Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1841)
- Date
- 1841-02-20
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 finden werden, welche mit den erforderlichen Subsistenzmitteln versehen sind, läßt sich nicht erwarten. Die hiesige jüdische Gemeinde hat gern die Kosten, welche das Seminar verursacht, ermittelt und herbeigeschafft; änderen jüdischen Gemeinden liegt es nun wokauch ob, dazu mit beizutragen, daß den fähigen bedürftigen Seminaristen auch ein Unterhalt gesichert werde, damit es ihnen nicht, von Nahrungssorgen gedrückt, an Zeit, Eifer und Muth mangele, um mit Erfolg an ihrer Ausbildung zu arbeiten. Die jetzt das Seminar Besuchenden sind, wie wir erwähnt haben, lediglich Auswärtige, und es läßt sich mit Bestimmtheit annehmen, daß auch in der Folge, wenn nicht alle, gewiß die meisten Seminaristen aus den Provinzen hierherkommen und nach denselben, nach erlangter Ausbildung sich zurückbegeben werden, um den jüdischen Gemeinden, besonders den kleineren, nützlich zu werden.' Daher ist es unser Wunsch und im Namen derjenigen, welche als Bedürftige das Seminar besuchen, auch unsere Bitte, daß die jüdischen Gemeinden in den Königlich Preuß. Staaten, besonders die größeren und wohlhabenderen, Stipendien für bedürftige jüdisches Seminaristen begründen, und die in ihrem Bezirke befindlichen kleineren Gemeinden dazu gleichfalls auffordern mögen. Wir richten diesen Wunsch auch an Einen Wohllöblichen Vorstand, mit dem Ersuchen, uns von einem günstigen Erfolge recht bald geneigtest zu benachrichtigen. Berlin den 6. Januar 1841. Die Aeltesten und Vorsteher der Judenschaft." Dieses, gewiß nicht bestens stylisirte Circulair giebt mancherlei zu bedenken. Zuerst enthält es eine förmliche Blasphemie, „daß nun daran gearbeitet werden solle, dem Mangel an Bildung und Erziehung unter den Juden abzuhelfen." Gottlob, daran arbeitet mit den besten Erfolgen bereits ein Jahrhundert, und wenn der Lehrerstand nicht allein hinter der Elite, sondern hinter der jüdischen Masse zurückgeblieben, so ist das die Schuld derer, welche so spät erst daran denken, diesem Mangel abzuhelfen. Dies war es durchaus nicht, was in der bekannten Aufforderung zur Bildung einer jüdischtheologischen Fakultät und eines solchen Seminars ausgesagt war. Dem Mangel an regelmäßig gebildeten Religionslehrern aller Stufen, ,aber nicht dem Mangel „an Bildung unter den Juden" sollte abgeholfen werden. Kaum möchte jetzt in den Preußischen Staaten, selbst nicht einmal im Großherzogthum Posen, ein Landesstrich sein, in welchem die jüdische Jugend nicht all' den Elementarunterricht genießt, der in den verschiedenen Ständen bedingt ist. Es ist vor Allem nur der Religionsunterricht, die religiöse Bildung, welche unter unfern Glaubensgenossen zu fördern ist, denn in allen anderen Beziehungsn geschieht von selbst genug und immer mehr. Ferner ist es doch ein betrübender Gedanke, daß, während früher in einer Gemeinde wie Berlin viele Hunderte von Bachrim Unterhalt und Existenz fanden, jetzt zur Erhaltung von 10—12 Seminaristen die Beihülfe des ganzen preuß. Staates aufgerufen wird. Das Verfahren des Berliner Vorstandes in der Angelegenheit der jüdisch-theologischen Fakultät, wo nach vielen feierlichen Zusagen ein gänzliches Fallenlassen eintrat, hat ihm keine Sympathieen erweckt, und giebt so anderen Gemeinden, da über das neue Seminar noch nichts Sicheres in die Oeffentlichkeit getreten ist, nicht genügende Garantieen, ob wirklich Unterstützungswerthes daselbst geleistet werde. Daß aber dennoch, sobald erst der Schleier, der bis jetzt darüber gebreitet ist, gelüftet, und ein schönes, segensreiches Institut errichtet sein wird, aus allen Kräften dasselbe unterstützt werden muß, giebt sich dem Theilnehmenden bald zu erkennen. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 7. Febr. Was ist in der jüngsten Zeit in Bezug auf den Talmud geschehen? Das letzte Decennium ist es, welches die selbstständige Literatur des Judenthums erstehen, sich entwickeln und in rqschem Fortgang zur wissenschaftlichen Höhe sich erheben sah. Es hat wol für die Literatur unsres Glaubens keine ödere Zeit gegeben, als ungefähr von 1810—1830, und sehr wenig haben wir (außer Jost's Geschichte) aus dieser Periode zu notkrcn. Um so freudiger folgen wir dem raschen Aufschwünge, den sie seitdem genommen, seit einem Zeitpunkte, der für so viele Elemente der neuern Menschheit ein entscheidender Standpunkt gewor- 8-