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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-27 · Heft 13 (27.3.1841) · p. Seite 181

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 13 (27.3.1841)
Date
1841-03-27
Page
Seite 181 (sequence 9)
Language
German
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181 Ich verlasse dich mit tiefer Wehmuth über dein Loos im Herzen, und was mein Mitgefühl mir aus warmer Brust entlockt, warum sollte ich es in diesem Organe aller wahrhaft theilnehmenden Israeliten nicht aussprechen? — Du mußt dich selbst erheben aus deiner niedern Lage, und mußt mit nüchternem Sinn zum Bessern schreiten. Du solltest den Keim der Civilisation, den Niemand in deiner Mitte neben aller hypokritischen Zerknirschung verkennen kann, zur weitern Entfaltung treiben, und damit ein Beispiel geben den jüdischen Bewohnern Polens und Galiziens. Aber der Fortschritt besteht nicht in neuen Moden, nicht in Arrangements auf „christliche Weise," nicht in dem Erlernen einiger Sprachen, ebenso wenig in Anhäufung der Bethäuser u. dgl., deine Stellung erfordert ganz andere Mittel zur Abhülfe: du sollst zuvörderst dem lieben Frieden ein Asyl verschaffen in deiner Mitte; die Eintracht, die die Spuren der schwersten Sünden so leicht verwischt"), die man so lange hier vermißte, suche sie zu erringen mit allen deinen Kräften, suche sie einzuführen in alle deine Klassen und Stände, denn sie ist der Antheil der wahren Frommen **). Reichet Euch versöhnend die Hände und strebt ein- Saamen der Baume hin, und Niemand fragt je, woher der stolzeste Baum seinen Ursprung genommen hat. Warum soll von uns die Ceder des Libanon zwischen den Dorngesträuchen nicht entstehen können!" — So sprach man im 16. Jahrhundert, in dem man der Kabbala am meisten huldigte! sDas Original dieses Sendschreibens oder wenigstens die Kopie soll sich — nach Wischniewski's Versicherung in seinen Pcmmilü historyi i Üteratury Polskiej tom. III. p. 173 Note — zwischen den zerstreuten Papieren der königl. Jahrbücher auf seinem Pergament, befinden.) Corresp. *) Nach dem Ausspruche der Weisen: lryb8 321 Vnw b8ii23 17318 iapn wb8 'i bio i:i bi2322 Dfpria äibiai fy, (das bia'aa soll besser nach tb stehen, wogegen es so wie hier in der Sulzbacher Ed. 5S15 heißt.) 3'3i3 piatt ",-8 rihpn 1738 ib N33i trias Biaats lian 1738312 vbia. (Soll nach dieser Deutung heißen: Ist es einig, und mag auch Götzen bei Ephraim sich finden, so laß es in Ruhe;" nach dem Midrasch die Anrede Gottes an Satan.) j-iny tnb pbn* * ana i?383 N73 ipbnsiaia bas .nplbtl)3 31813121 Blb® bl"T3 N“1 (Midrasch ltabba -\uiner. cap. 11.) Corresp. *°) Ibid. 17383V nnn 3aNi8b sri^dw Bibian biia Arilin 323118b 21 aibiB. Corresp. trächtig zum gemeinsamen Heile. — Du mußt ferner deine Lage und Verhältnisse hell ans Tageslicht vor deine Schutzherren bringen, damit sie sehen, wie erbärmlich die -jüdischen Unterthanen ihr Dasein fristen; stelle ihnen mit erforderlicher Kraft vor, wie wenig wir an den Fehlern, die man an uns rügt, und von denen wir leider nicht ganz frei sind, stelle ihnen vor, wie wenig wir an ihnen Schuld haben "). — Du mußt den üppigen Schmuck und verschwenderischen Luxus aus deinen Zirkeln verbannen. — Du mußt deinen Kindern eine reelle, industrielle und vernünftige Erziehung geben. Du mußt endlich milde und tolerant gegen deinen Nächsten und Mitleidenden sein. Dann kann ein Strahl der Hoffnung uns in unserem bedrückten Zustande den dunklen Pfad erhellen, und wir werden mit Stolz einst sprechen können: „Wir sind nicht mehr, was wir waren, und zwar durch eigene Kraft!"- Preußen. Filehne, 7. März. (Privatmitth.) Gestern wohnte ich dem Leichenbegängnisse des Korporationsverwalters Anker, eines achtzigjährigen Ehrenmannes, bei. Wie sehr fand ich mich überrascht und erfreut, als ich in der großen Leichenbegleitung den Prediger, Rektor, Bürgermeister, die höheren königl. Beamten und viele Christen erblickte. Gleicherweise begeisterte es mich, als am offnen Grabe, in Gegenwart des sehr würdigen Oberrabbinen der Ober- *) Der schwerste Vorwurf, der uns seit Jahren trifft, überhaupt hier, wo die Christen in manchen Rücksichten vollkommen Recht haben, ist der Wucher. Aber wer nur irgend in die hiesigen Verhältnisse einen ernsten Blick geworfen, wie kümmerlich diese Wucherer ihr Leben fristen, wie vielen Gefahren und polizeilichen Stra-! fen — gegen die sie aber dennoch beständig kämpfen j müssen, da ein etwaiger solider Nahcungszweig ihnen! völlig mangelt — sie ausgesetzt sind, der wird gewiß kei«! nen Zweifel mehr hegen, .daß Viele derselben gern ihr Schachcrleben mit der Landwirthschaft zu verwechseln bereit sein würden, wenn die Regierung eine Ansiedelung auf den frcistädtischen Dörfern gestattet hatte. Vor einem Jahrzehend hat sich diese Hypothese durch das Ansuchen der hiesigen Juden — das aber ohne Erfolg blieb an die Deputirlen der Schutzmächte, bestätigt, aber seit damals hat Niemand mehr diesen Gegenstand berührt. Corresp. 13*

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