Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1841)
- Date
- 1841-02-13
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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88 längst Ausschußmitglied bei der hiesigen allgemeinen Sparkasse, H. I. Steinitzer, bekanntlich einer der Deputirten beim jüngsten Landtag, Ausschußmitglied bei der Eilsahrts-Gesellschaft, und andere zwei Israeliten ebenso beim Lese-Verein durch den Adel erwählt worden, und haben mit ihm an einen grünen Tisch Platz genommen während die Wahlbürgerschast noch immer jedem inländischen Juden das Jnkolat und sogar obbenannten Herren den Zutritt zu den Nobel-Bällen versagen. — Der hohe Adel giebt uns die besten Aussichten für den künftigen Landtag'), und wird auch von hier aus hinsichtlich der Toleranz-Taxe mit einem 6r:rvomen auftreten.— Die Brüderschaft hat kürzlich ein prachtvolles Spital mit einem Aufwand von 15000 Fl. neu erbaut, wofür die Vorsteher das größte Lob verdienen. Wolle der Himmel unserm Gemeinde-Vorstand solchen Eifer und Willen einflößen, wir hätten gewiß bald eine Orgel, und der letzte Wunsch unsers Chorins wäre erfüllt, der in jeder Predigt darauf anspielt. Arad ist reich! Arad ist die dritte Stadt Ungarns, und ein Subscriptionsbogen würde die Kosten decken. Beweise hiervon hat bereits das große zwei Stock hohe Kirchen- und Schulgebäude von 100,000 Fl., der kolossale Altar mit Sammt - Ueberhang von 5000 Fl-., obbenanntes Spital u. s. w. gegeben, wenn nur mit Kraft die Sache angegriffen würde. Daß aber hier gar Vieles sogar Hintertrieben wird, möge folgendes beweisen. Zwanzig junge Männer haben, durch den Herrn Ober-Rabbi ermuntert, ein Komitee gebildet, zur Erhaltung der Ordnung im Gottesdienste, so daß je 4 und 4 jeden Sabbat, schwarz gekleidet, wie in Wien, Prag, Pesth u. s. w. Dienste leisten sollten, wodurch das widrige Umherlaufen und Plaudern getilgt worden. Die Statuten wurden abgefaßt und mit einem Begleitungsschreiben des Herrn Ober-Rabbinen dem Gemeinde-Vorstände zur Autorisirung unterbreitet. Doch wer würde glauben, daß jene geäußert haben: „Wir benöthigen noch keine Kirchen-Ordnung, bis Chor oder Orgel eingeführt sein wird," und so den Vorschlag sä acta legten! Schließlich möge noch hier bemerkt werden, daß *) In Ungarn müssen der Konstitution zufolge , alle drei Jahre die Stande einberufen werden., Correfp. unsere königl. Hauptschule abermal eine Acquisition durch den Lehrer der ungar. Sprache, Herrn Moritz Strauß aus Lavgsberöny gemacht. Bis jetzt war diese Stelle stets durch einen Christen besetzt. In der jüngst stattgehabten Vakanz schickte das königl. Schul-Jnspektorat Herrn Strauß mit der Meinung her, es wäre besser einen Israeliten anzustellen, der hoffentlich mehr als die Vorgänger leisten wird. Es wird auch tüchtig darin gearbeitet, denn nur durch die ungar. Sprache wird unsere Emanzipation genährt. , , . . n. Aus Oberungarn, 14. Januar. (Privatmitth.) „Der löbl. Magistrat der königl. Freistadl Caschau in Oberungarn hat den 29. Artikel der letzten Landtagsbeschlüsse als für hier nicht anwendbar gefunden. Am 2. Januar d. I. kam nämlich der Herr Stadthauptmann von Haschke nebst dem Herrn Stadtlieutenant und einem städtischen Herrn Fiskal in die Wohnung der meisten hier wohnenden Juden, deren Zahl sich auf 15—18 beschränk!, und eröffnete selben mündlich, daß er von Seiten des löbl. Magistrates den Auftrag habe, selbe unverzüglich von hier auszuweisen. Dieses Befehles ungeachtet hat er doch einen Termin von 5 Tagen ausgesetzt, nach deren Verlauf kein Jude mehr in der Stadt zu wohnen habe. Bemerkenswerth ist der Zufall, daß eben Herr von Haschke, Deputirter beim letzten Landtage für die Stadt Caschau, mit der Ausführung dieses Befehles beauftragt wurde. —. Den 16: Januar. Am 5. d. M. hatte der Magistrat seinen Beschluß in Folge einer von den Juden eingereichten Bittschrift und, wie es heißt, auf eine Vorstellung des Hrn. Stadthauptmanns von Haschke hin aufgegeben; er beschloß aber, die Juden, die hier wohnen, ohne sich gemeldet zu haben , auszuweisen und die übrigen vor der Hand, bis ein Befehl von höherer Stelle einlange, in der Stadt wohnen zu lassen. Den 9. in der Frühe aber gingen 30 Bürger zu Herrn v. Haschke und warnten ihn, daß er für die Folgen verantwortlich sei, weil er die Juden ungeachtet des Magistrats-Befehles nicht ausgewiesen habe. Er verfügte sich mit ihnen zu dem Stadtrichter, und dieser ließ sich durch eine derartige Demonsiration zu dem wiederholten Befehle, die Juden aus der Stadt zu weisen, bewegen. Denselben Nachmittag wurden die meisten auf