Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1841)
- Date
- 1841-02-27
- Page
- Seite 121 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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unter dem Eitel: L’idroterapia ossia l’aqna comune in italienischer Sprache herausgegeben ( welches bei den auch hier sich zeigenden zahlreichen Verehrern der Wafferheilkunde vielen Beisall findet. Und was wir in neuerer Zeit an vielen israelitischen Gelehrten aus allen Fächern der Wissenschaft wahrnehmen, nämlich die Anhänglichkeit am angestammten Vätcrglauben und die rege Theilnahme an Allem, was das Judenthum und die Juden betrifft, dies können wir auch vom Herrn vr. Engel berichten. Eine größere jüdische Gemeinde würde an ihm eine gute Acquisition machen. Ehre, dem Ehre gebührt. — 1—b, —. 30. Januar. Mag es immerhin Börne von Jean Paul rühmen, daß er nicht die Stadt und den Pallast, sondern nur das Dorf und die Hütte ausgesucht habe, und mag es immerhin als ein unverzeihlicher Fehler in Reisebeschreibungen gelten, wenn deren Verfasser vom Leben und Weben großer Städte auf das ganzer Länder schließen wollen; dem prosaischen Berichterstatter über religiöse und bürgerliche Verhältnisse ‘einer Glaubenspartei, kann es nicht verargt werden, wenn er seine Mittheilungen mit dem Bildungsstande der Hauptstadt beginnt, ebenso wenig als dem Dorfschulmeister, der die politisch-geographische Beschreibung seines Vaterlandes, statt mit seinem Wohnorte, mit der der Residenzstadt anfängt. Von Hauptstädten aus macht man leicht Exkursionen in Provinzialstädte und auf's Land; nur darf man nicht immer die Größe des gezeichnet dargestellten Central-Culturpunktes eines Kreises als Normalmaß für die Bildung der Peripherie annehmen. Der Beobachter moralischer Zustände thut nicht unrecht, wenn er sein Augenmerk zuerst auf die Höhen und dann auf die Niederungen richtet, da die Fruchtbarkeit der Thäler in der moralischen wie in der physischen Welt von den in den Gebirgen entspringenden Quellen bedingt ist. Die Hauptstädte gleichen den Höhen, das geistige Wachsthum der Länder muß von ihnen ausgehen, und die Bildungsstufe sämmtlicher Gemeinden eines Landes stellt sich dem ruhig Prüfenden, der sich vom Scheine nicht blenden läßt, in der Regel im geraden Verhältnisse zur Hauptstadt dar, was so schön der königliche Sänger andeutet, wenn er von Palästina's Hauptstadt sagt: „Jerusalem, die wohlgebaute Hauptstadt, wohin die Stämme Gottes wallen, wo Räthe sitzen zu Gericht, um meiner Freunde und Brüder willen wünsch' ich chir Glück" — Umgekehrte Verhältnisse sind nur Ausnahmen, zu deren Lösung es nur einer leichten Operation bedarf. — Dies im Allgemeinen Ausgesprochene vorausschickend, werd' ich Ihnen meine Mittheilungen über religiöse und bürgerliche Verhältnisse der Israeliten in der Lombardei nach Zeit und Stoff machen, und konsequenterweise mit Mailand beginnen, selbst auf die Gefahr hin, daß sich vielleicht kein gerades Verhältnis! zeigen, und ich wegen dieses verkehrten Anfanges für einen Laien in der Mathematik gehalten würde. 1—b. (Fortsetzung folgt.) Von der böhmischen Gränze, 9. Februar. (L. A. Z.) In Pesth hat vor kurzem der ungarische Bibelübersetzer, M. Bloch, als Mitglied der Akademie in dieser gelehrten Gesellschaft eine Vorlesung über Sprachverwandtschaft gehalten. Hatte die Saat der, wenn auch nur theilweisen Emanzipation bereits eine so herrliche geistige Frucht wie die zum ersten Mal erfolgte Aufnahme eines Juden in die Mitte der ersten wissenschaftlichen Anstalt des Königreichs zur Reise gebracht, so führte die allgemeine Theilnahme an der Vorlesung selbst zu dem Resultate, daß die Masse der Magyaren in der Toleranz bald keinem Volke nachstehen werde. Es waren an 500 Personen anwesend, unter ihnen der Primas und mehre Bischöfe, der freisinnige Mailath und die beiden Präsidenten, welche dem Vortragenden das ungetheilteste Lob spendeten. Wie in Ungarn durch die Stände, so wird in Böhmen durch den hochherzigen Grafen Chotek das Gesammtwohl, also auch das der jüdischen Mitbürger gefördert. In intellektueller Beziehung hat ein jüngst zu Prag erlassenes Kreisschreiben solches beurkundet, welches den jüdischen Gemeinden die Anstellung studirtcr Rabbinen und die Verbesserung ihrer Schulen dringend ans Herz legt. So viel auch in materieller Rücksicht hier noch zu wünschen bleibt, so thut der Geist des 19. Jahrhunderts doch auch da das Seinige. In Budweis durfte bisher, wie ehedem in Ihrer Bergstadr Freiberg, kein Jude anders als für ein gewisses Geldäquivalent einige im Aufenthaltschein angegebene Stunden, jedoch nie während der Nacht verweilen. Solche Schranken müssen in unserer Zeit fallen, und für Budweis sielen sie unlängst durch 9*