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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-04-03 · Heft 14 (3.4.1841) · p. Seite 190

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 14 (3.4.1841)
Date
1841-04-03
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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ltRT Niger verwundert, daß demselben, so viel ich bis jetzt weiß, nicht widersprochen worden. Es ist dies unr so unbegreiflicher, da verschiedene Herren aus Preußen, namentlich aus A., Leser und Abonnenten dieser Zeitung hier dem Feste der Einweihung beigewobnt hatten, und über die hier herrschende Einigkeit entzückt waren. Ich glaube daher, daß eine der Wahrheit völlig gemäße Beschreibung des Festes noch jetzt sehr angemessen sein wird, um jenen Lügen zu begegnen. Ein Vorfall wie in obigem Blatte mitgetheilt wurde, ist hier ganz unmöglich, denn die hiesigen Bürger sind im Ganzen den Juden sehr günstig, Biele haben sogar ihr Scherflein zur Erbauung der Synagoge beigetragen, und was unsere Behörde betrisst, sowol Stadt» als Landes- Regierung, von ihrer Milde und Humanität haben wir zu viel schöne Beweise gehabt, um nicht von deren väterlicher Gesinnung überzeugt zu sein. Zwischen Jude oder Nichtjude weiß man hier Gott sei Dank! keinen Unterschied; der in der Beschreibung des Festes erwähnte Herr Blömendal, der im strengsten Sinne als Jude lebt, am Sabbat und an sonstigen jüdischen Festtagen von allen Arbeiten ruht, ist zum Ritter des Niederländischen Löwenordens ernannt worden. Jedoch vielleicht hätte ich dies Alles mit Stillschweigen übergangen, wenn nicht ein neuer Beweis Königlicher Huld mich zum Reden zwänge. In Ihrem geschätzten Blatte No. 43 von 1839 ist bereits von der König!. Gabe an die hiesige Israelitische Gemeinde von 0400 fl. berichtet worden. Allein nach Beendigung des Baues und der stattgehabten Einweihung ergab es sich, daß die sämmtlichen Kosten den Anschlag um 3400 fl. überstiegen. Abermals wandte man sich an unfern geliebten König, und Se. Majestät geruheten in der Kabinetsordre vom 24. Februar d. I. No. 98 zu verfügen, daß unserer Gemeinde abermals eineSubsidie von 1400 fl. ausbezahlt werde, und die Vorsteher autorisirt seien, zur Deckung des Deficits von 2000 fl. eine Anleihe zu machen. Wir erwarten binnen Kurzem Se. Majestät unfern geliebten König hier. Höchstderselbe wird die neue Synagoge so wie die Schule besuchen; die Vorsteher unserer Gemeinde beabsichtigen, diesen Tag durch ein besonderes Fest zu verherrlichen.- Mittwoch den 19. August 1840 wurden schon Vorbereitungen zum Feste getroffen. Nachmittags versammelte sich der Kirchenrath, und holte den Oberrabbinen Herrn Lehmans von Nymwegen, zwei Stunden von hier ab. — Donnerstag den 20sten Morgens versammelten sich der Kirchenvorstand und die Verwaltungs-Kommission des neuen Kirchenbaues in dem neuen Gebäude, um sich über die Anordnung der Festlichkeiten zu berathen; demzufolge wurde das nächst der Synagoge neu erbaute Schullokal, welches der Hochlöblichen Civil- und Militär- Behörde zum Versammlungsorte diente, mit der Büste des Königs, mit Fahnen und Blumenkränzen verziert und die Sitze für die hohen Personen geordnet. Die Gebrüder Herrn Schnitzler, Vorsänger aus Rotterdam leiteten die Choralgesänge mit dem Chor und dem Orchester. — Freitag den 2Isten Morgens 6 Uhr wurde zum Zeichen des begonnenen Festes die National-Fahne an der neuen Synagoge aufgepflanzt; die Witterung war während mehrer Tage sehr ungünstig gewesen, beim Aufpflanzen der Fahne war es sehr trübe, und ein Staubregen folgte. Jedoch gegen 10 Uhr verloren sich allmählig die Regenwolken, und bald sah man einen blauen Himmel über unsere festlich geschmückte Stadt gespannt. Von allen Seiten strömten Fremde herbei, und da es gerade Markttag war, so wurde die Anzahl derselben durch die aus der Umgegend hereingekommenen Landleute noch vergrößert. Gegen 2 Uhr strömten schon die hiesigen Einwohner ohne Unterschied des Standes und der Religion dem Markte zu, wo der Zug vorüberkommen mußte. Die kleine Grachtstraße, wo die alte Synagoge steht, und wo sich alle, dem Zuge sich anschließenden Israeliten versammelten, war vollgepfropft von Neugierigen, daher beotderte der Festungs-Kommandant, Herr General Brade, eine Militärwache, um dort Raum zu machen, damit der Zug ungehindert geordnet werden könne. Die herbeigeströmte' Menschenmaffe war so groß, daß man, um Unglück vorzubeugen, genöthigt war, auf dem Markte Halt zu machen, das Militär bildete nun ein Spalier, um dem Zuge allmählig Raum zu schaffen. Um 3 Uhr wurde der Herr Oberrabbine, welcher beim Parnas-Präsidenten logirte, abgeholt, und in die alte'Synagoge geführt. Nach, dem hier das Vesper-Gebet verrichtet worden, setzte sich der Zug (unter dem Geläute des Glockenspiels auf dem Rathhause, als Zeichen einer außerordent-

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