Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1841)
- Date
- 1841-03-06
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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181 schöpfen. Freilich 'findet hier der Unterschied statt, daß die katholischen Armenier ihre Schule in Venedig erhalten, während unsre Anstalt man den türkischen Juden erhalten müßte. Allein dies würde doch nur einige Decennien statt finden, denn die ausgestreute Saat würde bald ihre Wurzeln schlagen, ihre Sprossen hervortreiben, und so durch Zeitigung von Früchten bald neuen Saamen zur weitern Auspflanzung geben. Hier fanden also zwei Schwierigkeiten statt. Zunächst daß die Europäer das Geld hergeben, das Gründung und Erhaltung einer solchen Bildungsanstalt kosten würde. Alsdann die ersten Subjekte aus Konstantinopel zu bekommen. Denn ganz junge Knaben find darum nicht ganz brauchbar in der ersten Zeit, weil sie dann kein lebendiges''Bild des Orients zur Vergleichung mit nach Europa bringen. Und Jünglinge giebt es wegen der frühen Heirathen eigentlich gar nicht. Jndeß lasset nur erst die erste Schwierigkeit überwunden sein, so würde die zweite nicht unübersteigbar sein, und auch die sprachliche Schwierigkeit durch eine halbjährige Vorbereitung entfernt werden. Allerdings kann dies Alles nur dann verwirklicht werden, wenn sich bedeutende Autoritäten, ein Verein von Männern von Gewicht, dafür interessirten und mit Beharrlichkeit wirken wollten, damit auch den rückkehrenden, von europäischer Bildung und Richtung durchdrungenen Jünglingen der Weg gebahnt würde. An glänzenden Erfolgen binnen eines ziemlichen Zeitraums kann gar nicht gezweifelt werden. Die europäisch Gebildeten würden bald einen imposanten Körper bilden, der immer Mehre an sich ziehen, und an Ort und Stelle bald selbst bedeutend wirken würde. Doch genug. Viele Details behalte ich mir vor, in dieser Zeitung zur Sprache zu bringen, wenn ich so glücklich wäre, die Nachricht zu erhalten, daß Etwas realisirt würde. Welche Verdienste könnte man sich hierdurch erwerben! Welch' große Resultate könnten mit etwas Anstrengung, einigen Opfern erkauft werden! Den hiesigen Juden erstehen zu sein aus seiner Erniedrigung, welche Wollust für fühlende Glaubensgenossen! Wie würde dies unsre ganze Gemeinschaft erheben, falls unter den orientalischen Juden eine Macht der Intelligenz sich schaffen ließe! Denn das glaube man zuversichtlich: gerade weil die materiellen Kräfte des Orients jetzt sehr abgespannt sind, übt die Intelligenz eine zauberische Gewalt aus — freilich nicht die Intelligenz, die im Feß und in engen Pantalons besteht, wol aber die, welche den Geist mit kräftigen Ideen, und das Gemüth mit kräftigen Entschlüssen stählt! Paris, 10. Februar. Daß allerdings die Vorsehung bisweilen die Fäden auf eigene Weise schürzt, um zu einer Richtung zu führen, die vor geringer Zeit noch nicht als Möglichkeit gedacht ward, hat die Geschichte der neueren Zeit öfter bewiesen. Freilich kann man Vieles nicht immer als ein Wirkliches ansehen, indessen die Bewegung der Ideen in ihrem Umschwünge ist so groß, daß es schon ein bedeutendes Feld gewonnen heißt, wenn eine Idee offen und weit zur Sprache kömmt. Zu beachten ist daher folgender Artikel der Leipz. Allg. Zeit, in Bezug auf die orientalischen Verhältnisse, und deren Geltung in der Zeit. „An die Spitze einer neuen orientalischen Propaganda stellte sich derselbe thätige und energische Mann, von dem im vorvorigen Jahre bei Gelegenheit des Hattischerif von Gulhane und des türkischen Conseil d’utilite publique die Rede gewesen: Herr Barrachin. Nachdem derselbe in seiner Eigenschaft als Rath bei der hiesigen osmanischen Gesandtschaft bis zum Vertrag vom 15. Juli und zur vollkommenen Unterwerfung Mohammed-Ali's alles Mögliche in seinen Depeschen an den Divan und seinen besondern Gönner Reschid-Pascha angewendet, um die Pforte im Sinne der Rathschläge des französischen Ksbinets zu einem Privatvertrage mit dem Wicekönige zu bewegen, und nachdem durch das Nichteintreffen aller seiner Vorhersagungen in Betreff der energischen Stellung, welche die öffentliche Mei-' nung und die Presse der hiesigen Negierung im Fall einer Intervention der Mächte gegen Aegypten gewähren würden, :fetne Stellung zur Pforte gewissermaßen eine falsche geworden, hat er einen sehr umfassenden Plan organisirt, um das. Reformwerk des türkischen Reichs auf eine Weise wieder aufzunehmen, welche im Interesse der Civilisation seinem Vaterland einen neuen Einfluß auf dasselbe verschafft. Jener politische Kongreß, von dem lFrankreich sich ausgeschlossen gefunden, soll sich in einen rein moralischen und intellektuellen verwandeln, in welchem die öf-