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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-27 · Heft 9 (27.2.1841) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 9 (27.2.1841)
Date
1841-02-27
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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tigen Schritt mit dem Aufbauen dieses Gotteshauses gethan, so möge er noch mit verdoppelter Aufmerksamkeit auf das nicht minder wichtige zweite Bedürfniß, nämlich auf den Unterricht unserer Jugend, sein Augenmerk richten. Namentlich empfahl er in selber Rede, da wir in der Jetztzeit von der Nothwendigkeit durchdrungen sind, daß jeder Separatismus eine abstoßende Wirkung bei unfern Mitbürgern Hervorbringen muß, und wir vielmehr wünschen, uns mit patriotischem Sinne fester und enger an die edle ungarische Nation anzuschließen, so muß es auch uns zur höchsten Aufgabe obliegen, unsere Jugend in der Landessprache am zweckmäßigsten unterrichten zu lassen. Unserer Lehranstalt für arme Waisenkinder, unter dem gewöhnlichen Namen Talmud Tora, schenkte dieser würdige Rabbine seine volle Aufmerksamkeit. Diese Anstalt wird bis jetzt nur mittelst eines besondern Vereins erhalten, und da dieser Verein die Zöglinge auch mit Kost und Kleidung versorgen muß, war er bisher trotz des besten Willens nicht im Stande, diese Schule in erwünschter Form zu erhalten. In einigen Jahren erst, wenn die Gemeindekasse von dem Baue des Tempels sich erholt haben wird, soll diese Lehranstalt vollkommner ins Leben treten. Herr Schwab verschaffte bis dahin dieser Lehranstalt eine hülfteiche Quelle, indem er seine Predigt zum Drucke beförderte, und den Ertrag unserm Institute widmete. Die Veräußerung von 300 Exemplaren, brachte eine namhafte Summe, so daß wir im Stande sind, die Zöglinge einige Jahre durch drei fähige Lehrer unterrichten zu lassen: in der hebräischen Sprache und Bibel, in der deutschen Sprache und den damit verbundenen Normal-Gegenständen, in der ungarischen Sprache, ungarischen Geschichte und Geographie. Um so mehr fühlen wir als Vorsteher dieser Lehranstalt uns verpflichtet, diesen heilsamen Erfolg jener würdigen Einweihung zu veröffentlichen, und zugleich hiermit unfern innigsten Dank auszusprechen. Dank dem ehrsamen Pesther Vorstande! Zwiefachen Dank dem hochgeehrten Herrn Oberrabbinen Schwab, der das musterhafte Vorbild unserer übrigen ungarischen Rabbinen genannt zu werden verdient. Vielfachen Dank all' den hochherzigen Abnehmern der Exemplare, worunter viele vom hohen Adel sind, wie unser Grundherr Graf Nikolaus Zichy v. Wasonkeö, Herr.Hofrath von Manch, Obergespann, Frau Gräfin v. Lamberg, Baronin v. Krey, und noch mehre christliche Honoratioren, was uns abermals als höchster Beweis dienen kann, daß wirklich aller Religionsvorurtheil bei' dem gebildeten Ungar bereits geschwunden, und vielmehr Humanität und Menschenliebe an die Stelle getreten sind. Die Vorsteher der israel. Waisenanstalt zu Palota: Joach. Tauber. Gottlieb Fischer. Friedrich Steiner. Mailand, 26. Januar. (Privatmitth.) Verruchte Hände haben in diesen Tagen den Betsaal der hiesigen israelitischen Gemeinde entweiht. Als der Synagogendiener am Morgen des 21. d. M. den Betsaal öffnete, sah er mit Entsetzen, wie auch das Heilige vor Bösewichtern nicht geschützt ist. Die heilige Lade wurde nächtlicherweise erbrochen, die Gesetzesrollen wurden auf den Boden geworfen, die heiligen Gewänder, na», die Almosenkaffe -lnoa in», die Wachskerzen und zehn seidene Gebetmäntel entwendet (die silbernen p"» sind in einem Privathause bewahrt) und noch anderer Unfug an heiliger Stätte getrieben. Es ist zu wünschen, daß es der löblichen österreichischen Polizei gelingen möge, die Heiligenschänder ausfindig zu machen. Ich berichte Ihnen diesen Vorfall ohne allen Kommentar, nur noch bemerkend, daß einige fromme Frauen das zum Gottesdienste Nöthige willig gespendet, und daß die Gemeinde-Vorsteher »■©ins'') einen Bußtag ü"n angeordnet haben. T—b. —. 29. Januar. Von jeher haben sich Israeliten in der Medizin ausgezeichnet. Ein gelehrter israelitischer Arzt, Herr 0r. Engel, aus Wien gebürtig, welcher nach zurückgelegten großen wissenschaftlichen Reisen in Deutschland, EnÄand, Frankreich, Italien, Griechenland und in der "Türkei, hier praktizirt, und namentlich als Augenarzt viel Vertrauen genießt, hat in diesen Tagen ein dem österr. Botschafter, Grafen Appony in Paris gewidmetes Werk *) Die Gemeinde hat keinen Rabbinen — dem seit einigen Monaten hier lebenden Rabbinats-Kandidaten L. Traub aus Baiern, wurde die zwar ehrenvolle, aber nur leichte Funktion des Torabegleitens bei N8L1N übertragen. Uebcr Beschaffenheit des Betsaales und des Plans zur Erbauung einer neuen Synagoge nächstens. — Corresp.

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