Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1841)
- Date
- 1841-03-06
- Page
- Seite 140 (sequence 12)
- Language
- German
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140 tur licentia a nobis concessa nee damnis omnino subiieientur, qui1 graecani ceterasque linguas recipiunt, nee ab ullo protiibebuntur. Neqne illis, qui apud 608 archipherecitae, vei presbyteri forte, vel inagistri vocantur, machinationibus aut anathematibus id probibere liceat, 'nisi poenis corporalibus castigati et insuper substautia sua privati nobis meliora et deo amabiliora volentibus et iubentibus inviti 8686 dedere velint. Cap. II. Si qui vero inter eos nugas sacrilegas introducere tentaverint, vel resurrectionem, vel iudicium negare, vel angelos dei Opus et creaturam esse, eos eliam expeiii volumus omni loco, et non emittcre tarn impiam vocem , et a dei cognitione plane deficientem. Qui enim tale quid proferre audent, omnium extremis suppliciis subiieimus, hoc ipso gentem Hebraeorum ab introducto errore purgautes. Cap. III. Optamus vero, ut qui hac vel illa lingua sacros libros audiunt, caveaut sibi ab interpreliches in sich habenden Männern ifis). So mögen sie denn die heiligen Worte selbst lesen, und die Bücher aufschlagen, aber nicht verbergen, was in ihnen gesagt wird, und dafür nicht ausgeschriebene^) Leerheiten, zum Verderben der Einfältigen ausgedacht, annehmen: so daß vermittelst dieser Unserer Erlaubniß Niemand, der die griechische Sprache oder eine andere annimmt, einer Strafe unterworfen, noch darin verhindert werde. Eben so wenig sollen ihre Archipherekiten l°) oder Aeltesten oder Lehrer die Erlaubniß haben, durch Strafen oder Bannflüche") dies zu verhindern, wenn sie sich nicht körperlicher Züchtigung aussetzen, und sich Uns, die Wir Besseres und Gott Angenehmeres befehlen, ungehorsam zeigen wollen. Kapitel H. Wenn aber Einige unter ihnen gotteslästerliche Jrrthümer einzusühren wagen, oder die Wiederauferstehung, oder das Weltgericht, oder die Engel als Werke und Geschöpfe Gottes leugnen wollten, so sollen diese aus jedem Orte vertrieben werden, und ihnen nicht gestattet sein, solche gotteslästerliche und von der Erkenntniß Gottes! völlig abweichende Rede auszusprechen. Wer dergleichen vorzubringen wagt, soll den größten Strafen unterworfen werden, indem Wir so das hebräische Volk selbst von eingeführtem Jrrthum reinigen wollen 12). Kapitel III. Wir ermahnen aber Alle, mögen sie in dieser oder jener Sprache die heiligen Schrif- 8) Was die hier erwähnte Deuterosis der Juden sei, konnten frühere Erklärer nicht enträthscln. Daher sah selbst Eichhorn noch, sie als eine „zweite Ausgabe des Aquila" an, die der Kaiser den Juden verbiete. Nichts lächerlicher. Jüngst wollte Gfrörer den ganzen Talmud darunter verstanden haben. Allein wörtlich ist ja devit- Qcooig nichts anders als N3N73, Wiederholung. Nun braucht zwar der Kaiser den Unterschied zwischen Mischna und Gemara nicht so genau gekannt zu haben, allein mit Bestimmtheit können wir nur die Mischna als vom Kaiser gemeint ansehen. Das Urteil, das der Kaiser über sie fallt, ist denn auch ganz der Art, wie die Tradition von einem Christen angesehen werden mußte, und kann eben nur auf die in der Mischna und Gemara gegebene, die heil. Schrift supplirende Tradition, nicht aber auf eine zweite Ausgabe des Aquila, passen. 9) Die Worte „nicht ausgeschriebene" ayQacpovg bezeichnen TiS STTin, und machen um so unumstößlicher, daß unter devTtQwoig wenigstens bk Mischna zu verstehen. 10) uq/i (ptQey.Tiai, ■»si, -ap^\t ^-2, Rabbinenschüter, Rabbinen. 11) Dergleichen Versuche mußten vorangegangen sein. Vergleiche hingegen Sota, Abschn. 7. §. 1. 2V wo die in anderen Sprachen zu lesenden und die nur in hebräischer Sprache zu lesenden Stücke bestimmt werden. Daß aber eifernde Talmudlehrer schon selbst jene Stücke in nicht hebräischer Sprache zu lesen verhindern wollten, erweist das Beispiel des R. Levi im Talm. Hieros. zur angef. St. 12) Da die Lehre von der Auferstehung der Tobten, vom Gericht Gottes, von den Engeln talmudisch ist, so muß dieses zweite Kapitel gegen die Neuerer gerichtet sein, welche, neben der Landessprache, diese Lehrsätze der Talmudisten abweisen wollten, so daß der Kaiser hierin eher auf Seiten der Talmudisten zu stehen scheint. Jndeß ist es bekannt, wie leicht die nichtjüdischen Gelehrten die Parteien des Judenthums verwechselten und verwechseln, so daß die sonstige Feindseligkeit des Kaisers gegen die Talmudisten hiermit nicht in Widerspruch zu stehen brauchte.