Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1841)
- Date
- 1841-03-06
- Page
- Seite 138 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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138 que etiam aberraverint, simul eos inter se disceptare didiceriinus, dissensionem eorum indecisam relinquere non sustinuimus. Ex ipsis enim interpellationibus^quae nobis factae sunt, didicimus, alios quidem solam hebraicam linguam tenere, eaque in sacris libris recitandis uti veile, alios vero arbitrari etiam graecam adiungcndam esse, et longo iam tempore ipsos de hoc inter se dissidere. Nos igitur bis cognitis, meliorcs esse iudicamus eos, qui graecam etiam linguam ad sacrorum librorum recitationem assumere volunt, omnemque omnino linguam, quam locus aptiorem et notiorem audientibus efficit. Cap* I. Sancimus igitur, licere Hebraeis, qui volunt, in synagogis suis, quocunque omnino in loco Hebraei sunt, sacros übros graeca lingua rccitare iis, qui conveniunt, vel etiam patria forte (hac scilicet italica) vel omnino aliis, cum locis commutata lingua et per eos recitatione, nt clara deinceps sink, quae dicuntur, convenientibus Omnibus, ac secundum ea et vivant et agant. Neque liceat interpretibus, qui apud eos sunt, et solam hebraieam amplectuntur, corrumpere eam quomodocunque voluerint, plurimorum ignorantia pravitatem suam circumvelantes. kündigen *). Jedoch, da sie, sinnlosen Erklärungen^) sich selbst hingebend, von verfechten Meinung bisjetzt abirrten, zugleich aber Wir erfahren haben, daß sie unter sich in Streit gerathen sind, so können Wir ihre Zwistigkeit nicht unentschieden lassen. Denn durch ihre eigenen Interpellationen an Uns erkannten Wir, daß die Einen allein die hebräische Sprache erhalten und in der Vorlesung der heiligen Schriften gebrauchen wollen, die Änderen aber auch die griechische Sprache anzunehmen würdigen, und daß sie schon! lange Zeit hierüber unter sich uneinig sind^). I Wir aber, nachdem wir hiervon Kenntniß genomj rnen, entscheiden, daß die besser sind, welche bei Vorlesung der heiligen Schriften die griechische Sprache annehmen wollen, oder jede andere Sprache, die der Wohnort angemessner und den Zuhörern verständlicher macht. Kapitel I. Wir befehlen daher, daß den Hebräern, die es wollen, in ihren Synagogen, wo nur Hebräer sein mögen, die Freiheit sei, die heiligen Schriften in griechischer Sprache den Versammelten vorzulesen, oder auch in der vaterländischen Sprache (Wir meinen die italische), oder in anderen Sprachen an den verschiedenen Orten, damit das Verlesene allen Versammelten verständlich sei, und sie danach leben und handeln. Und nicht sei es ihren, die hebräische Sprache allein festhaltenden Erklarern1 2 3 4) gestattet, den Text zu mißhandeln, daß 1) Wir sehen also schon Ln so früher Zeit die noch jetzt oster ausgesprochene Meinung bei den Christen verbreitet, wenn die Juden die Weissagungen der Propheten Ln rechtem, d. h. christlichem Sinne lesen würden, würden sie an den Stifter der christlichen Kirche glauben. Die guten Leutchen sehen nicht ein, daß um jene Stellen christlich zu deuten, man eben schon Christ sein muß. 2) Den orthodox-messianischen Deutungen der christlichen Theologen gegenüber können wir uns solchen Vorwurf immerhin gefallen lassen. 3) Sehr frühzeitig wurde den Vorlesungen aus dem Urtext der heiligen Schrift die aramaische Üebersetzung von eigens angestellten Uebersetzern zugefügt, um der der hebräischen Sprache bereits unkundigen Masse den Sinn der Schrift zugänglich zu machen. An die Stelle der aramaischeu Sprache trat spater in Asten häufig die arabische und persische Üebersetzung, und der Traktat Soferim gebietet sogar, am Sabbat nach der Vorlesung aus der Tora, die Abschnitte des Pentateuch und der Propheten der Gemeinde in der ihr verständlichen Sprache vorzutragen. Im Occibent wollte ebenfalls die griechische Sprache, in der hellenistischen, von Alexandrien und Syrien ausgegangenen Färbung, die hebräische Sprache verdrängen, und es ist aus dem Talmud erweislich, daß mehrere Gemeinden griechisch beteten, und das Buch Esther am Purim griechisch vortcagen ließen. S. hierüber Zu nz, gottesdienstl. Vom. S. 8 ff. Aus unsrer Stelle geht deutlich hervor, daß es in vielen Gemeinden deshalb zu einem langen und erbitterten Kampfe gekommen, indem die eine Partei nur die hebräische Sprache iw den Synagogen angewendet wissen, die andere sogar die heil. Schrift griechisch verlesen taffen wollte. Der Streit gedieh so weit, daß die verschiedenen Parteien die Entscheidung des Kaisers verlangten, und an sein Urtheit appellitten. Dies war die Vorlage des Dekretes. 4) Hiermit sind offenbar die Meturgemanim gemeint, welche die aramaische Üebersetzung vortrugen. Daß der