Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1841)
- Date
- 1841-02-27
- Page
- Seite 125 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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iZ5 reproduziren suchen, wie diese letztere sich theils in der allegorischen, theils in der mystischen Gestaltung ausprägt. Hierzu ist durchaus eine sorgfältige Kritik und das Bewußtsein der talmudischen Denk- und Sprachmethode nothwendig. Daß von allem Diesem im Gfrörer'schm Werke keine Spur ist, lehrt der erste Blick hinein. Herr Gfr. gesteht selbst, er sei wenig der Talmudsprache mächtig. Er hat sich der latein. Uebersetzungen und zweier jüdischen Gelehrten bedient. Daß ck also nicht Meister des Stoffes sein kann, ergiebt sich hieraus von selbst, er war dem Zufall zu viel überlassen. Seine Arbeit beschränkt sich auf das Verdienst, in einzelnen Rubriken eine Masse Stellen aus Targumim, Talmuden, Midraschim und Sohar zusammengestellt zu haben, denen jedoch nicht ost zu trauen ist, da sie bloß in lateinischer oder selbst gefertigter Uebcrsetzung gegeben sind. Das rechte Lob Gfrörer's ist, daß er sich ziemlich unparteiisch und zur Anerkennung geneigt zeigt, gewiß eine seltene Erscheinung bei einem christlichen Gelehrten, dem Talmud gegenüber. (Fortsetzung folgt.) Tages-Corrtrole. Rhapsodien, veranlaßt durch die orientalischen Vorgänge. (Eingesandt.) (Schluß.) Da können wir aber nicht die zu Leitern gebrauchen, die unserm fleischernen und beinernen Judenthum sein Recht gethan zu haben glauben, wenn sie es als ehrliche Alterthümler ausgraben, gehörig klassifizirt auf die Repositorien bringen und sich ja hüten, das Geringste von dem kostbaren Antikenrost abzuwischen. Und noch weniger jene, die den Geist des Judenthums sorgfältig auf Bouteillen abziehen, denen sie Etiquetten aus allen philosophischen Disciplinen aufkleben und sie dann an das Boutikenfenster stellen — — Aber Palmöl ist keine Palme! Seesalz nicht der Ocean! Aber wer soll denn der Leiter sein? Wenn nicht der Gelehrte, soll es denn der Laie, der Am haarez? Hier ist es, wo wir auf eine Hauptquelle des Nebels stoßen, das wie Gichtstoff unsere sonst gesunden Glieder lähmt. Die erschreckliche Weitläustigkeit, das massenhaft aufgethürmte Lernen, das gefordert wird, nicht allein um als ein Professor der Theologie oder als ein geistlicher Beamter seinen Platz auszufüllen, sondern um schon in den kleinsten Verhältnissen und Vorfällen des Gemeinden- und des Privatlebens einige Anerkennung zu erlangen. Und leider tragen unsere neuesten Gelehrten nicht jene Massen ab, nein, sie thürmen sie noch immer hoher auf! — Da ist ein Mann, der in der ganzen Bibel wol Bescheid weiß, Urtext und Uebersetzung, Kommentare und Targumim sind ihm bekannt — Am haarez! — Er hat auch rabbinische Kodices gelesen, er liest sein Stück Mischnajot und ist im Schulchan Aruch orientirt— Am haarez! Er schreibt, dichtet sogar Hebräisch, er kennt manche Gemara — Am haarez! — Da ist ein Lehrer, ein Prädikant, der sein liixorosum versteht und noch obendrein den More, den Ikkarim u. dgl. Bücher gelesen hat — Am haarez! — Und so fort die Steigerung: um ein gewichtiges Wort in unseren einfachsten Kirchenangelegenheiten zu reden, soll Einer nicht nur alles Erwähnte vollständig studirt haben und obendrein die kabbalistischen und historischen Bücher und die ganze neue Literatur: es genügt nicht, wenn er nicht noch obendrein alles praktisch und traditionell — durch den schimusch — kennt! — Die Hand aufs Herz; ist ein solcher Zustand natürlich, ist er haltbar? Ist er in einer bewegten Zeit wie die Unsrige ein Zeichen von Gesundheit oder vom Gegentheil? Und man wundert sich noch, wenn die Welt fabelt, daß in diesen finstern Labyrinthen und Klüften auch Vampyre und Wehcwölfe Hausen? O dieser Wissenschaft möchte man mit dem Dichter zurufen „-verflucht sei deine Heimlichkeit, die all dies Gräßliche verschuldet!-" So geht es aber nun schon seit Jahrhunderten! Unsere Rabbinen, denen es in ihrer achtungswürdigen Einfachheit nicht um irdischen Besitz zu thun war, haben dies ungeheure, durch seine Feinheit stupende — Netz gestrickt, um ohne das Patronat der Regierungen, ohne den Besitz des Kirchenguts, ohne die Himmelsschlüssel als wahre Sem Servoram bis in's kleinste Detail zu dominiren: arm an Gütern und reich an Macht. 'Lasset uns aber nicht