Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1841)
- Date
- 1841-03-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. IO. v. Mrg-»g. Allgemeine Zeitung -es Zu-enthnms. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Lrrdivig Philippson, Baumgartners Buchhandlung Geistlicher der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg. j# (Mit König!. Sächsischer allergnadigfter Concesfion) Leipzig, den 6. März 1841. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. .w. nmfaffen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Aufforderung. Wir ersuchen alle Rabbmats- und Lehramts-Kandidaten, welche eine Anstellung im Auslande annehmcn würden, schleunigst uns ihre Adressen znkommen zn lassen. Die Redaktion. Zeitungsnachrichten. Der Orient« Konstantinopel. (Vierter Brief.) Gewiß überklar sind die drei Hauptgebrechen, an denen die hiesige Judenheit laborirt, aus meinen beiden letzten Briefen hervorgegangen — die undeschränkte Macht des Chacham's mit dem flammenden Schwerte des Banns und mit dem Korporalstocke der Bastonnade, die unermeßliche Unwissenheit, und das frühzeitige Heirathen. Diese drei tiefwurzelnden, mit aller Ehrwürdigkeit und mit aller Gewalt geheiligten Aberglaubens bekleideten, von der Staatsgewalt offen erhaltenen Grundübel stehen steiler und finstrer Wache vor dem Orientalismus unsrer hiesigen Glaubensgenossen, als der Balkan vor der Gränze der Türken. Wer nun aber darauf rechnen wollte, daß ohne Bemühungen von außen die Macht der Zeit etwa eine auflösende, umgestaltende Wirkung haben könnte, würde am Ende die Rechnung nach dem bekannten Maße, daß ein Jahrtausend ein Tag sei, einrichten müssen. Denn es sind fürwahr! nicht die entferntesten Anknüpfungspunkte vorhanden. Dazu kömmt, daß der türkische Jude, in dem alten Wahne der Spanier, die europäischen Juden weit unter sich hält, den frommen europäischen Juden für einfältig, den modernen Juden für gar keinen Juden erachtet — (wozu ihm, beiläufig gesagt, auch mancher Reisende jüdischer Konfession, selbst elehrte, alles Recht und möglichen Stoff giebt —). So fühlt er gar kein Bedürfniß nach europäischer Kultur, hat gar kein Bewußtsein von dem, was ihm politisch und intellektuell fehlt. Und dennoch, vergleiche ich die hier ansässigen Nationen: so sind es unstreitig die Juden, welche am meisten Kapacität haben, am befähigsten sind, Civilisation, Wissenschaft und Kunst, Bildung, Aufklärung im Oriente, oder wenigstens hier in Kon-- stantinopel zu empfangen, zu fassen, zu fördern, auszubreiten. Wie weit steht der katholische Armenier über dem Türken, und wie weit könnte der Jude über dem Armenier stehen! Denn abgesehen von der Geistesschärfe, Geistestüchtigkeit, Sagacität,