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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-20 · Heft 8 (20.2.1841) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 8 (20.2.1841)
Date
1841-02-20
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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grnwärtig in ein anderes Extreni zu verfallen, denn wir werden von einem Strome von Uebersetzungen, Sammlungen, Predigten u. s. w. überfluthet, der nur selten einige Goldkörner von Originalität und Genialität mit sich führt. Brody, 20. Januar. (Privatmitth.) In diesem strengen Winter haben die hiesigen wohlhabenden Religionsgenossen eine höchst wohlthätige Handlung verübt, indem sie in acht Lagen eine Summe von 2500 Gulden C. M. zusammengebracht, um dafür 600 Klafter Holz unter den hiesigen Armen zu vertheilen. Allerdings ist dieser Zug der Barmherzigkeit da, wo dergleichen bis jetzt nicht stattgefunden, anzuerkennen, und die Männer, die sich dabei an die Spitze gestellt, sehr zu rühmen. Aber allerdings sei es mir gestattet, diesen Vorgang nur als Veranlassung zu einer weitern Aufforderung zu benutzen, daß diese Weckung zur Wohlthätigkeit zu einem bleibenden Institute sich erweitern möge! Die hiesige Gemeinde besitzt nur ein allerdings ausgezeichnet eingerichtetes Krankenhaus, und es ist gewiß an der Zeit, gleich anderen Gemeinden eine Wohlthätigkeits- Anstalt, ausgerüstet mit genügenden Mitteln, zu errichten, von welcher die Unterstützung der Bedürftigen in angemessenen Maßen ausfließen könne. Mögen die einflußreichen und hochherzigen Männer unsrer Gemeinde diese bescheidenen Worte berücksichtigen, und sich bemühen, ihrem Andenken durch Gründung einer solchen Anstalt ein ewiges Denkmal zu setzen,' dem Hülslosen zur Stütze, der Mitwelt zur Freude, und der Zukunft zum Muster! A. B. Preußen. Berlin, 8. Februar. (Privatmitth.) Vor Kurzem langte bei den größeren Gemeinden der Preuß. Staaten folgendes Schreiben der Herren Aeltesten der hiesigen Gemeinde an: „Die Schranken, welche unsere Glaubensgenossen von den übrigen Unterthanen im preußischen Staate in bürgerlicher Hinsicht trennten, sind seit 28 Jahre zum größten Lheile aufgehoben; es muß nun aber auch dahin gearbeitet werden, daß dem Mangel an Bildung und Erziehung unter den Juden abgeholfen und so der Grund zu allem Besseren und Höheren gelegt werde. Ein angemessener zeitgemäßer Unter, richt insonderheit ist schon deswegen ein Hauptpunkt, auf welchen es neben bürgerlicher Gleichstellung hauptsächlich ankommt, weil Kenntnisse und Fähigkeiten erst dann besonderen Werth für den Menschen haben, wenn er weiß, wofür er sie gebrauchen kann. Von Seiten des Staats ist für die Bildung der Juden insbesondere noch nichts geschehen, -alles ist in dieser Hinsicht bis jetzt dem Zufall und den Privatkraften der einzelnen jüdischen Gemeinden überlassen. Daher noch immer der Verfall des jüdischen Schulwesens, welcher besonders durch den Mangel guter tüchtiger Lehrer, namentlich in den kleineren Gemeinden herbeigeführt ist. Was die gewöhnlichen Elementar-Lehrer wissen, und welche Methode sie befolgen, ist leider zu bekannt. Sie haben gar oft keine Kenntniß von dem was zu lehren ist und was Kinder lernen sollen, aber sie verbilden mehr, als sie bilden. Von Ausnahmen kann auch hier nicht die Rede sein. Es bedarf der Begründung und Einführung eines neuen Erziehungs- und Unterrichts-Systems, soll das Elementar- und Volksschulwesen in den jüdischen Gemeinden und, wie erwähnt, besonders in den kleineren zweckmäßiger eingerichtet werden. Einem Hauptgebrechen muß durch Heranbildung guter jüdischer Lehrer abgeholfen werden. Das einzige Mittel chierzu sind jüdische Schullehrer-Seminarien, in welche Jünglinge Aufnahme finden, die mit den erforderlichen Vorkenntniffen versehen sind, und zu Pädagogen ausgebildet werden-sollen. Es sind dies Wahrheiten, die wol allgemein anerkannt werden, und nicht weiter ausgeführt zu werden brauchen. Die hiesige jüdische Gemeinde, gewiß in der edelsten Absicht, ihren auswärtigen Glaubensgenossen, besonders den in den kleineren Gemeinden, zu Hülfe zu kommen und für die allgemeine Ausbildung der jüdischen Jugend, insonderheit der mitunter sehr vernachlässigten zu sorgen, hat in der letzter» Zeit ein Schullehrer-Seminar errichtet. Sie beschäftigt an demselben einen Direktor, zwei ordentliche und mehrere Hülsslehrer. Zehn Jünglinge sind bereits nach vorhergegangener Prüfung als Seminaristen ausgenommen. Sie alle sind Auswärtige, ohne Vermögen, ja ohne die allernothwendigsten Mittel zu ihrem Unterhalt. Daß in der allernächsten Zeit auch Kinder hiesiger wohlhabender oder auch nur bemittelter Eltern, oder solche Auswärtige sich ein-

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