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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-13 · Heft 11 (13.3.1841) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 11 (13.3.1841)
Date
1841-03-13
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 untergeordneten Verhältnissen erscheint, am Festtag als Lehrer der Gemeinde und Verkünder des göttlichen Wortes erscheinen soll, wodurch der Sache Würde und Weihe genommen wird. Denn sobald er nur als Vorleser austritt, bleibt die Sache, der Vortrag an sich, über ihn gestellt, und in früherm Ansehn. An paffenden Büchern fehlt es gewiß nicht. Die Predigtsammlungen von Salomon, Kley, Wolff, Mannheimer, Meier, Saalschütz ff., das israelitische Predigt- und Schulmagazin reichen auf lange Zeit aus, mit verwendeten 5 — 6 Thlr. jährlich vom Budget der Gemeinde kann diesem Bedürfniß hinlänglich Genüge geschehen, und wir sind gern bereit, jeder Gemeinde, die sich deshalb an uns wendet, eine Liste solcher Werke zukommen zu lassen. Unsrer homiletischen Literatur endlich würde dadurch eine große Unterstützung werden. Wir bitten dringend, diese Worte nicht unberücksichtigt zu lassen. Die oft gehörte Entschuldigung, wir möchten gern, aber wir haben keine Mittel dazu, fallt hierdurch ganz weg. Ueber das Verfahre» bei Sterbende», von Moritz Feitel, praktischem Arzte zu Körmend*). Da stehet im schwülen'Krankenzimmer keine Seele vor dem kraftu-nb farbenlosen Gesichte, die auf ihm heiteres Lächeln erweckte, sondern Beichtväter und Recht-gelehrte und Aerzte, die allebefehlen, und Verwandte, die allebejammern . . . Und in die Ohren, welche noch lebendig bleiben, wenn die Augen schon gestorben sind, werden die scharfen Mißtöne des Lebens nachgeschickt, anstatt daß daS Leben nur, wie ein Echo, in immer tiefere, aber weichere Töne verwehen sollte . . . Jean Paul. Eben so wahr als schön spricht unser sinniges Motto gegen jede Last, die wir dem Kämpfer des *) Wik sind unserm geehrten Herrn Corresp. sehr letzten und. wichtigsten irdischen Kampfes aufbürden — gegen jedes Hinderniß, das wir dem leichtern Abtreten vom Leben entgegen setzen — gegen jede Trü. bung, die wir dem, aus der Erdennacht in's Licht Tretenden, gewaltsam nachschieben. — Der Arzt soll weder mit kaltem Herzen den rein physiologischen Prozeß in's Auge fassend, an dem Todesakte eines Menschen seinen experimentirsüchtigen Kunstblick weiden; noch durch überflüssiges Anordnen dem zur Last fallen, zu dessen Wohle er nichts mehr beizutragen vermag. — Er soll den Stillstand, welcher einem Menschenleben bevorstehet, durch ein allmähliges Auf- .geben seiner Geschäftigkeit ankündigen und da nicht mehr befehlen, wo jedes Wirken fruchtlos ist. . Der Rechtsverweser soll mit Schonung über das zu Hinterlassene verfügen, ohne dem, sich aus dem Leben Ringenden merken zu lassen, wie weit es mit ihm gekommen, und wie wenig er hier mehr sein zu nennen habe . . Der Seelentrost, welcher, dem nach gc-istiger Labung Durstenden dargeboten wird — soll keineswegs, dem nicht minder lechzenden Körper warm machen — und weder durch Schreckbilder die ohnehin gepreßte Brust des Sterbenden zusammenschnüren; noch durch eine langweiligende Breitschweisigkeit seine letzte Geduld erschöpfen. — — Die schmerzgebeugte Umgebung soll durch ihre eigene Verzagtheit, den Beweinten nicht verzagt machen, durch ihre Herzerjchütterung den Geist des Dahinbleichenden nicht erschüttern. Stärker soll sie sein, als ihr Schmerz — und dem das Scheiden leicht machen, dem nur noch dieses einzige Gute erwiesen werden kann.-Ist es aber selbst dem Arzte, der doch so vielen Trost, und so manche Linderung für den Schmerz des Kranken hatte, nicht zu verzeihen, so er dem Sterbenden lästig wird-; wird verbunden, diesen Gegenstand zur Sprache gebracht zu haben. Die Euthanasie oder die Erleichterung des Todes, ein schönes Kapitel der Arzneiwissenschast, welches aber eben so sehr ein Kapitel der praktischen Menschenfreundlichkeit werden sollte, liegt — offen gestanden — bei unseren Glaubensgenossen noch sehr in der Kindheit. Wir wünschen, daß erfahrene Männer diesen Gegenstand auffassen, und uns weitere Bemerkungen darüber zusenden. Man hat so Vieles über das zu frühe Beerdigen geschrieben: es ist Zeit, auch die rechte Behandlung der Sterbenden in's Bewußtsein zu bringen. Redakt.

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