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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-27 · Heft 13 (27.3.1841) · p. Seite 184

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 13 (27.3.1841)
Date
1841-03-27
Page
Seite 184 (sequence 12)
Language
German
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184 Anerkennung derer zu verdienen, welche mit ihm die Vorlesungen hörten, wenn er noch einmal den Hauptinhalt derselben darstellt, und zugleich dem Hrn. Dr. Frankfurter im Namen Aller für die genußreichen Abende dankt, die wir durch ihn verlebten. Doch zur Sache! Wir hörten in zehn Vorlesungen die Lehren des Judenthums von der Offenbarung, von der Schöpfung, von Gott, von dem Menschen, und zwar von seiner Würde, seiner Bestimmung, seinem Verhältnis zu Gott, seiner sittlichen Kraft und von der Unsterblichkeit. Als Einleitung allgemeine Bemerkungen über den religiösen Standpunkt des Redners seinen Zuhörern gegenüber, als Schluß die Lehre der Synagoge über das Verhältniß Israels zu Gott und zu allen Menschen, so wie eine Darstellung des heutigen Judenthums in seinen zwei Haupt-Erscheinungen, Stabilismus und lebendigem Glauben mit steter Fortentwicklung. Schon diese kurze Jnhaltsanzeige weist auf die Schwierigkeit des Unternehmens hin. Wir müßten sehr irren, wenn nicht eine ähnliche Aufgabe vom christlichen Standpunkt zu lösen schon schwierig wäre, und wenn nicht u. A. Schleiermacher und de Wette dem Redner dabei als Vorbilder gedient hätten. Aber wir glauben eben so wenig zu fehlen, wenn wir als eine würdige aber nicht leichte Aufgabe des Herrn vr. Fr. die Meinung ausstellen: es sei ihm darum zu thun gewesen, zu zeigen: daß die Religion etwas Allgemeines, Alle Beseligendes sei, daß aber namentlich die jüdische in ihrer Sittenlehre und in ihrer Lehre von den Hoffnungen des Menschengeschlechts Nichts enthalte, was der christlichen Sittenlehre und der christlichen Anschauungsweise von einer goldenen Zukunft widerspräche, ob sie (die jüdische) auch gar nicht in Abrede stelle, daß sie eigenthümliche Glaubenslehren habe und haben müsse. Ein dritter nicht minder wichtiger Zweck der Vorlesungen mag vielleicht der Versuch gewesen sein, allenfallsige Spaltungen im Innern Israels zu vermitteln. Au Erreichung so mannigfacher Zwecke war es nothwendig, daß der Redner seinen Standpunkt feststellte. Wir glauben, ihn richtig aufgefaßt zu haben, wenn wir ihn mit seinem Glauben als orthodox auf der Offenbarung stehend, mit seiner Kirche aber auf dem Wege des Fortschritts wandelnd bezeichnen. Er verzichtet auf den. Ruhm des Rationalismus, insofern sich dieser zum Jndiffercntismus hinneigt, und sucht seine Zuflucht in dem Offenbarungsglauben, der weder Prüfung noch überhaupt Nachdenken verschmäht. Eine so hohe Stellung, wir scheuen uns nicht er auszusprechen, wird eine sehr schwierige, da Herr vr. Frankfurter israelitischer Prediger ist, also in Verhältnissen lebt und lehrt, die ihm nicht gestatten, seine Zeit und Kraft der"freien ungestörten Forschung zu widmen, und wir können daher den Wunsch nicht unterdrücken, obgleich wir wissen, daß er zur Zeit noch ein unausführbarer ist, daß sich ihm eine akademische Laufbahn eröffnen möge. Bis dahin richten wir an ihn die Bitte, seine Vorlesungen der Oeffentlichkeit zu übergeben, und sichern ihm im Voraus ein zahlreiches und dankbares Publikum. Wir wollen es versuchen, näher auf den Inhalt der Vorlesungen einzugehcn, um unsere so eben geäußerte Ansicht zu rechtfertige». Als Zweck der Vorlesungen wurde bezeichnet: ernste Prüfung des Heiligen, um dem Vorurtheil der Unduldsamkeit einerseits, der Gleichgültigkeit und dem Jndifferentismus andererseits zu begegnen. Der Unterschied zwischen Predigt und Vorlesung sei, daß es dort mehr auf Erbauung, hier mehr auf Belehrung ankomme, oder daß man dort das Geglaubte höre, hier suche, ob das Gehörte geglaubt werden könne. Der Weg, auf den der Redner seine Zuhörer führe, gehe von Israel aus und müsse auch dahin zurückkehren, ohne deswegen auf Gegensätze in andern Religionen aufmerksam zu mache». Indem man so jede Polemik vermiede, würde es sich von selbst Herausstellen, daß jede Religion als solche in ihrem praktischen Theile, in der Sittenlehre, der höchsten Vernünftigkeit entspräche, und in ihrem theoretischen oder reineren Theile, in dem Glauben, geeignet wäre, das religiöse Bedürfniß zu befriedigen. Als Rechtsgrund des Fortschrittes wurde die Geschichte bezeichnet, und angeführt, daß, so wie das Alterthum in seinem Rechte gewesen sei, die Lehre mit der Zeit in Einklang zu bringen, dasselbe Recht auch der Gegenwart zustehe. In der zweiten und dritten Vorlesung erörterte der Redner das ursprüngliche, uns Allen eingeborne Gefühl der Religiösität, und wies dieß in einzelnen Erscheinungen des Alterthums und der Jetztwclt nach. (Polytheismus, Fetisclmius.) Allenthalben tritt mehr oder minder deutlich der Glaube an ein Unsichtbares, Ewiges, Unbedingtes, und an eine höhere Weltordnung hervor, und zwingt zur Annahme, einer Offenbarung, welche die bloße Ahnung zum lebendigen Glauben erhebt. Hier war der Ort, an welchem der Redner sich trefflich über die Frage aussprach: ob eine Offenbarung Gottes an die Menschen möglich sei? eine Einschaltung, die wir

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