Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1841)
- Date
- 1841-03-13
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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158 lich unrecht thut, von allen Lehrern gleich große Leistungen bei verschiedener Stundenzahl zu fordern, ohne zu bedenken daß mit dem Wachsen der Stundenzahl unverhältnißmaßig mehr geleistet werden könne. So wäre es wol zu tadeln wenn in der vierten Klasse bei sieben wöchentlichen Stunden nicht einmal eine mäßige Anzahl Knaben gum geläufigen Lesen .im Hebräischen gebracht werden. In religiöser Beziehung findet man den Sinn und das Wissen der Knaben wol genügend ausgebitdet, jedoch schien es, als ob in den obern Klassen nicht genug auf dem in den untern gelegten Fundamente fortgebaut würde. Ueber die Leistungen im Deutschen laßt sich insofern' schwer ein Urtheil fallen, als Kenntnisse darin auf einem Examen sich nicht leicht zeigen lassen; und wenn man auch, besonders die Schüler der ersten Klasse, richtig sprechen hört, so kann dies nur als eine Folge der Zusammenwirkung aller Lehrer gewürdigt werden. Dagegen stellte sich im Französischen viel Lobenswerthes heraus, das alle Erwartungen an eine Elementarschule nicht bloß befriedigt sondern sogar bei weitem übertrifft; und ist hier der bemerkenswerthe Fall vorgekommen, daß beim letzten Examen die erste Klaffe nicht bloß geläufig deutsche Stücke in's Französische mündlich und schriftlich übersetzte sondern sogar das Uebersetzte in französischer Sprache exponirte.— Was das Zeichnen und Schönschreiben anbetrifft, so hat sich bis jetzt noch nicht das Urtheil des Referenten bilden können, obgleich es als schädlich zu bezeichnen ist, daß der Schreibunterricht in den Händen mehrerer Lehrer sich befindet. In den Sin gunterricht hat sich jedoch ein zu großer Mißbrauch eingeschlichen, als daß wir ihn nicht weiter unten noch einer genauen Erwähnung für werth halten sollten. In allen bisher erwähnten Gegenständen, außer dem Hebräischen, das am ersten der drei Prüfungstage absobvirt wird, werden die Schüler am zweiten Tage geprüft. Der dritte Tag ist den Deklamationen, der Zeugniß- und Prämien verth ei tun g gewidmet. — Wenn auch die Deklamationen in hebräischer, deutscher und französischer Sprache im Ganzen vom richtigen Verständniß des Vorgetragenen zeugen, so wird doch insofern hierbei zu weit gegangen, als von den Knaben größtentheits förmliche Scenen, bei denen Agiren, Ab- und Zugehen nothwendig sind, dargesiellt werden; das wird zu theatralisch und gab, nicht mit Unrecht, oft Anstoß. Einfache Gedichte gut vorgetragen würden dem Zwecke gewiß entsprechender sein. Bei der Pramienvertheilung ist ebenfalls eines großen Uebelstandes Erwähnung zu thun, nämlich der, daß zuviel Prämien vertheitt werden; nicht als wenn zu viel Unverdienten Prämien gegeben werden, sondern fast Alle werden beschenkt. Es darf nicht erst erwähnt werden, daß dadurch der ganze (an und für sich noch sehr fragliche) Zweck der Prämien: die fleißigen und ordentlichen Schüler zu belohnen und zu ermuntern und dadurch die andern zum Mitstreben aufzuspornen, gänzlich umgestoßen wird. Denn wahrend die Fleißigen die Prämie dann als etwas ihnen gleichsam Gebührendes in Einspruch nehmen, strebt der Unfleißige und Unordentliche, indem er sich auch beschenkt sieht, gar nicht, jenen gleich zu werden. Es ist uns nicht unbekannt, daß diesen Bemerkungen der Einwurf gemacht wird, die vielen Prämien erzielten eine Aufmunterung der Unsteißigenob aber der Zweck, einem Dieb das Stehlen verhaßt zu ' machen, dadurch erreicht wird, daß man ihm außer der Strafe und dem Gestohlenen noch eine Prämie schenkt?— . Ein anderer Einwurf ist der, daß zu viel arme Knaben da waren, denen die Schulbücher, die sie sich selber schwer oder gar nicht anschaffen könnten, geschenkt würden. — Ein anderer es geschähe deshalb, um aus diesem Wege lehrreiche Bücher in die armen Familien zu bringendoch warum dies in Form der Pcämia (praemimu-Belohnung) geschehen müsse, ist schwer einzusehen. Dieselbe Gutmüthkgker't ist bei der Vertheilung der Zeugnisse zu tadeln. Die Nummer „Eins" dürsten nur die ausgezeichnetsten Schüler bekommen, deren es aber in keinem Falle so viele in der Schule geben kann, als damit beschenkt werden. Ueberhaupt sollten wol die Nummern auf den Zeugnissen, nach dem vernünftigen Vorgänge so vieler Schulen gänzlich abgeschafft werden, indem nicht selten eine gute Nummer über dem Zeugnisse , mit der eine falsch angewandte Gutmüthigkeit oft zu verschwenderisch ist, die eindringlichsten Bemerkungen im Zeugnisse in den Augen der Eltern und Vormünder vollkommen paralysier. Auch laßt sich fast nie die Summa der Bemerkungen in eine bestimmte Kategorie drangen, wodurch in manchen Schulen zu dem Auskunftsmittel hat gegriffen werden müssen eine 1, La, 1b u. s. w. einzusetzen. Zu diesen Prüfungen wird das Publikum in einem Programme eingeladm, in welchem sich auch immer