Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1841)
- Date
- 1841-04-03
- Page
- Seite 194 (sequence 6)
- Language
- German
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194 noch vernünftig, einen solchen Mann von der Ueberuahme jedes bürgerlichen Amtes auszuschließen, indem man ihm die Unterschreibung einer Erklärung, mit der sich sein Gewissen,nicht verträgt, zur Bedingung macht. Die Juden seien zu lang von jedem Amte durch diesen Umstand ausgeschlossen worden, und es wäre nur eine späte Gerechtigkeit, dieses Hinderniß aus dem Wege zu räumen, und sie mit den Quäkern gleich zu stellen. Der Charakter der gegenwärtigen Zeit sei, alle Parteien in einen Bund der Anhänglichkeit am Vaterland und seinen Institutionen zu vereinigen, indem man allen ein gleiches Interesse an der Erhaltung derselben gebe. Sir N. H. Jnglis trat heftig dagegen auf. Genau genommen sei die Bill Nichts, als die Befähigung für Mr. David Salomvns, Alderman der City zu werden. Die vom vorigen Redner bezeichnete Liberalität des Herrn D. S. beweise nichts mehr, als daß derselbe weder Jude, noch Christ sei. (Hort! und Gelächter.) Wenn er wirklich Jude wäre, so würde er sein Geld nicht unterschreiben, um einen Tempel dem zu erbauen, den er als einen Jmpostor betrachten müsse; und wenn er Christ wäre, müßte er nicht den Namen und Charakter eines Juden tragen. (Gelächter.) Er habe von einem gleichen Vorfall in Amerika gehört. Eine Presbyterianer-Kapelle sei in Verfall gekommen, ein Jude, Namens Toller, habe sie restaurirt und der Gemeinde geschenkt. Konnte aber dieser Mann in der That in seiner Religion bei einem solchen Geschenke gläubig sein, oder, wenn er sich durch ein solches Geschenk gerechtfertigt hielt, konnte er länger ein Mitglied seiner Religion bleiben? Er behaupte, man entchristliche England, wenn man aus dem Statutenbuche die Erklärung „auf den wahrhaften Glauben eines Christen" auslösche. (Gelächter.) Trotz diesem närrischen Gelachter wolle er seine Behauptung wiederholen. Er hätte schon früher bewiesen, daß die Juden eine Nation wären, unwiderruflich abgesondert von dem Rest der Welt. Der Jude von Deutschland, Portugal oder England leite seinen Charakter nicht von der zufälligen Scholle ab, auf der er geboren, sondern von seinen Eltern und seinem Glauben. Er sei nicht ein Glied der großen deutschen oder englischen Gemeinde, sondern eines über die ganze Erde zerstreuten Volkes. Man fände keine Schrift von einem Juden, worin er nicht von sich als Mitgliede einer gesonderten Nation spreche. Vor einigen Jahren wäre von einem gewissen Hart, einem Juden zu Montreal, an Sir Robert Peel als Staatssekretär ein Brief gerichtet worden, dessen erster Satz die Worte enthalten habe: „Als Glied eines unterdrückten Volkes appellire ich an Sie." Aehnliche Schreiben wären zahlreich an Sir Robert Grant von den Juden Deutschlands und Englands gerichtet worden, welche also die Bemühungen Sir Robert Grant's nicht als für die englischen Juden, sondern für die Juden der ganzen Welt geschehen ansahen. — Man sehe sehr leicht ein, daß die Bill zum Zwecke habe, die Absonderungslinie zu durchbrechen, welche die Christen zu den Aemtern zuläßt, die Juden von ihnen ausschließt. Da die Munizipalämter sehr oft mit richterlichen Funktionen verbunden seien, und es verkomme, daß Männer vor ihren Stühlen zur Rechenschaft gezogen würden, welche der Blasphemie wider das Christenthum beschuldigt wären, wie sollte dann ein Jude Richter sein über das, was er nicht als Blasphemie anerkennen kann, und was er von Allen als Blasphemie bezeichnen hört? (Hört, hört.) Er betrachte diese Bill als eine nahe Stufe zur Zulassung der Perser und Braminen in das Haus. Freilich werden die Gegner sagen, daß, wenn Perser und Brammen nur ihre Schuldigkeiten als Bürger thäten, sie gegen ihre Zulassung keine Einwendung hätten. Er wolle kein Wort über die Falschheit dieses Grundsatzes selbst für einen neuen Staat sagen, aber für einen alten Staat, wie England und seine Kolonieen, in dem das durch das Gesetz begründete Christenthum ein integrirender Theil der Konstitution sei, wäre er ganz unangemessen. Mit dem Auslöschen der Worte „aus den Glauben eines wahrhaften Christen" aus dem Statutenbuche ebene man den Weg zur Zulassung aller Juden zu allen unseren bürgerlichen Privilegien. Wie will man später dieses . Haus vor dem Eintritt der Juden schützen? Durchaus wären die Juden anderen Fremden, welche in das Reich ausgenommen worden, nicht gleich. Sie wären nicht den protestantischen Flüchtlingen aus Frankreich gleich, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes in Schaaren nach dem englischen Gestade flohen, denn nach zwei Geschlechtern hätten diese sich in der Masse der Nation verloren, was mit den Juden nicht der Fall sei. Die Familien der