Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1841)
- Date
- 1841-03-13
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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151 worrener Vortrag bald deklamirend, bald mit der Regina, die sich dennoch der Deklamation hinneigte, ein allgemeines Lachen erregte. — Zeugen hiervon sind: Herr Oberlehrer Cohen in Münster, die Herren Lehrer Lehmann in Löst, Meier in Ahlen, Rothschild in Telgte und Friede in Brilon. Endlich 7) lege ich die Ausfertigung eines Erkenntnisses de publ. 20. Febr. 1833 hierneben, wonach Sutro bestraft worden ist, weil er von meinem sel. Amtsvorgangcr gesagt habe: „es ist gut, daß ihn der Teufel geholt hat, den Betrüger!" — Wer solch' lieblose Aeußerung gegen seinen verstorbenen Amtsgenossen wagen kann, der verdient wahrlich nicht, der Lehrer und Seelsorger einer zahlreichen Gemeinde zu sein. — (Schluß folgt.) sEinige statistische Bemerkungen, j In Halle wohnen jetzt 167 Israeliten, in Breslau unter 97,621 Einwohnern 5733 Israeliten, in Aachen unter 43,265 Bewohnern 222 Israeliten, in Pesth unter 65,791 Seelen 7844 Jsraeliten.s Belle i r i st i k. Förderung und Hemmniß. Eine Skizze aus dem Leben. Im Bade E. sollte ich die Hypochondrie los werden und sitzen lassen, die seit Jahren von mir Besitz genommen hatte. Die Verheißung hatte mir mein Arzt gegeben, der mich wenigstens eben so gern los sein wollte, wie ich die Hypochondrie. Ich war voll Hoffnung hergeeilt. Aber wie ich von den nächsten Bergen das Städtchen in der Feier des Sonnenuntergangs reglos, und nahe daran die Badegebäude still wie eine Dorfkirche am Wochentage liegen sah, entfiel mir Glaube und Muth, ich verzweifelte das Leben ,u finden, wo Alles todt schien, und wünschte mich schon wieder weit hinweg. Doch was quäle ich mich mit der Wiederholung der Qualen, die nur verschiedene Abdrücke eines und desselben Leidens sind? Ein Sonnenblick in meiner Badesaison war die Bekanntschaft eines Mannes, dessen Andenken um so lichter in meinen wirren Seelenzustand hineinfällt, weil er selbst licht wie der Strahl der Sonne am Frühlingsmorgen ist, und, da sich gerade die Extreme suchen, desto besonnter auf mein eigenes Bild siel, das sich meinem Auge nur als Silhouette, also als Schatten, darstellt. Und warum schloß er sich so freudig mir an? Je weniger ich ihm glich, je verschiedener unsre Charaktere waren und sich erkannten, desto enger umfaßte seine Seele die meine, und wir wurden Freunde. Und welche Bedeutung hat dieses Wort bei Männern, die schon auf die Höhe des Lebens gerückt sind! Hatte er Mitleid mit mir, der sich unter dem Drucke einer Krankheit wand, welcher man immer als Boden die Einbildung zuschreibt, und die mir die bitterste Wesenheit dünkt? Oder bleibet unter den Narben und Brandmalen des Lebens doch noch so viel Ueberrest der himmlischen Psyche, daß sie sich zu erkennen und in schwesterlicher Einigung die Staublasten der Erde abzuschütteln vermag? Oder war ganz äußerlich nur der Umstand Schuld unsrer Annäherung, daß wir beide allein unter den Badegästen und im Städtchen Juden waren? Doch wenn dies die Brücke war, auf der wir zu einander heranschritten, so hätten wir ja wieder vorüberschreiten können, wie ich so manchem Glaubensgenossen vorübergegangen, weil er eben nur im Glauben, und auch da nur eine kurze Strecke mein Genosse war. Dennoch kam dieser Umstand mehrere Male unter uns zur Sprache, denn er liebte, mehr als ich, Gegenstände aus dem Bereiche des Judenthums zu besprechen, weniger transcendentale, als historische und sociale. Ich sprach mich oft darüber aus, daß wir jeden ^Separatismus vermeiden und zurückweisen müßten, daß wir die Verschiedenheit der Ansichten durch die Gleichheit der Lebensweise und materiellen Interessen verwischen müßten, und verurtheilte hart alle die mancherlei Versuche in neuerer Zeit bei den Juden, sich mitten im neuern Leben wieder ein besonderes Plätzchen zu schaffen, wo man unter sich sei, und mit neugierig-scheuen Blicken über die Umzäunung blicke. . Er lächelte, und fragte mich einst auf solche Expektoration: warum ich denn nun schon acht Tage auf Spaziergängen im Bade, in Gesellschaft immer mit ihm, dem Juden, zusammenträfe, so daß die anderen Badegäste uns eine jüdische Gesellschaft eu