Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1841)
- Date
- 1841-03-27
- Page
- Seite 182 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225187--03425-3312959- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
182 lehrer und Rabbinatskandldat Herr Feldblum aufj trat, und eine treffliche Leichenrede aus tiefbewegtem Herzen und im körnigsten Deutsch hielt. Der Eindruck war tief und allgemein, und bezeugte, wie die ganze zahlreiche Versammlung den Redner verstand und würdigte. L. Stettin, 10. März. (Privatmitth.) In No.2» der Zeit, des Zud. vom vorigen Jahrgange, befindet sich ein trefflicher Aussatz „das Kellerquellbad der Israeliten" betreffend, worin der Verfasser nicht mit Unrecht sagt, daß in großem Städten die Bäder für Juden gewöhnlich besser als in kleinern Städten eingerichtet sind. Eine neue Einrichtung eines solchen Bades jedoch ganz den religiösen Vorschriften gemäß, befindet sich seit vergangenem Jahre in hiesigem Orte. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat nämlich mit dem Besitzer der hiesigen Badeanstalt die Herstellung eines Badehauses für die Gemeinde eontrahirt, und sich zur jährlichen Abnahme einer bestimmten Anzahl Billette verpflichtet. Der Besitzer der Badeanstalt hat aber auch keine Kosten gespart um das Badehaus für die Gemeinde höchst zweckmäßig und elegant einzurichten. Dasselbe befindet sich auf dem Oderstrome schwimmend, und ist in Form eines Häuschens erbaut. Es befindet sich darin ein in den Fluß hineinreichender Kasten, welcher durch ein zu öffnendes Ventil mit dem Flusse in Verbindung steht. Der Kasten wird bei Benutzung des Bades, mit warmem Wasser gefüllt, und das Ventil während des Untertauchens der Badenden geöffnet, um so den religiösen Vorschriften zu genügen. Nach der Benutzung wird der Kasten durch Auspumpen und Durchströmen des Flußwaffers gehörig gereinigt, und darf nach Bestimmung detz Vorstandes das Bad nie von mehreren Personen zu gleicher Zeit benutzt werden, sondern es muß zwischen jedem Bade gereinigt werden, worauf eine angestellte jüdische Bademeisterin zu sehen hat. Das hiesige jüdische Frauenbad ist demnach noch zweckmäßiger eingerichtet als Mombert in seiner Schrift „das Kellerbad der Israelitinnen 1828" empfiehlt und verdient demnach wol um so mehr Nachahmung, da die Einrichtung dieses Flußbades nicht kostspieliger sein dürste, als ein Qu ellbad. L.... L.. y. Deutschland. Sondershausen, 8. März. (Privatmitth.) Seit Ostern v. 2ist der Prediger und Religionslehrer der hiesigen Jsraeliten-Gemeinde, Heidenheim, zugleich als wirklicher Lehrer, und seit Juli als Ordinarius der zweiten Klasse ander fürstlichen Realschule angestellt worden. Die Elementarschule der Gemeinde, ungenügend aus Mangel an Mitteln, ward aufgelöst, und dafür regelmäßiger Religionsunterricht eingerichtet. An Sabbaten und Festtagen ist der Gedachte von jedem Unterrichte dispensirt. Mit seinen sämmtlichen Kollegen steht derselbe im freundlichsten Vernehmen, und von seinen Vorgesetzten, ja selbst vom durchlauchtigsten Fürsten hat er bereits mehrere Aeußerungen der Zufriedenheit mit seinen Leistungen erhalten. Würz bürg, 4. März. (Privatmitth.) Der hiesige, emeritirte Land- und Distriktsrabbine Abr. Bingen ist den 28. Febr. in einem Alter von 89 Jahren mit Tode abgegangen. Aus Baiern, 4. März. (Privatmitth.) Der 11. Februar war für die israelitischen Bewohner Wallerstein's ein wahrer Festtag. Dort war schon lange das Amt eines Rabbinen verwaist und lange nicht mehr trotz der ansehnlichen Gemeinde von einem solchen das Wort Gottes an heiliger Stätte verkündet worden. An diesem Tage wurde der von der Gemeinde gewählte Kandidat Herr Wolf S. Rothenheim, ein Mann, der mit gründlich talmudischen Kenntnissen ächt wissenschaftliche Bildung vereint, von der Regierungsbehörde eingewiesen und vorgestellt. Jung und alt, Israeliten und Nichtisraeliten strömten in die schöne Synagoge, wo der feierliche Akt vor sich ging und sie hatte fast nicht Raum genug, die Menge der Erfreuten, Andächtigen und Erbauten aufzunehmen; vor Allem aber ward die Feier durch die Gegenwart der hohen, dorr residirenden Wallerstein'schen Fürstenfamilie und vieler Beamten erhöht. Nachdem, wie esin einem Programm festgesetzt war, einige erhebende Lieder vom Chore abgesungen waren und der königl Kommissär, was seines Amtes war, beendet hatte; betrat Herr Rothenheim die Kanzel und setzte in feurigem, begeisternden Vortrage und gediegener Rede, als er seinen Dank für die Wahl ausgesprochen hatte, die