Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1841)
- Date
- 1841-03-13
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
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149 erlaube ich mir den Anfang und Schluß, statt einer Charakteristik Sutro's und seines Verhaltens gegen mich, zugleich als den reinsten Ausdruck meiner Principien hieherzusetzen: . Falsarum opinionum temeritatem tliripere, omnem inanitatem et errorem ainputare ac circumcidere, vitiorum fibras evellere, stirpes elidere, semina exstinguere. — Cicero. „Diese Worte enthalten das Resüme der mir mittels hohen Rescripts vom 5. November 1839 auferlegten, nachstehenden Rechtfertigung gegen die Beschwerde des A. S. und Cons. und die Begutachtungen des Rabb. Sutro. Wenn es auch bitter für mich ist, daß so vieles, was schon vor einer Reihe von Zähren mit so überzeugender Klarheit und mit einem so lebendigen Bewußtsein des Bedürfnisses ausgesprochen wurde, noch jetzt ins Reich der unerfüllten Wünsche gehört: so finde ich doch wieder darin Befriedigung, den Gesammtcharakter solcher Erscheinungen hervorzuheben, und die Punkte angeben zu können, von denen der äußere Anstoß ausging, zu welchem Zwecke ich mir folgende allgemeine Vorausschickungen gehorsamst erlaube. Es ist nicht schwer zu sehen, daß unsere Zeit eine Zeit der Geburt und des Ueberganges zu einer neuen Periode ist. Der Geist hat „mit der bisherigen Welt seines Daseins und Vorstellens gebrochen" und steht im Begriff, es in die Vergangenheit hinabzusenken. Das zeigt sich in der fortschreitenden Bewegung der Staaten, das auch, im verjüngten Maaßstab, im religiösen Leben des Zudenthums; das Mißfallen an dem Bestehenden deutet an, daß etwas Besseres im Anzuge ist. Dies allmählige „Zerbröckeln," das die Physiognomie des Ganzen nicht verändert,, wird nur durch den Aufgang unterbrochen, der, ein Blitz, mit einem Male das Gebilde der neuen Welt hinstellt. — Das aber eben ist es, was die sich historisch berechtigt glaubende Menge nicht begreift, was die Fanatiker in Schrecken setzt und zu einem vermeintlichen heiligen Kriege gegen die Aufklärung anregt. Zu jener Klaffe zähle ich den aller Bildung entfremdeten Bittsteller A. S., zu diesen den Hrn. Rabb. Sutro. Dieser Mann, der Alles, was als Zeichen der Veredlung Israels freudig begrüßt zu werden verdient, unterstützt durch die leider in der Synagoge herrschende Anarchie und Zerrüttung, meist aus Interesse, auf Kosten der Wahrheit zurückdrangt, hat sich alle mögliche Mühe gegeben, mich stets als den zu bezeichnen, „qui mene en enfer,“ und solche lieblose Polemik selbst gegen die würdigsten Männer gehandhabt, wie weiter unten urkundlich nachgewiesen werden soll. Allein alle seine Pfeile prallten an meinem ruhigen Lebenswandel ab. Weit entfernt, durch muthwilliges Einreißen Reformen, selbst, wenn sie von dem liberalen System, dem ich angehöre, geboten werden, ins Leben zu führen, leitet mich in meiner Amtsführung nur der Grundsatz: Der Verstand allein gibt Licht und Wahrheit, er leuchtet mit dem Lichtstrahl und will nicht mit der Fackel zünden : und dabei bekümmere ich mich nicht um Dinge, die für meine Geisteserhebung ohne Frucht sind. Nur das suche ich den Herzen der mir anvertrauten Ge-' meinden einzuprägen, daß willkürliche, nicht auf dem Wesen unserer Religion fußende Formen» die sich je nach den Stufen der Einsicht, auf denen die Menschen stehen, oder nach den Himmelsstrichen, unter denen sie wohnen, nothwendig ändern, derogirt werden müssen. Mögliche Bekämpfung revolutionärer Grundsätze, unbedingte Abwehr alles Ueberflüssigcn, Gehorsam der Autorität hoher Regierung mit dem Entschluß, segensreich im hohen Alter zu wirken, das sind die Tendenzen meiner Amtsführung, die man als unheilbringend verschreit, die einen Sutro gegen meinen seligen Amtsvorgesessenen und gegen mich in Harnisch brachten, als ersterer mit mir das warme Bad für die israelitischen Frauen einführte und ich die Abschaffung der überflüssigen, nicht mosaischen Feiertage vorschlug, wozu die größten Rabbinen unserer Zeit ihren Beifall öffentlich ausgesprochen (Geiger's Zeitschrift, Sulami'th rc. :c.), und ihn nun noch zum Vertreter dieses S. machen, der gemeinschaftlich mit seinen Konsorten dem Guten Hohn spricht, das Heiligste in den Staub zieht und nur durch hartnäckige Widerspenstigkeit manches Aergerniß giebt, Unruhen und Störungen oft schon veranlaßt hat., Gegen das Sutro'sche Gutachten erlaube ich mir unterthänigst folgende Einwendungen, wobei ich jedoch seine, jetzt noch starres Festhalten an allen Mißbräuchen, Beibehaltung nichtssagender Minutien und Schreiereien vertheidigende und den Satz „qni non progredi'.ur regreditur“ nicht achtende Initiative als einer Widerlegung unwerth bei Seite setze.