Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1841)
- Date
- 1841-02-27
- Page
- Seite 122 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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eine Regierungsverordnung. Traurig genug jedoch' werden sie jetzt in der Nähe von Prag, wenn auch in neuerm Styl aufgeführt. Das reizende Dorf Bubensch gewährt wegen seiner Nähe bei der Hauptstadt und seiner gesunden Lage einen angenehmen Sommeraufenthalt für viele Prager, und Sie können denken, daß die jüdischen Bewohner dieser Stadt diese Gelegenheit' am eifrigsten benutzen, um ihrem Ghetto zu entfliehen. Plötzlich aber wird jetzt die Erlaubniß zu dieser Erholung für die Juden an eine der Armenkasse zu zahlende Summe von 20 Fl. C.-M. geknüpft, mit andern Worten, den Reichen unangenehm, der Mittlern Klaffe schwierig, ja oft unmöglich gemacht. Venedig, im Januar. (O. Bl.) Der vene« tianische Israelit, G. Ventura, welcher bei seinen Lebzelten der Kommission für öffentliche Wohlthätigkeit in Venedig fortwährende Unterstützungen zufließen ließ, hat durch seine letztwillige Anordnung, nebst mehreren edelmüthigen Verfügungen zu Gunsten seiner Glaubensgenossen, der Kommission auch einen weitern Beitrag von 20,000 österreichischen Lire (Zwanziger) mit dem Wunsche angewiesen, daß sie zu der jährlichen Rente zu Gunsten der Dürftigen angelegt werden. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 8. Februar. Was ist in der jüngsten Zeit in Bezug auf den Talmud geschehen? (Fortsetzung.) Ein spezieller Gegenstand aus dem Bereiche des Talmuds, freilich in seinem Bestände mehr negativer Beschaffenheit, fand eine gründliche, wissenschaftliche Bearbeitung in dem vielbekannten und meisterlichen Werke: Zur Geschichte der jüdischen Poesie vom Abschluß der heiligen Schriften Alten Bundes bis auf die neueste Zeit von Franz Delitzsch. Leipzig, 1836. Indem nämlich der Vers, im zweiten Kapitel eine Geschichte der jüdischen Poesie im Umrisse glücklich durchführt, und zuerst die jüdische Poesie nach ihrem inhaltliche» Charakter historisch entwickelt, bespricht er in K.4. „die Poesie in der mischnisch-talmudischen Zeit." Aber von vom Herrin muß er dieses Zeitalter als die Periode der Kunstlosigkeit bezeichnen. Liegt die Abwesenheit alles poetischen Geistes schon sowol im Inhalte als in der Behandlungsweise des Talmuds dokumentirt, so spricht als Beweis dafür auch, daß dieser große Zeitraum kein selbstständiges Werk der Dichtkunst aufzuweisen hat. Fehlte doch schon überhaupt das Streben, rein in ungemischtem Idiom, vielmehr schön zu schreiben. Mit wirklich tiefem Durchblick stellt der Vcrf. den Charakter dessen auf, was in den Talmuden noch als poetisch angesehen werden kann, und das im Allgemeinen als lediglich epigrammatisch zu bezeichnen steht. Darum reduzicen sich die Poesien im Talmud auf Maschal (Sentenz, Räthsel, Fabel, Parabel und Allegorie,) und Lied, das theils Gelegenheitsgedicht, namentlich Todtenklagen, theils Gebet und Segensspcuch ist. Als allgemeines Charakteristikum der Zeit gehört die poetische Exegese im hagadischen Midrasch hierher, der aber allerdings nur dem Inhalte, durchaus nicht der' Form nach an das poetische Gebiet streift. Von S. 125 ab versucht der Vcrf. eine „Geschichte der Formen der jüdischen Poesie" und bespricht hier in §. 26. „die Formen in der soferischen und talmudische» Zeit." So wie aber im ganzen Talmud kein Kunstgedicht vorhanden, so kann folglich auch keine Kunstform da sein, und cs findet sich nicht ei» einziges metrorhythmisches Gedicht. Das Einzige, was sich hier vorfindet, sind Beispiele von Sylbenrbenmaß der gnomischen Kola und von Reimanklangen am Schluss» derselben. So sind auch die Gebetsormulare in den beiden Tal, müden reich an Flexionsreimen. Die charakteristischen Ursachen aller dieser Erscheinungen werden sehr geistreich, wenn auch auf etwas überladene Weife, nachgewiesen. Es ist nicht zu verkennen, daß, abgesehen von den weiteren Verdiensten dieser Schrift, auch das dankbar anzunehmen ist, was so über poetische Ingredienz deS Talmuds unser Bewußtsein aufklärt. Nächst dem zeigten sich mehrere Schriften, welche die talmudische Literatur von einem eigenthümlichen Standpunkte aus berührten. Indem man nämlich den Talmud und die ihn begleitende Schriftklasse mit Recht als eine Sammlung der religiösen und volksthümlichen Weisheit ansah, die ihre Wurzeln bis in die früheste Zeit des jüdischen Vvlksdaseins treibt, also die Zeit der Redaktion der Talmude nur den terminu« ad quem, nicht aber a quo bestimmte, wollte man den ganzen Inhalt des Christenthums sowol, wie die meisten seiner besonder» Sätze, als dem Judenthume entsprossen, und in