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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-20 · Heft 8 (20.2.1841) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 8 (20.2.1841)
Date
1841-02-20
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 hiesigen Zustände komme ich in einem nächsten Schreiben wieder zurück. Was die sogenannte Frömmigkeit, oder Ritualobservanz betrifft, so findet diese hier bei allen Juden auf's pünktlichste statt. Oeffentlich wird gewiß Niemand den Sabbat oder die Speisegesetze übertreten. Auch steht der Chacham Baschi und sein Synedrium hier Wache, denn es stehtin seiner Macht, jede ihm zu Ohren kommende Verletzung zu bestrafen, und ist Reich oder Arm der Bastonnade gleicher Weise unterworfen. Jedoch ist zu bemerken, daß überhaupt der Ritus der Spanier bei weitem nicht so streng ist, wie der unsrige, und daß sie über Vieles lachen, was den deutschen frömmern Juden viel Sorge macht. So würden z. B. ihre Mazzot bei uns unbedingt chamez sein, indem sie sie dick, wafferstriemig, mit Eiern und Del zu Kriegeln machen, sie dann zerreiben und herrlichen Kuchen bereiten. Reis, Rosinen dgl. sind erlaubt. So sind ihre Schchitagesetze bei weitem nicht so strenge, bei ihnen ist Vieles kascher, waS bei uns verworfen wird, aber auch umgekehrt. Möchten doch die deutschen Juden daraus entnehmen, daß dies Alles demnächst nicht so felsenfest seit Jahrtausenden fest steht, wie es die früheren Rabbinen sich und ihnen einreden mochten. Hier ist wol auch der Platz, der Karaimen zu erwähnen. Dieselben sind hier in einer Anzahl von 200 Familien ansässig, und behaupten sie, daß diese sich nie mehre und mindere. Sie sind von der Pforte unter dem Chacham Baschi gestellt, der sie aber, bei den bekannten Ansichten über diese Sekte, ziemlich in Druck erhält. Da sie fast Alle Cohanim sind, so können sie die Tobten nicht selbst begraben, und haben deshalb einen Kontrakt mit den spanischen Juden abgeschlossen. Gern würden sie meist in den Schooß der Synagoge sich aufnehmen lassen, aber — sie müssen erst Christen werden, bevor sie von den Juden angenommen werden, und dies ist ihnen ein zu großes Opfer. Auch hier behaupten sie sich in ihrem allgemeinen Rufe der Biederkeit, Rechtschaffenheit und Thätigkeit. Ihre Synagoge hat ein Vorzimmer mit Teppichen belegt, der Boden der eigentlichen Synagoge ist aber vollständig mit den kostbarsten türkischen Shawls bedeckt. Sie letreten die Synagoge nur auf den Strümpfen, und sobald sie hineingekommen, knieen sie eine lange Zeit nieder, und beten eine Art von 12113 n?a. Ihre Gebete sind nur eine Zusammensetzung von Stellen der heiligen Schrift, und sind eine Menge Stellen bezeichnet, bei denen niedergeknieet wird. So wird auch beim Herausnehmen der heil. Schrift von der ganzen Gemeinde niedergeknieet, desgleichen spricht der zur Tora Aufgerufene den Segen knieend, indem er dabei mit der Hand auf das Sefer hinauflangt. Ihre Lorarollen sind ganz der unsrigen gleich , nur daß sie sich in viereckige Kasten befinden, die auseinandergeklappt werden, und in denen sich das Sefer sehr bequem abrollt. Sie halten sich bekanntlich nur an das schriftliche Gesetz, am Sabbat wird auf's strengste kein Fünkchen im Hause geduldet, und sie sitzen am Freitag Abend im Dunkeln, und frieren, wenn es vorkömmt, am Sabbat. So lassen sie sich auch Hühner in Butter, gebraten trefflich munden. Sie halten nur einen Tag Festtag, und ihr ^om kippur fällt meist einen Tag nach dem unfern. Außerdem befinden sich in Konstantinopel ungefähr 400 europäische Juden. Doch über diese lassen Sie mich lieber schweigen. Meist Deserteure aus Rußland, Polen und angrenzenden Ländern, und sonstige verlorene Menschen befinden sie sich in der höchsten moralischen Auflösung. Sie fristen ihr Leben als Stiefelputzer u. dgl., und ihre Tempel sind die niedrigsten Weinspelunken. Folgen Sie mir nun noch in das Familienleben des hiesigen Juden. Es versteht sich von selbst, ich rede hier nur von der Masse, allein allerdings von ihrem weit überlegenen Theile. Es ist eine allgemein erkannte Wahrheit, daß der Israelit gerade im Familienleben , in der Innigkeit des Zusammenlebens, in Treue und Anhänglichkeit seine größte Stärke, sein Glück, seinen Ersatz findet. Desto tieferes Bedauern muß es erwecken, auch hierin bei den hiesigen Juden eine günstige Gestaltung zu vermissen. Das Hauptübel ist — die frühen Heirathen. Sobald der Knabe das k3teJahr erreicht hat, heirathet er, versprochen wird er schon früher. Entweder bleibt er noch mehrere Jahre mit seiner Frau bei seinem Vater, oder er zieht zu seinen Schwiegereltern. Daher sind so viele Familien in dem engsten Raume zusammengeschichtet. Früh Morgens eilt der Mann vom Hause zu seiner Arbeit, denn der Handwerker arbeitet, wo man seiner Produkte bedarf, der Mak-

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