Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-13 · Heft 11 (13.3.1841) · p. Seite 157

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 11 (13.3.1841)
Date
1841-03-13
Page
Seite 157 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225185--03398-3312930
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

157 es dem Vollstrecker des nothwendig eingreifenden Gesetzes zur Last gelegt, so er seines harten Decernententones sich auch noch dem geknickten Sterbenden gegenüber bedient-; muß selbst der Seelsorger vorsichtig sein, dem Körper eine Stunde nicht zu verbittern, für welche sein Wort doch nie ohne Süße ist-; Ja, sollen selbst die gebeugten Angehörigen sich aufrecht erhalten, um dem Sterbenden nicht zehnfach das Herz zu brechen — sollen sie ihre Thränen zerdrücken, damit sie Jener nicht gewahre, um dessentwillen sie fließen — sollen sie die Klagetöne ihres zerknirschten Innern unterdrücken, damit sie nicht den irdisch Erstarrten aus seiner glücklichen Betäubung wecken; — um wie viel strafbarer sind dann nicht Jene unseres Glaubens, die vom Mißverstände") irre geleitet, schaarenweise an das Lager der Sterbenden sich drangen, da, die letzte Stille verscheuchen, welche die Welt keinem ihrer scheidenden Söhne mißgönnen sollte — die letzte Ruhe unterbrechen, welche der ringenden Psyche so wohl thut — die Luft schmälern, nach welcher der Athcmbeengte so gierig hascht — das marternde Vorgefühl des Todes dem Sterbenden, in die noch lebendigen Ohren schreien — durch Mißtöne die Gedanken verwirren, welche sich öfters nur mühsam über die Furcht ewiger Vernichtung hinwegsetzen und so die schwer' röchelnde Brust mit bleierner Angst bedeckend, das hereinbrechende Licht des letzten Tages, durch die wiederholten Trübungen der Lebensnächte verdunkeln-. Wollen wir der hohen Pflicht genügen, unfern scheidenden Bruder nicht ohne ein Erweisen menschlicher Theilnahme und ohne Erflehen göttlichen Beistandes, dahin bleichen zu lassen, so wäre es würdiger unseres Glaubens, wenn wir beim Vernehmen, daß ein Glaubensgenosse mit dem Tode ringt, in das Gotteshaus uns begeben möchten und — daselbst Gebete für das Heil des Dahinscheidenden anstimmten.— Indessen könnten zwei der Erfahrensten, aus der Beerdigungsbrüderschaft, in das Haus des *) Die einzige, für diesen Unfug stimmende Autorität, ist eine kabbalistische Meinung, welche der rins einführt: dvirvL» iTOiaDir •’S, ööiÄrt rrss ib'Np' bnpfi bs Corr. rips msbft H'-< «tpstt V3 nreL'piv rwnaa (?) Sterbenden sich begeben und hier jede Störung verscheuchen, welche die, bei einer solchen Scene, nöthige feierliche Stille unterbrechen könnte. — Diese sollen ferner, wenn kein Arzt zugegen ist, der es anordnet, dem Kranken eine mäßig erhöhte Kopflage geben, demselben jede die Brust bewegende Kleidung oder schwere Bettbedeckung abnehmen. Ist kein Seelsorger zugegen, so sollen sie den mit dem Tode ringenden Muth, der schmerzergriffenen Umgebung Trost zusprechen und Fassung beibringen. Sehen sie endlich, daß sich der letzte Athem der kranken Brust entwindet, können sie ihre Stimme zum Ausrufe „asw" erheben und dem Entseelten sodann, das übliche ,,'h •’S ^b" Nachrufen. — Wir würden, bei einem solchen Verfahrens bei Sterbenden, nicht in die Lage kommen, unfern scheidenden Bruder die letzten Augenblicke zu verbittern und — was nicht selten der Fall und himmelschreiend ist — seinen Tod zu befördern "). — C o r r e s p o n d e n z e tl. Berlin, Januar. Die jüdische Gemeinde-Krraben-Schule zu Berlin. (Schluß.) Indem wir nun zu den Sprachen übergehen, erwähnen wir das Hebräische, mit dem der Religionsunterricht zusammenhangt zuerst. Zwar sind nun was das Erstere anbetrifft recht gute Kenntnisse in der Formenlehre bemerkt worden, jedoch vermißte man ungern eine nähere Bekanntschaft mit der heiligen Schrift. Ueberhaupt ist wol fraglich, ob bei der großen Anzahl von sechs bis acht Stunden wöchentlich das Genügende in diesem Gegenstände geleistet wird; während man gewöhn- *) Einige Male bemerkte ich schon, daß, beim barschen Eintritte der fcrs-Dp, ober beim jähen Erheben ihrer unzarten Stimme, der Puls des Kranken auszusetzen begann, den Händen ein Zittern überfiel — überhaupt eine innere Angst sich kund gab, und der Zustand sich außerst verschlimmerte ... Corresp.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.