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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-13 · Heft 11 (13.3.1841) · p. Seite 153

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 11 (13.3.1841)
Date
1841-03-13
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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153 Zukunft wird wahrscheinlich Manches ändern. Nun, so sei dies der Zukunft überlassen. Der Jude hat jetzt nur eine Aufgabe: sich zu bilden, und sich überall auf gebildete Weise zu benehmen, daher weder zudringlich, noch theilnahmlos zu sein und zu erscheinen. Dann aber zähle ich meine Lieben nicht nach dem Glauben, sondern bin seelenssroh, daß ich nur welche habe. Ich fühlte mich sehr frei und gehoben unter den Worten meines Freundes, aber antwortete: Wir können jedoch nicht leugnen, daß der Glauben oder die Konfession, noch immer im praktischen Leben so viele Einwirkung auf die Schicksale der Individuen hat, also in eine Region herabgezogen wird, wohin sie -gar nicht gehören sollte. Sie, die der höchste Friede sein, die Religion, die den Hauch des Friedens in die Kämpfe der Menschen bringen, die alles Irdische ausglätten und abplaniren sollte — wird nicht bloß zum Zankapfel der Ideen, sondern wirst auch Hemmniß und Schranke in das bürgerliche Leben, so daß das Individuum das Heiligste, das an ihm haftet, oll verwünschen, die religiöse lleberzeugung, zu der er herangewachscn ist, beklagen muß, so sie doch das theuerste Besitzthum sein müßte? Wie oft verleugnen Juden augenblicklich ihren Glauben, um ungestört Städte und Länder passiren, in nothgedrungener Gesellschaft, z. B. auf Postwägen, ungeschoren zu bleiben. Ja, das Alles ist. sehr traurig. Ich selbst, es sei Ihnen offen gestanden, habe zu tiefes Leid, hervorgegangen aus diesen Verhältnissen, empfunden während meines Lebens — «, mein Theuerstes ist hiervon zu Grunde gegangen — als daß ich es nicht mit voller Geisteskraft anders wünschen sollte für die kommenden Geschlechter. Die Sonne war untergegangen. Wir wandelten einsam durch die Laubgänge, während die Musik aus dem Gesellschastssaale lustig hcrüberscholl. Taufend Leuchtkäfer durchschwirrten das Gebüsch, und ein balsamischer Luftstrom zog von den nahen Zierbeeten durch die Boskets. Mein Freund antwortete mir. Ich ehre diesen Wunsch, und theile ihn. -Noch mehr achte ich Ihre Gefühle, wie diese aus ihrem Lebensgange sich entwickelt haben. Aber, da wir vom Allgemeinen und im Allgemeinen einmal sprechen, so dürfen wir uns gerade von individuellen Gefühlen nicht hinreißen, unfern Blick durch sie nicht trüben lassen, und die Landschaft nicht durch farbige Gläser betrachten. Ich kann Ihnen sofort einen Gegenbeweis geben, und diesen Gegenbeweis sehen sie lebendig und verkörpert — in meiner Wenigkeit. Wenn ich zurückschaue auf die Lebensbahn, die mir zu durchschreiten die gütige Vorsehung gestattet hat — so gewahre ich, daß gerade mein Judenthum in den verhängnißoollsten Augenblicken für mich eingeschritten, daß meine Religion mir mehre Male als glücklicher Talisman gedient, ja, daß mein Lebensglück allein auf dieser Basis sich erhoben. Soll ich es leugnen, daß es mir dadurch noch theurer geworden? daß ich unzählige Male dem Herrn auf den Knieen gedankt, daß er mich in diesem Glauben hat geboren werden lassen? Nun werden Sie zwar sagen, auch das sollte nicht sein, die Ncligion sollte so objektiver Haltung sein, daß die irdischen Lebenswege ganz darunter weglaufen sollten, ohne daß die Strickleiter der Schicksale hinauf- und herabliefen. Aber, Freund, wie wäre das möglich! Das heiligste, edelste, beseligendste Gefühl nächst der Religion ist — die Liebe. Und nun schauen Sie sich um, welches Gefühl hat den meisten Einfluß auf das wirkliche Leben, welches wird mehr gemißhandelt vom wirklichen Leben, welches öfter verleugnet, verdrängt, gemißbraucht vom Leben, als die Liebe? Es liegt durchaus nicht in der Natur des Menschen, seine höheren Prädikate so in ein Sanktuarium seines Innersten zu verschließen, daß sie auf seine Handlungsweise, folglich auf die Gestaltung seines Lebens, auf seine ganze gesellige Stel- . lung, auf sein Geschick keinen Einfluß üben. Und sollte dies denn geschehen? Bringen Sie die Religion nicht auf diese Weise in eine ganz schiefe Stellung? Wir sollen uns ja von ihr durchdringen und beherrschen lassen, als die höchste Mission der Religion wird anerkannt, daß sie uns leiten soll, und unser Thun bestimme? Sie soll kein Gedanke bleiben, sie soll auch zur That werden. Und wie können Sie es danndem Menschen verdenken, wenn er, von seiner Religion und ihrer Wahrhaftigkeit überzeugt, zweifelnd und zurückhaltend auf die Religion eines Andern schaut, von dem er glaubt, daß er sich eben so von der seinigen bestimmen läßt? Dies kann und soll zwar durchaus nicht den Zustand der jetzigen Wirklichkeit rechtfertigen, aber einen auf- II»

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