Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1841)
- Date
- 1841-03-27
- Page
- Seite 178 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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178 bindungen dehnen sich in den entferntesten Theilen der Regentschaft aus; zahlreich in Tunis, in Aegypten, in den Staaten des türkischen.Sultans, sind sie in allen Geschäften Marokko's einheimisch; ihre Söhne sind geeignet, den innern Handel Afrikas sich anzueignen. Die Juden von Algier, Bona, Dran haben Kredit-Verbindungen auf den vorzüglichsten Handelsplätzen des Mittelmeeres und besonders in Livorno, Genua, Marseille und Gibraltar; die Häuser ihrer Glaubensgenossen gehören zu den bestakkreditirtesten dieser Städte, und sind bereit, auf der afrikanischen Küste Kommanditen zu begründen, welche schnell wachsen werden. Algier kann der Mittelpunkt dieser weiten Association werden, und die Juden sind vielleicht bestimmt, durch das Uebergewicht ihrer Intelligenz, durch die Gemeinsamkeit des Glaubens und der Interessen, durch die Gegenseitigkeit des Vertrauens, das unter ihnen herrscht, Afrika und Europa durch ein weites Netz zu verbinden, unserm kommerziellen und politischen Einfluß zum Vehikel zu dienen, und in dieser Gestalt Frankreich einen Theil der Wohlthaten wieder zu erstatten, die sie von ihm empfangen haben. Frankreich. Metz, im Febr. (Aich. Israel.) Der Grund, aus welchem das hiesige Konsistorium seine Entlassung gefordert, ist, weil es dem Central-Konsistorium vor einem Jahre erklärt hat, daß, wenn in einem Jahre keine Reform statt finden würde, es seine Demission geben würde.' Jüngst war die Reihe des Ausscheidens an Herrn Worms; er wurde wieder erwählt, wollte aber die Wahl nicht annehmen; deshalb gaben die anderen Mitglieder ihre Demission ein, die auch angenommen worden. Paris, im Februar. Fould, der Deputirte, ist bereits mehrere Male öffentlich aufgefordert worden, sowol den Exminister Thiers, als den gegenwärtigen Minister der auswärtigen Angelegenheiten in der Kammer wegen des Verfahrens des franz. Konsuls zu Damaskus zu intcrpelliren. Bis jetzt vergebens. Jetzt schlägt man vor, eine Petition an die Kammer zu richten, und namentlich auf die in der Allg. Zeit, des Judenth. vom 6. Febr. gegebene Schilderung eines Augenzeugen, des Majors von Hailbronner, zu verweisen. Korfu. Nach den Arch. Israel, de France sind von den hiesigen Israeliten, die mehr als 3000 Seelen zählen, mehrere Elementarschulen nach europäischem Muster errichtet worden. Großbritannien. London, 3. März. Sir Moses Montefiore ist von seiner Mission nach Damaskus wieder hierher zurückgekehrt. Krakau. Krakau, 26. Februar. (Privatmitth.) Hier sind neulich zu den unzähligen Bethäusern noch zwei — ein chassidisches und deutsches Bethaus, das letztere „deutsch" wol nur dem Namen nach, indem es blos von Deutschen besucht wird, man aber jeden Fortschritt im Gottesdienste vermißt und das bis jetzt schon 56 Personen zählt — hinzugekommen, die, wiewol entgegengesetzt in ihrer Art, dennoch die nämliche Absicht bei ihrer Entstehung gehabt zu haben scheinen. Diese Absicht ist augenscheinlich die Separationssucht, die so mächtig in allen hiesigen jüdischen Klassen um sich greift, daß dadurch allem guten Willen, der etwa erweckt wird, Dämme gesetzt werden; denn wo Einheit fehlt, da schwindet alle Hoffnung zur Belebung eines nationalen Körpers. Und ist es diesem Separatismus wenigstens um Sektirerei zu thun? Nein! Diese Absonderung hat mehr die Anfeindung der Gegenpartei zum Zwecke, als ihr dunkles Ahnen zu etwa einer Sekte von Ansichten und Prinzipien zu entwickeln. Gott! warum muß ich es sagen — wir wünschen wol von unfern christlichen Mitbrüdern Toleranz, und üben diewerfolgendeste Intoleranz gegen uns selbst. Einerseits hat eine platte Oberflächlichkeit überhand genommen, ein deutscher Rock und eine modische Kravatte machen hier den ganzen Menschen ä'us; hier ist man der Meinung „nur bei Christen findet man Humanität und Bildung, beim polnischen Juden kann nichts löbliches sein;" alles, was eines ernsten Nachdenkens würdig ist, wird als unsinnig verlacht. Andrerseits sind nur Jedem seine eignen Meinungen und Gesinnungen recht, die Andersdenkenden werden ..möglichst verachtet und gemieden; den Anmaßungen