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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-06 · Heft 10 (6.3.1841) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 10 (6.3.1841)
Date
1841-03-06
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 fentliche Stimme ganz Europas demselben das ihm gebührende Gewicht wieder verschaffe.- Hr. Barrachin sieht das einzige Mittel, die Türkei vor einer Theilung und mithin Europa vor einem blutigen Consiikte darüber zu bewahren, in einer dem Divan durch Ueberredung oder Gewalt abgedrungenen vollkommenen Emanzipation der christlichen und israelitischen Bevölkerung, nebst Einräumung des Grundbesitzrechts an alle fremden Einwanderer. Diese Idee geltend zu machen, sodert er nicht nur die Philanthropen aller Länder, die Parteien ohne Unterschied, sondern die europäischen Regierungen zum gemeinsamen Wirken auf. Das nächste Mittel, zu diesem Zwecke zu gelangen, ist die Kreirung einer Revue orientale unter der Leitung eines Comite, an dem die Chefs der Presse aller Parteien sowie die politischen Notabilitäten derselben ohne allen Unterschied Theil nehmen. Er hat dieser Unternehmung wegen, die eine völlige Unabhängigkeit von der Pforte verlangt, das osmanische Gesandtschastshotel verlassen und von dem Bureau der neuen Revue orientale aus Zuschriften, Prospekte und Cirkulare nicht nur an alle bedeutenden Personen der Presse, beider Kammern und der hohen Finanzklasse erlassen, sondern auch an die Gesandten der großen Mächte, an den Papst, an die gesammte höhere und niedere Geistlichkeit Frankreichs, an alle israelitische Notabilitäten. Die Idee scheint auf sehr vielen Seiten, besonders in Frankreich Anklang zu finden, und es sind schon vorbereitende Sitzungen des beabsichtigten Comite gehalten worden, in denen sich Herr de Genoude zu Seiten des Herrn Marrast, Herr Leon-Faucher und Herr Chambolle friedlich und einträchtig einfanden-; Zusagebriefe von Chauteaubriand und Montalembert, von St.-Marc Girardin und Cremieux, von Odilon- Barrot, Fould und Rothschild liegen ebenfalls bereits vor; und auch von der fremden Diplomatie her kommen freundliche Aufmunterung. Bis der in den Briefen an die Gesandten geforderte Kongreß der Großmächte zu Stande käme, ist namentlich die Idee des Herrn Barrachin, in allen Landern, wie zur Zeit des griechischen Freiheitskampfes, Komites, die sich mit einander in Verbindung setzen sollen, hervorzurufen. Als Symbol der Unternehmung wird eine lithographirte Vignette vertheilt, auf der ein Europäer im Frack eine dreifarbige Fahne hält, roth mit dem Zeichen des Halbmondes, weiß mit dem des Kreuzes und violett mit den mosaischen Gesetztafeln; die Stange der Fahne fassen zugleich an ein Türke mit Feß und Säbel, ein Grieche im arnautischen Kostüme, ein Armenier in seinem Pelz und ein Israelit in dem denselben im Morgenlande eigen- *thümlichen violetten Hute. Algerien. Algier. Wir geben heute die versprochene, wörtliche Uebertragung des löten Kapitels des neuesten Werkes über Algerien vom Staatsrath Baron Baude, königl. franz. Er-Kommissarius in Afrika. Unter der Herrschaft der türkischen Miliz bildeten die Juden, wie jetzt, einen bedeutenden Theil der Bevölkerung Algier's. Der Türke in seinem dummen Stolze hätte die Verachtung zu verdienen geglaubt, mit der er den Juden überhäufte, wenn er sich mit Geschäften abgäbe, in deren Betreibung die Geschicklichkeit des Juden triumphirte; er beauftragte diesen damit, ohne zu rechnen, sicher, bei Gelegenheit Alles wieder an sich reißen zu können. Aber in diesem Kampfe zwischen List .und Gewalt, blieb der Vortheil doch selten auf Seiten der letztern. Gleichgültig über die Nationalität ihrer Wirthe, sahen die Juden ohne Bedauern die Franzosen die Herren Algier's werden, und diese Begebenheit flößte ihnen Anfangs kein anderes Bedenken ein, als das des Vortheils, den sie daraus ziehen könnten. Sie kamen uns daher mit Eifer entgegen, wiesen keine Art von Dienstleistung zurück, ja sie schmeichelten sich, den Nutzen, den sie unter den Janitscharen genossen hatten, mit den Vortheilen der bürgerlichen und religiösen Freiheit zu vereinen, die wir ihnen brachten. Unglücklicherweise sind ihnen von Europa Konkurrenten, wenn nicht Meister in der Kunst habgieriger Manöver, gekommen, und dies ist für sie die böse Seite unsrer Erobrung; es giebt daher welche, die deshalb die Zeiten der Türken zurückwünschen. Dennoch empfindet die Masse der israelitischen Bevölkerung sehr wol die Revolution, welche für sie unter dem Schutze unsrer Fahnen vorgeht. Dieses Gefühl zeigt sich bei den Ungebildeten durch --eine Unverschämtheit gegen die Muselmänner, die bisweilen verdiente zurückgewiesen zu werden, bei den aufgeklärteren Juden durch ein Gefühl, das zur Anhäng-

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