Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1841)
- Date
- 1841-03-27
- Page
- Seite 185 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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185 als vollkommen zeitgemäß und wahrhaft erbaulich bezeichnen müssen. Die vierte Vorlesung war der Darstellung der Grundlehren des Judenthums in den verschiedenen Zeiten seiner Entwickelung, als Abrahamismus, Mosaismus, Prophetrsmus, gewidmet.. Die Vergleichung dieser Stadien mit denen des Kindes, Jünglings und Mannes war sinnig und erlaubt keine Mißdeutung auf die jetzige Zeitepoche. In der fünften und sechsten Vorlesung trug der Redner die Lehre von der Schöpfung und von Gott vor. Es wurde auf die gegebenen Ansichten der alteren und neueren Zeit, und auf die Synagogenlehrer (u. A. auch auf Steinheim), so wie auf die heidnische und philosophische Auffassung hingewiesen. Mit Recht durfte er aber die hie und da noch geltende Ansicht abweisen, als ob der Gott des Judenthums ein National-Gott, ein Gott des Zorns und der Rache sei. Die siebente Vorlesung war dem Menschen, seiner Würde und Bestimmung gewidmet. Die Heiligkeit Gottes wurde als das Grundgesetz der Sittenlehre bezeichnet. Die achte Vorlesung belehrte die Zuhörer über den Unsterblichkeitsglauben, und mit schlagender Wahrheit wurde nachgewiesen, daß, obwol Moses ihn aus wichtigen Gründen (um nämlich den ägyptischen Glauben an die Seelenwanderung nicht zu vererben) und sämmtliche Schriften des alttestamentlichen Canons ihn als Glaubensartikel nicht gelehrt hätten, er dennoch gekannt sei und die Lehre von der Unsterblichkeit sich später im Judenthum fortgebildet habe. Die neunte Vorlesung bezeichnete das Verhältniß Israels zu Gott und zu allen Menschen. War es in dieser oder in der zehnten und letzten Vorlesung, wo der Redner von der Lehre des Judenthums in Beziehung auf den Messias redete? Wir wissen es jetzt nicht mehr, aber wir haben nicht vergessen, daß der Glaube an einen Messias mit der Hoffnung auf eine messianische Zeit identisizirt, und diese als der Sieg der göttlichen Offenbarung über den Jrrthum bezeichnet wurde; Aeußerungen, die der christlichen Anschauung und Hoffnung auf ein tausendjähriges Reich so nahe lagen, daß wir mehrere Male erwarteten, den Namen Christi aussprechen zu hören; obschon darauf aufmerksam gemacht wurde, daß der jüdische Messias auch bei der Erwartung eines persönlichen, nicht der Anfang jener herrlichen Zeit, sondern gleichsam der Schlußstein derselben sei. Würdig und schön war der Schluß der Vortrage, in welchen die Fortentwickelung und Fortbildung zum besseren, nachexitischen Judenthum nachgewiesen wurde. Es konnte nicht fehlen, daß hier von den zwei Hauptrichtungen des heutigen Judenthums, nämlich Stabilismus und Fortentwickelung, geredet werden. mußte. Das Erstere halt sich an die Form, das Letztere an die Perfektibilität der Menschheit. Der Ausdruck „modernes Judenthum," im schlimmen Sinne genommen, wurde abgewiesen, denn jede Fortbildung, jede Geschichte ist das Werk dessen, der Raum und Zeit schuf. Die Frage: Glaubst du an Fortschritt oder Stillstand? sollte richtiger so gestellt werden: Glaubst du an die Göttlichkeit deines Glaubens und darum an ein inneres Leben, daß sich durch fortschreitende Veredelung kund geben muß in deinem Beruf als Mensch, als Israelit; oder ist dir der Glaube ein gethanes Werk, ein Erbtheit, das du als einen tobten Schatz nicht in dir, sondern an dir trägst? Nur Thoren können eine neue Schöpfung oder Sekte Hervorrufen wollen, vielmehr ist die Aufgabe der Zeit, Belebung und Verjüngung alles Edlen und Vortrefflichen im Bestehenden, der lebendige Glaube muß bei den Lebendigen genährt, bei den Schlafenden geweckt werden. Der feste Glaube auf die Würdigkeit der Sache, auf den Sieg der Wahrheit muß Alle, denen die Religion etwas Heiliges ist, vereinigen, und das Ziel der Anstrengung muß Achtung, Anerkennung nach Außen sein, so wie der innere Lohn Veseligung und Gemüthsruhe ist. Ungefähr so schloß der Redner, und fügte noch hinzu, daß er nicht die Trümmer eines Gebäudes zusammen fügen und aus ihnen ein Neues habe aufführen, sondern daß er den geistigen Tempel nur kn seiner wahren Gestalt habe zeigen wollen. Und dieser Zweck ist erreicht worden nicht durch den Glanz der freien Rede, noch durch die bloße Aeußerlichkeit einer würdigen Erscheinung, sondern durch die überzeugende Ruhe und Klarheit des Vortrags. Daher die fortgesetzte Aufmerksamkeit ferner Zuhörer, daher die Liebe der Geistesverwandten; und in diesem Sinne dankt ihm Res. von ganzer Seele und reicht ihm vom christlichen Standpunkt gerne und freudig die Bruderhand. Marz, 1841. S., Dr.