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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-03-06 · Heft 10 (6.3.1841) · p. Seite 130

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 10 (6.3.1841)
Date
1841-03-06
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 von der Gewandtheit, Geriebenheit des Juden, Eigenschaften, die er auch hier täglich entfaltet, und die allein seinen Bestand in der Masse feindlicher Elemente sichern, besitzt doch der Jude in seiner großen theologischen Literatur schon eine Kulturstufe, welche wenigstens die Barbarei und Rohheit von ihm fern hält, wenn sie auch Schwache, Abgespanntheit und Geistesträgheit in der Masse nicht verhindert. Der Jude hier ist dadurch eben so befähigt, den Funken der Kultur schnell, in der kürzesten Zeit in sich zur Hellen Flamme anzufachen, wie es der Jude des vorigen Jahrhunderts, freilich unter günstigeren Verhältnissen — denn um ihn herum war schon Bildung allgemein — in Europa war. Nur muß man nicht glauben, daß der Funke von selbst sich erzeugen werde, von außen muß er hineingeworfen werden. Zunder ist genug da, aber wie sollte Zunder ohne Feuer brennen? Und nun denken Sie sich: anstatt daß der Jude Europa's an Bildung und Wissenschaft sich zu den Bekennern der anderen Konfessionen erheben mußte— hier könnte der Jude bald über den anderen Konfessionen stehen, und durch die Gewalt der Intelligenz, die erhabenste Macht, sich zu den höchsten Stufen emporschwingen, sich unentbehrlich, sich einzig machen — welch' herrliche Vorstellung, oder: welch' entzückende Phantasie!-- Also die Macht, die Herrschergewalt des oder der Chacham's müßte gebrochen werden, die eiserne Ruthe des Banns und der Bastonnade müßte ihren Händen entwunden, das Recht über den religiösen Lebenswandel eine richterlich strafende Zucht auszuüben, ihnen entrissen werden. Welch' ein Werk — der Kampf Luther's wäre geringfügig (wenn auch nur seiner Intensität, nicht seiner Ausdehnung nach) dagegen, denn Luther fand eine vorbereitete Welt, hier gilt es, die Welt erst vorzubereiten. Die Unwissenheit, Unbildung ist aufzulösen und zu tilgen. Welch' ein Werk, wo kein Bedürfniß vorhanden, wo kein Nutzen (von jener Seite nämlich) ersehen wird, ja wo ein großer, zahlreicher Stand dagegen eifern, und der allgemeine Aberglaube sich dagegen sträuben würde. Endlich das frühe Heirathen müßte verhindert werden. Welch' ein Werk auch dies, da es mit den Sitten, Gewohnheiten, Einrichtungen, häuslichem Verhältnissen so ganz durchflochten ist zu einem Dornenkranze, dessen Dornen tief stechen und in Fleisch und Gebein verwundend dringen, ohne daß man sie gewahrt. Und diesem gegenüber, in solche Kreise versetzen Sie nun eine oder zwei Schulen nach europäischem Schnitt, und ich frage Jeden,! der dir Sache nicht von der Oberfläche weg beur-! theilt, was daraus werden, welchen ersprießlichen Erfolg man erwarten könne?! In dem aufgelösten, i zerschlagenen, vernichteten Kairo, wo jeder Europäer, alles Europäische als rettender Genius aus den Klauen des Alles verschlingenden Mehmed-Ali angesehen wird, da mögen es wol etliche Juden annehmen, und scheinbar billigen. Aber welche Früchte cs auch da tragen möchte, läßt sich gar nicht abschen. Aber hier, wo man sich immerhin im eigenen Kreise Herr, kräftig, heimisch fühlt, würde dergleichen, da es sich zu auffallend entgegenstellen würde, nur und bald erdrückt. Gegen alle die großen, zu überwindenden Momente, die ich so eben charakterisirt habe, giebt es eine gemeinschaftliche Waffe: Bildung, Aufklärung, hervorgerufen durch gute Erziehung. Denn wie alle jene Uebel nur eine Wurzel haben, so auch ist ihr Heilmittel nur Eines. Und das Eine kann ich zum Tröste sagen, daß, freilich nicht in Aegypten, wol aber in der europäischen Türkei, die Juden, wenn sie durch Intelligenz über die anderen Volksstämme hervorragen würden, auch die materiellen Verhältnisse bald zu ihren Gunsten umformcn könnten, denn das praktische Leben ist bei weitem hier nicht durch so viele Schlagbaume gehemmt, wie in Europa es war und zum großen Theile noch ist. Sie würden unzählige Mittel und Wege finden, zu Ansehn, Brod und Einfluß zu kommen. Ich gelange daher wieder zu dem, was ich in meinem ersten Briefe angedeutet: es muß eine Bildungsanstalt für die türkisch-jüdische Jugend in einer nord-europäischen Stadt geschaffen werden. Und damit man nicht glaube, daß ich ganz aus der blauen Luft greife, bemerke ich, daß die katholischen Armenier in Venedig eine Schul- und Bildungsanstalt haben, welche unglaublichen Nutzen für sie schafft. Dieselbe hat zwei Abtheilungen, die eine bildet Lehrer für diese Nation, die nach zurückgelegten Studien nach dem Oriente zurückkommen, und an Ort und Stelle wirken, die andre bildet die Jugend selbst, deren Eltern sich entschließen konnten, sie von sich zu schicken, - um europäische Kultur an der Quelle zu

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