Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1841)
- Date
- 1841-04-03
- Page
- Seite 193 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225188--03437-3312972- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
193 Himmel mit seinem Segen beglücken möge, fleheten, dort gegenwärtig war. Nach Beendigung des Morgengebetes hat unser, im Talmud und ähnlichen Fächern ausgezeichnete und berühmte Rabbine, Rabbi Meschilom Salomon Aschkenasy eine große, dem Geiste hiesiger Israeliten entsprechende und wirklich tiefsinnige Rede, mit der er seine Zuhörer zum eifrigen Gebete für das lange Leben unseres erlauchten Landesvaters/ dem wir so viel zu verdanken haben, und für das Glück dieses seines Kaiserl. Thronerbens ermahnte, gehalten. Dann hat unser Vorsänger, nachdem er mit Begleitung nsirbn imstt recht angemessen gesungen hatte, ein sehr passendes, eigens gefertigtes, hebräisches Gebet vorgetragen, das ein Jeder im Innern seines Herzens mit Begeisterung wiederholte. Des Abends wurden sämmtliche israel. Häuser illuminirt, und unsre Gemeinde bekundete deutlich, mit welcher Liebe sie ihrem Vater und Herrn ergeben ist. —. Vorigen Monat war hier der im Lurire Warsza-wsky gepriesene russische Israelit Herr I. M. Schliefer anwesend, um auf die von ihm erfundenen Arithmetischen Tafeln Pränumeranten zu sammeln. Er wurde von den Christen unserer Stadt mit größtem Beifall ausgenommen. Die höchsten Beamten ließen es sich angelegen sein, ihn allenthalben, zu empfehlen, und die beiden edlen Gubernatoren zollten ihm größtes Lob. Seine Glaubensgenossen hingegen trugen sehr wenig zu dieser Unterstützung bei. Die Tafeln sind äußerst merkwürdig. Ihre ursprüngliche Erfindung hat man zwar den Vegaischen Logarithmen zu verdanken, jedoch gebührt dem Erfinder ein unstreitiges Lob, indem, ein Jeder ohne Mühe' die größten Rechnungen im Nu ausfindig machen kann. Es ist nur zu bedauern, daß die Kultur noch nicht so weit unter den russischen und polnischen Israeliten verbreitet ist, daß sie auch in andern Gegenständen als die ihrem Scharfsinn leicht zu erlernende Mathematik eine ähnliche Auszeichnung erhalten können. V. 6. Großbritannien. London, 12. März. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen heute die Details der Sitzung des Unterhauses vom 10.März, in welcher die zweite Lesung der 1e>vs Declaration Bill, d. i. einer Bill, durch welche die Juden von der Leistung des Eides „auf den wahren Glauben eines Christen," um ein städtisches Amt zu erhalten, entbunden werden, beantragt wurde und eine Debatte hervorrief. — Nachdem sich das Haus versammelt hatte, erschienen die Sheriffs von London an der Barre, in ihren Staatskleidern, und überreichten eine Petition des Lord-Mayor's, der Aldermen und des Gemeinderathes, daß das Haus die genannte Bill in ein Gesetz verwandle. Die Petition wurde verlesen, und befohlen, sie auf die Tafel zu legen.— Lord Sandon überreichte eine Petition von Liverpool zu Gunsten der Bill. Mr. B. Smith eine gleiche von Norwich zu Gunsten der Bill. Eben solche überreichte Mr. Hutchins von Penryn und Falmouth. Mr. Hodges desgleichen von einer Stadt in Kent. Der Schatzkanzler überreichte Petitionen vom Mayor und dem Gemeinderath von Portsmouth und zwei anderen Städten zu Gunsten der Bill. Der Attorney-General desgleichen vom Lord Provost und dem Stadtrath von Edinburg zu Gunsten der Bill. Lord I. Rüssel eine gleiche von einer Anzahl „sehr achtbarer" (high respectable) Juden in London. Nach mehreren anderen Debatten erhob sich Mr. Hodges, um die zweite Lesung der Bill zu beantragen. Er spricht sich über die harte Benachtheiligung aus, welche die Juden zu ertragen hätten, indem man sie nur vermittelst einer Formel, gegen die sich ihre Gewissenhaftigkeit sträuben muß, von allen städtischen Aemtern ausschließt. Er beruft sich auf den bekannten Fall, daß ein höchst achtbarer Gentleman dieses Glaubens (David Salomons) das wichtige Amt eines Sheriffs von London und Middlesex in einer Art geführt hatte, daß ihm die Achtung und Verehrung seiner Mitbürger zu Thcil, und er zum Alderman dee City erwählt worden; dennoch habe er dieses Zeichen der guten Meinung seiner Mitbürger nicht entgegennehmen können, weil sein Gewissen angeregt war, die Eideserklärung zu geben. Später wäre er zum Oberscheriff der Grafschaft Kent ernannt worden, und habe sich das Zcugniß einer würdigen und wirksamen Amtsführung erworben. Er habe sich als Wohlthäter aller mildthätigen Anstalten in der Grafschaft erwiesen, ja selbst zur Erbauung von christlichen Kirchen beigetragen. Gewiß sei es doch nun weder gerecht,