Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1841)
- Date
- 1841-03-27
- Page
- Seite 177 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oran 1× ep/1048048
- Tunis 1× ep/1048155
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177 die bürgerliche Freiheit, deren ihre Brüder schon in \ der Nachbarschaft genießen, vertauschen. Die Idee von Völkerwanderungen ist den Stämmen in Nord-! afrika gewöhnlich; die Juden von Marokko würden,! wenn sie es können, in Stämmen abziehen, wie z ihre Väter aus Spanien im 7. Jahrhundert und 1484, aus Italien 1342, aus den Niederlanden 1350, aus Frankreich und England 1403, aus Portugal 1496, zogen. Jetzt wie damals würden es Unterdrückte sein, welche die Verfolgung fliehen. Da die Juden von Marokko alle arabisch und spanisch sprechen, so würden sie in Algerien die Beschwerden der Verschiedenheit der Sprachen nicht zu tragen haben, und die Wiederherstellung des Handels würde eine Neigung sein, der sie nicht widerständen. So giebt Dran 1838 ein Beweis, daß die Israeliten der benachbarten Regentschaften dem Gedanken der Einwanderung in unsere Niederlassungen nicht fremd sind. Ihre Zahl verdoppelte sich plötzlich in Dran, und man zählte unter ihnen vier Männer auf eine Frau (3156 Männer, 804 Frauen, 1667 Kinder); die Familien waren also nicht von der Stelle gerückt, der Ueberwachs bestand in Flüchtlingen aus Tlemzen, Maskara und Marokko, die hinkamen, um das Terrain zu untersuchen, sich aber zurückzogen (1839 war ihre Anzahl zu Oran wieder von 5627 auf 3364 geschmolzen,) nachdem sie eingesehen, daß die Zeit der Einwanderung noch nicht der sie nicht unterworfen wären. Man verbietet ihnen das Arabische zu lesen und zu schreiben unter dem Vorwände, daß sie nicht würdig seien, den Koran zu verstehen; sie dürfen kein Pferd besteigen, weil das Pferd ein zu edles Thier für sie wäre; sie müssen beim Vorübergehen vor den Moscheen und den Wohnungen der Großen die Schuhe abziehen; sie dürfen sich nicht einem Brunnen nähern, wenn ein Muselmann sich daraus den Durst löscht, sich nicht setzen in seiner Gegenwart; schwarz ist als Zeichen der Schmach die einzige Farbe, in die sie sich kleiden dürfen. Sie müssen die Verbrecher hangen, die Leichname der Hingerichteten verscharren; die Kinder beleidigen sie, der Pöbel schlagt sie, und wenn ein Jude die Hand' zu seiner Vertheidigung zu erheben wagte, würde er diese Verwegenheit mit seinem Kopfe bezahlen. In mehreren Städten bezahlen sie enorme Abgaben für das Recht, Schuhe zu tragen und sich der Esel und Maulthiere zu bedienen. (6,aber» di lieinso.) Diese Schilderung des Zustandes der Juden in Marokko ist fast dieselbe, welche Marmol 1573 machte. gekommen sei. Die Juden haben zu Marokko nur bewegliche Güter, ein einziges aber erniedrigendes Band fesselt sie an ihren Wohnort, es ist dies die Kopfsteuer: die Regierung hält sie als Steuerpflichtige fest, keiner von ihnen darf sich entfernen, ohne eine willkürlich festgestellte Kaution zu geben, die sich jetzt zu einem Werthe von ungefähr 2000 Franks pro Kopf beläuft. Wenn unsere Niederlassung, unter ihren Augen definitiv konstituirt, sie zu der Theilnahme aller der Güter, von denen sie ausgeschlossen sind, einladen würde, ist es nicht denküch, daß die Marokkanische Negierung darum sie durch Erleichterung ihrer Lage zurückzuhalten denken würde. Würde sie ihnen die Freiheit, auszuwandern lassen? Würde sie suchen, sie mit Gewalt zurückzuhalten? Die Furcht, einen vorzüglichen Zweig ihrer Einkünfte zu verlieren, würde sie von ersterem Entschlüsse abwcnden; der zweite aber würde im Schooße des Reiches selbst einen finstern Kampf erwecken, und uns auf dem ganzen Territorium des Sultans gefährlichere Einverständnisse erhalten als die, welche er in der Provinz Oran unterhält. Ein Theil dieser Beobachtungen ist auch auf die Juden von Tunis und Tripolis anwendbar. Was auch die Barbaresken-Regierungen bei dieser Gelegenheit für Maaßnahmen ergreifen würden: der Kontrast, welcher zwischen der Behandlung der Juden bei ihnen und bei uns herrschen wird, wird Komplikationen herbeiführen, in welchen der Vortheil auf der Seite der Humanität sein wird. Nicht alles wird in diesem Anwachs der Bevölkerung für Algerien zum Vortbeil sein, und vielleicht wird man sich gegen das Mißverhältniß vorbereiten müssen, die er in die Elemente, die zur Bildung unserer Niederlassung beitragen, bringen wird; aber welche auch derartige Jnkonvenienzen sein mögen, es wird leichter sein, ihn zu unserm Nutzen zu wenden als ihn zu verhindern. Es fehlt in Algerien dem israelitischen Stamme keine Bedingung zu einem schnellen Wachsthum an Zahl, Reichthum und Macht, und es ist, unter welchem Gesichtspunkt man es auch ansieht, dies eines der bedeutendsten Fakta, über die man in der Leitung unserer afrikanischen Angelegenheiten zu wachen hat. In den Händen dessen, der sie zu handhaben verstehen wird, werden die Juden ein mächtiges Werkzeug des Friedens sein. Ihre Wer-