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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-20 · Heft 8 (20.2.1841) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 8 (20.2.1841)
Date
1841-02-20
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 Freitag Nachmittag hingttschtet wurde, und seine Leiche bis zum Sabbat Abend vor seiner Thüre liegen blieb. Seitdem sanken sie immer mehr, wurden aus allen Positionen, namentlich von den katholischen Armeniern, die unter französischem Schutze stehen, verdrängt, und so einfluß- und schutzlos. Allerdings in Bezug auf den Staat nehmen die Juden dieselbe Stellung ein, wie alle Raja's, ja wir werden sehen, daß sie sogar die oberste Stelle unter den Raja'S einnehmen, auch verachtet der Türke gleicherweise alle Raja's, aber der große Unterschied ist, daß sich der christlichen Raja's immer die christlichen Staaten annehmen, daß ein christlicher Raja, sei er Grieche, schismatischer Armenier oder katholischer Armenier, stets einen Beschützer findet — wer aber nimmt sich des Juden an? wer vertheidigt diesen? Niemand. Ist aber Jemand schutzlos, dann ist er gerade allen Angriffen preisgegcben, und von allen Seiten zugleich angegriffen. Vor dem Türken hat der Jude Ruhe. Der Türke selbst fürchtet sich jetzt vor dem europäischen Christen, über den sein Gesandter stets die schützende Hand halt. Aber diese europäischen Müßiggänger, deren sich hier unzählige herumlreiben, und die christlichen Raja's, die sich van dem armseligsten Juden beeinträchtigt glauben, diese sind die Spukteusel des Juden, der unverspottet, unverhöhnt nicht vorübergehen darf. Wie oft sah ich empörende Scenen der .Art mitten auf der Straße — aber ich will sie nicht schildern. Allerdings ist nun die durch Jahrhunderte des Druckes und der Waffenlosigkeit im Juden vorherrschende Widerstandslosigkeit Schuld, daß er sich dem gar nicht zu widersetzen versteht. Der Hat von Gulhane sichert einem Jeden ungefährdete Sicherheit und Ehre zu. Der Christ beruft sich in vorkommenden Fällen auf ihn, aber der Jude wagt dies nicht. Je schutzloser aber der Jude ist und sich zeigt, desto mehr verfällt er in Verachtung, denn in ungeordneten, halbcivilisirten Staaten ist Macht und Achtung, Hülflosigkeit und Verachtung identisch. Der hiesige Jude aber weiß es nicht anders, weiß es seit Jahrhunderten nicht anders, und darum fühlt er sich nicht erkräftigt, es anders zu machen, eine Veränderung in seiner Lage hervorzurufen: es muß so sein. In Konstantinopel wohnen 60,000 Juden, nach der Schätzung, wie hier jede Bevölkerung geschätzt wird. Davon wohnen je einige tausend Familien in Ballat, Chaskioi, Ortakioi, Kuskunjek, Galata, in qnderen Stadtvierteln je einige hundert, nur in Pera, Therapia und Bujukdere wohnen keine Juden. In jedem dieser Stadtviertel wohnen sie in besonderen Quartieren, nur zum geringem Theile unter den anderen Nationen. Ein jüdisches Haus erkennen Sie stets aus allen anderen heraus, durch die Verfallenheit, zerbrochenen Fenster,, die spitze Winkel haben, und besonders an der Wäsche, die zum Trocknen vor den Fenstern hängt. Von letzterer ist auch des Reichsten Haus nicht frei, denn da hier Niemand wegen der häufigen Feuersbrünste einen Norrath von Wäsche hat, und wegen der Hitze viel gewaschen werden muß, so ist dergleichen stets zum Trocknen ausgehängt. Während aber die anderen Einwohner dazu die Hausflur benutzen, hängt sie der Jude vor die Fenster. Nun muß man ferner gänzlich zwischen dem Juden an den Wochentagen, und dem Juden am Sabbat unterscheiden. Am letztern schon von Donnerstag Abend an beseelt ihn die zweite Seele, die Xesckama jetira, da richtet sich seine gebeugte Gestalt auf, und nimmt die imponirende spanische Grandezza an, da ist jedes Gesicht gewaschen, alles erscheint in weiß gewaschenen Kleidern, in den Zimmern ist alles geordnet, aufgeräumt, auf's netteste gehalten, es ist eine Freude, mit dem hiesigen Juden am Sabbat zu verkehren. Aber leider! am Sabbat kömmt er nicht aus seinem Viertel heraus, er bleibt zu Hause, und Niemand lernt ihn in dieser schönen Gestalt kennen! Welch' andern Begriff würde man von ihm, von den jüdischen Frauen bekommen! Am Sonnabend Abend wird der Jude traurig, fällt zusammen, am andern Tage ist er wieder in den Schmutz der Woche versunken, Alles ist unreinlich an ihm, um ihn, namentlich die Frauen mit den schmutzigsten Gewändern behängen, wer ihn sieht, muß ihn verachten, ihn vermeiden, seine Berührung scheuen. Könnte dies nicht anders sein? O ja, aber Niemand verläßt, hat nicht die Idee zu verlassen die schlimmen Angewöhnungen, die seit Jahrhunderten sie beherrschen, Niemand das Bewußtsein davon; sucht man ihren Chachams die Nothwendigkeit einer Veränderung zu erweisen, so erhält man die Antwort: in Aegypten haben unsre Väter (nach der Tradition) die Kleider nicht gewechselt, wir dürfen es auch nicht!

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