ein Staatsübel zu betrachten, deren Vermehrung oder Emporkommen Hindernisse entgegenzustellen seien. Allen gesunden Staatsprincipien aber läuft das von Friedrich II. zuerst begründete und noch heute in Preußen befolgte System zuwider, die innere Verfassung der jüdischen Gemeinden und die Entwickelung des israelitischen Kultus ihrem Schicksale gänzlich zu überlassen. Während die meisten andern Saaten die Feststellung der erstern und die Beobachtung sowie die. oberste Leitung des letztern sich zur wichtigen Aufgabe gemacht haben, stellte und stellt noch jetzt die preußische Regierung beide dem Ungefähr'und der Vernunft oder Unvernunft der Individuen, namentlich der Rabbinen, anheim- Grade diese Regel, deren weitere Erörterung unten ihren Platz finden wird, hat die wohlthätige Reform unlängst im Keim erstickt, welche von der aufgeklärten Mehrzahl der Juden gewünscht, von den meisten Staaten unterstützt wird. Ob diese Nichtachtung der inner» jüdischen Verhältnisse schon damals der geistigen Entwickelung, der Fortbildung des Judenthums Schaden zusügte? Diese Frage verdient eine unbedingte Verneinung. Sowie die deutsche Literatur, als zartes, sich selbst überlassenes Kind bald emporstrebte, noch unbeschützt, ja hintangesetzt von Allen, die für sie sorgen konnten, so reifte die neue hebräische Literatur Hand in Hand mit den Ideen des Fortschritts heran, weil sie frei waren; ja selbst die 'mancherlei Uebergriffe, welche — die natürliche Geschichte jeder Revolution — der eine oder andere Denker sich später in den letztern erlaubte, sind durch jene erste große und ungehinderte Bewegung reichlich ausgewogen worden. Wol möglich, diese wäre nicht so weit gediehen, wenn die gewaltige Hand des Staats sie geleitet, oder ein einziger Schelblick desselben sie getroffen hätte. Die große Entwickelung begann mit dem Auftreten Mendelssohn's, jenes leuchtenden Sterns am Horizonte des Judenthums, von welchem die Reform des Gottesdienstes, die hellen Ansichten über den Glauben und dessen Bekenner ihr Licht schöpften. Mit ihm ward der Kampf gegen den verstockten Rabbinismus und Kabbalismus eröffnet; er war es, der Alles in den Kreis wissenschaftlicher Forschung zog, was die Veredlung feiner Glaubensgenossen nach innen und außen befördern konnte. Darum gebührt der preußischen Residenz die Ehre, eine Mendelssohn'sche Schule gebildet zu haben, in deren Mitte die Ideen der Neuzeit Wurzel faßten, welche ein Jerusalem und die erste deutsche Bibelübersetzung eines Juden vorbereitet hatten. Wer einen Anspruch auf vernünftige Freiheit machen will, muß diese stets auch dem Nebenmenschen einräumen. Mendelssohn machte auf die Rechte der Juden im Staate zuerst aufmerksam, darum mußte er die Denkfreiheit im Innern des Juden-