Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1841)
- Date
- 1841-03-13
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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154 hellenden Blick wirst es jedenfalls hinein. Doch lassen Sie uns von diesem Felde endlich weichen. Schlagen wir diesen Seitenweg ein, der zym Flusse führt, und lassen Sie uns so vom Gebiete des Allgemeinen in ein Nebengaßchen einlenken. Ich suhle mich berufen, meinen ersten Worten als einen Kommentar eine gedrängte Skizze meines Lebenswandels zuzusügen. Ich glaube so, daß dies uns noch naher bringen, und Ihnen einige Erheiterung gewahren wird. Einem Freunde solche zu bereiten, halte ich mich aber stets zunächst verpflichtet. Sie werden mir ein werthvolles Geschenk machen, antwortete ich, und es würde mir sehr angenehm sein, wenn ich es werde zurückgeben können. (Fortsetzung folgt.) Tages-Controlr. Worin jedenfalls in den letzten Jahren das Judenthum sehr bedeutende Fortschritte gemacht — das ist: die Selbstständigkeit. Es ist dies gleichbedeutend mit einer Erkräftigung, sowol nach innen, als nach außen. Das Recht der Juden auf Gleichstellung, der Werth des Judenthums in Moralität und religiöser Erkenntniß sind Thatsachen geworden, die weit über Zeitungsartikel, ja über Kammerverhandlungen, und selbst über einzelne Verordnungen hinausreichen, und von ihnen nicht erschüttert werden. Der jungen, wachsenden Sache, die noch wie ein schüchternes Mädchen leise und vorhüllt auf der Straße der Oeffentlichkeit zu wandern hatte, konnte man es nicht verargen, wenn sie jedes böse Begegnen fürchtete, jedesüble Zusammentreffen scheute, jeden Anstoß zu vermeiden suchte. Sie blickte immerfort -scheu umher, nahm von jedem Laute Notiz, und wollte sorgsam jede Spur eines Judenfressers verwischen, daß man in der folgenden Zeit seine Schritte nicht mehr finde. Ein Zeitungsartikel, von einem Judenfeinde aus verborgenem Winkel in die Welt geworfen, war ein Ereigniß, das eine lange Aufmerksamkeit fesselte, ein schlecht geschriebenes Pasquill regte bis in's Innerste auf, aus den Sälen der deutschen Kammern lauschte man herzklopfend auf jeden gehässigen Ausdruck, auf jeden mittelalter- | lichen Verdammungsspruch. Das Judenthum war j ein Kandidat, der eine Anstellung sucht, und kam aus dessen Fieberschauern nicht heraus!-- Gott sei Dank! die Sache ist anders worden. Das Judenthum ist kein schüchternes Mädchen und kein stellesuchender Kandidat mehr; Mann, kräftiger Mann, seiner Sache gewiß, seiner Würde inne, seines Berufs bewußt. —■ Von der einen Seite weiß es, was es zu hoffen hat, weiß, daß von Vorurkheilslosr'gkeit, Gehässigkeit, heimlicher Tücke gegen das Judenthum frei zu werden, noch ein weiter Weg sei, von der andern Seite, daß die Geistighervorragenden aller Nationen diesen langen Weg schon zurückgelegl haben, und daß die übrige Welt Nachkommen muß, ja desto eher Nachkommen wird, je mehr sie sich noch dagegen sträubt. Endlich ist es ihm zum Bewußtsein gekommen, daß es eben sowenig ein Utopien und Eldorado für das Judenthum, wie für alle wirklichen Dinge und Erscheinungen, giebt, daß daher ein gewisser Kampf ewig,, eine feste Beeiferung immer nothwendig sein wird. Und was schadet dies, da man für einige Herzenskränkung und bisweilige Betrübniß die Entfaltung, Anspannung und Stärkung aller seiner Kräfte eintauscht? Denn die im Kampfe nach außen gestärkten und geübten Arme greifen desto rühriger auch im eigenen Hause an. Seitdem fürchtet man sich nicht mehr. Das kleine Gesindel läßt man lausen, schlürfen, tuscheln, näseln, so viel es will, und auf die größeren und tüchtigeren Faustkampfer schlagt man los, wenn sie ausschlagen. Man hält das Schicksal des Judenthums nicht mehr von einem Zeitungsartikel abhängig, und, indem man immerhin und überall lernt und gern gelehrig ist, macht man doch außenstehende Kritiker nicht zu seinen Richtern, sondern sucht diese unter sich selbst. Wer wird z. B. nicht bedauern, daß die Augsburger Mg. Zeitung immer das uns Widerstrebende hervorhebt, und, wo sie den Gegenstand berühren muß, am liebsten die nachtheilige Seite herauswendet? Jndeß sind wir doch unabhängig von ihr, und, bei Gelegenheit es kräftig rügend, glauben wir mit ihr fertig zu sein, und das Weitere seinen Gang gehen zu lassen. Wer wird es aber nicht übersehen und gleichgültig belächeln, wenn der Allgemeine Anzeiger zu Gotha noch immer seinen Krimskramms von Ansichten,