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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-13 · Heft 11 (13.3.1841) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 11 (13.3.1841)
Date
1841-03-13
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 miniature nennen könnten und vielleicht schon nennten? Meinem Grundsätze gemäß müßte ich, wenn ich auch, wie er sich schmeichele, ein wenig Gefallen an ihm fände, wie er so vieles an mir, dies opfern, ihn vermeiden und die Anderen, von christlichem Glauben und Ursprung, aufsuchen. Ich gestehe, dieses argumentum ad hominem frappirte mich, und da ich just Nichts zu sagen pflege, was ich nicht wirklich zu meinen glaube, schwieg ich still, und forschte bei mir selbst nach der Ursache. Und ich gestehe ferner, daß ich fand, eine Hauptursache sei gewesen — weil die Anderen mich nicht haben wollten. Da ich nämlich, gerade weil ich Jude bin, zurückhaltend, fast möchte ich sagen stolz mich benehme, um nicht oft gehörten Vorwurf über Zudringlichkeit der Juden meinerseits zu rechtfertigen, und daher im strengsten Sinne mich aufsuchen lasse', und selten Jemanden aufsuche — so hatte mich eben Niemand gesucht, als mein Freund und Glaubensgenosse. Ich glaube — der Leser rechne diesen Glauben unter die Fehler meiner Hypochondrie — ein ganz reputirlicher Mann zu sein. Auch verberge ich meine Leiden vor der Welt, und falle Niemandem damit zur Last: Auch bin ich dienstfertig in hohem Grade, meine schönste Freude ist, Einem einen Dienst zu erweisen, der mir recht sauer wird. Die gesellschaftliche Sitte kenne und beachte ich sorgfältig, und eine reife Erfahrung mit stetem Streben der Fortbildung kömmt mir zur Hülfe, meinen genügenden Theil zu einer Unterhaltung beitragen zu können. Selbst einige Empfehlungsschreiben hatte ich mitgebracht von gewichtigen Personen, und dennoch suchte mich keiner, als — mein Freund und Glaubensgenosse. Ich begann, mich zu ängstigen darüber, unruhig und unsicher zu werden, ich blickte mich in der Gesellschaft um, welche Blicke man auf mich werfe, ich glaubte schon, nicht blos kalte, sondern verächtliche zu gewahren, schon wollte ich bemerkt haben, daß man sich von unserm Kaffeetische zurückgezogen, daß der Kellner erst auf zweimaligen Ruf zu uns käme, und uns weniger prompt bediene, es sing mich an zu drücken, die Luft ward mir schwül im Saale, ich athmete hörbar, ich sprang endlich auf, und flüsterte dem Freunde zu: Freund, führen Sie mich hinaus, ich sinke um! Da lag es vor mir, das sonnige Thal, in Blüthen - und Sonnenpracht. Mein Blick stieg schnell zu den goldenen Höhen der grünen Berge umher, die ingrotesken, aber scharfen Linien das blaue Himmelsgewölbe abschnitten. Auf den Matten des Thaies weideten die zerstreueten Heerden und arbeiteten die Landleute. Ein Silberband schlang sich der kleine Fluß um die Wurzel der Höhen, und dort links im Winkel drängten sich die rothen Dächer des Städtchens zusammen. Ich athmete freier, meine Brust entfaltete, meine Gestalt hob sich, und in dem leidengetrübten Auge zerdrückte sich eine Thräne. Doch gewahrte mein Freund nichts von ihr, als einen Händedruck. Freund, sagte Bernhard (die Leser werden mir gestatten, ihn nur bei seinem Vornamen zu nennen,) zu mir, es ist ein großes Unglück für den Menschen, wenn er zu viel in Vergangenheit und Zukunft lebt. Habe ich die Vergangenheit kräftig abgethan, so.ist sie mir nichts mehr, als der Kalender eines frühern Jahres, den man liegen läßt in seinem Winkel. Woher aber kömmt diese Unsicherheit, diese Furcht des gebildeten Juden in geselliger Beziehung, wenn nicht, weil er zu viel rückwärtsschaut, zu viel des Juden früherer Zeit gedenkh?., Ich sehe, in der Oeffentlichkeit läßt man mi^üngestört und ungenirt weilen, alle öffentlichen Plätze stehen mir so gut offen wie jedem Christen. Man weicht nur eben so höflich aus, macht mir seine Verbeugung, respektirt meinen Platz. Was will ich mehr? Was den persönlichen Umgang betrifft: nun, da leitet mich und jeden Andern Stand, Bildung, Charakter, Ruf, Familie ff., warum soll der Glauben nicht auch ein Moment der Wahl für denselben sein? ist der Glauben so nichtssagend, so unbedeutend, so einflußlos für den Menschen, daß er sich in seinem persönlichen Umgang nicht von ihm sollte bestimmen lassen? Wir müssen dies dem Christen zugestehen. Und warum sollen wir es dem Juden verargen, um so mehr da es ihm, gerade wegen des Zurückziehens der Chri. sten, noch eher zur Nothwendigket werden kann. Ich kann nur darüber das Verdammungsurtheil aussprechen, wenn man von öffentlichen Vereinen und Plätzen den Juden ausschließen will, bloß weil er Jude ist. Jm-Uebrigen liebe ich, wer mir mit Liebe naht, behandle offen, wer sich mir offen zeigt, und bleibe kalt, wo man kalt geblieben ist. Die

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