Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1841)
- Date
- 1841-03-13
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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155 den er sich vor 50 Jahren bei seinem Entstehen mühsam angeschafft, auf seinem Krämertische auslegt und zum Kauf bietet? Wer wird da jetzt noch ein Wort verlieren? Nicht, als wenn wir nicht wüßten, daß auch dieser Schaden anrichtet, sondern weil wir so unbedeutenden Nachtheil für nicht mehr halten, als er in der Lhat ist. Und so lassen wir denn auch die Judenfresser ungehindert gehen, wohin und wo sie wollen, wissend, daß sie ihre Spur nur in Sand eindrücken, und daß statt unser der Wind der Zeit sie schnell verweht. Wir brauchen uns nicht danach zu bücken. An kleinere Gemeinden. In der Synagoge war die Erlaubniß, Lehrvorträge zu halten, nie an Rang, Amt, Person gebunden. Wer befähigt war, zu sprechen, konnte sprechen, welchen Titel er auch führte. Und bei der Nothwendigkeit, daß unser Glaube in lebendiger Rede immerfort besprochen und gelehrt, seine Schätze gehoben und offen gelegt werden, soll es auch so bleiben, ob der Sprecher den Titel Rabbine, Prediger , Lehrer oder Kantor führe. In kleineren Gemeinden kömmt dazu, daß ihre Mittel nicht ausreichen, Personen zu besolden, die einen hohem Kursus durchgemacht haben. Und dennoch können sie des lebendigen Wortes jetzt nicht mehr entbehren, und sollen es nicht. Kann und soll daher, wie gesagt, die Befugniß, Vortrage zu halten, nicht an erlangte Grade, an durchgemachte Schulen gebunden werden, soll sprechen, wer sprechen kann — so haben wir doch vor dem Uebel zu warnen, daß man nicht sprechen lasse, wer nicht sprechen kann! Die kleineren Gemeinden machen jetzt bei Anstellung eines Lehrers oder Kantors meist die Anforderung , daß derselbe auch deutsche Vorträge zu halten im Stande sei. Dies ist höchst lobenswerth, verdient die vollste Anerkennung. Daß aber hierdurch viele Personen, deren Befähigung nicht zu einem angemeffnen, geregelten Vortrage reicht, dazu theils genöthigt werden, theils sich berufen meinen, ist leicht ersichtlich. Von der einen Seite droht dadurch die Gefahr, daß, da sie sich bei den einl. fachen Lehren des Lebens nicht verweilen, sondern auf die höheren Gebiete der Religion versteigen weri den, sehr oft Schiefes und Falsches vorgetragcn,! von der andern, daß die ganze Institution bei uns-! rer und anderen Konfessionen lächerlich werde. Das j Letztere ist aber das Nachtheiligste innerhalb und! außerhalb unsrer Kreise. Hierzu kömmt die große! Neigung unsrer Glaubensgenossen zur schwülsti-! gen Redeweise, die bei minder gebildetem Geschmacke und geringer Herrschaft, über die Sprache, das rechte Glatteis der Rede ist. Nun werden, bei vielfacher Unfähigkeit, bunte Lappen aus gedruckten Predigten zusammengenaht, um ein wunderliches Ganzes entstehen zu lassen. Was ist hier anzurathen? Wie dies zu vcrmeij den? Ich wende mich an die einsichtsvolleren Ge-! meindevorsteher, denen ein Urtheil zugetraut werden! kann. Das passendste ist, es werde in kleineren! Gemeinden zur Regel gemacht: eine kleine jüj disch-homrletische Bibliothek von den bej sten, erschienenen und ferner erscheinenden! Predigten und Predigtsammlungen angej legt, und der Lehrer oder Kantor angewiesen, an; den Tagen, wo ein Vortrag gehalten werden soll,! einen gedruckten würdig abzulesen; wenn ein jeder! Band solcher Predigtsammlung schwarz mit Gold-! schnitt eingebunden, und bei der Vorlesung auf die Kanzel oder ein Pult gelegt, und daraus angemessen vorgelesen wird: so ist das Bedürfniß der Gei meinde und unsres Glaubens leicht vollständig befriedigt, es wird nur Gutes, Schönes und Heilsai mes gelehrt, und dies auf würdige Weise. Wenn : ein Lehrer oder Kantor blos mit dem Vorlesen zu , thun hat, so braucht er seine Vorbereitung und seine Aufmerksamkeit nur auf das richtige und gute Vorträgen zu wenden, und es wird, bei weiterem gu- . ten Rathe, ihm leicht werden, recht gute Fortschritte zu machen. Auf diese Weise werden auch viele ältere Subjekte, denen nach dem neuern Bedürfnisse eine Stelle zu erlangen immer schwieriger wird, wieder zu verwenden sein, und, will eine Gemeinde ein Uebriges thun, so mag sie ihrem Lehrer beim Prediger i oder Rektor der Stadt einige Uebungsstunden im ■ richtigen Verlesen ertheilen lassen. > Dadurch wird auch dem Uebelstande abgeholfen, l daß derselbe Mann, der sonst in nicht passenden,