Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1841)
- Date
- 1841-02-13
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
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87 chen liberarum artium magistro zu verkuppeln; dann hatten auch die Lehrer zu wenig gewußt und zu wenig gewollt, als daß der Unterricht Wurzel schlagen konnte. — Jetzt fühlt man schon immer mehr die Rothwendigkeit, und man denkt ernstlich daran, nach Beispielen anderer Gemeinden, Lehrer zu berufen, aber, indem Niemand auch zu den kleinsten Opfern gestimmt ist, schiebt man es gern auf den künftigen Rabbi ad graecas calendas. — Jndeß nimmt die Gemeinde unter den ungarischen einen ehrenvollen Platz ein. Sie hat eine ziemlich geregelte Verwaltung, viele wohlthatige Vereine. Sie zählt zu ihren Mitgliedern ausgezeichnete Talmudisten, bedeutende Kaufleute, die den Handel der Stadt und Gegend in Flor gebracht haben; sehr geschätzte Aerzte, unter denen wir nur Herrn vr. Friedrich Groß erwähnen wollen, der durch seine starke Praxis, seine Mildherzigkeit, mit welcher er den Leidenden aller Konfessionen beisteht, sich in die Hütten zu den Armen begiebt, und ihnen nicht nur Medikamente verschafft, sondern auch bei ihrer Rekonvalescenz für ihre Bedürfnisse sorgt, durch den Erfolg, der stets seine Unternehmungen krönt, sich nicht nur einen weit verbreiteten ruhmvollen Namen erworben, sondern die Stände des Komitats schon zweimal veranlaßt hat, bei den Allerhöchsten Stellen um Anerkennung und Belohnung seiner Verdienste durch eine Ordensverleihung anzutragen. Aber leider ist dieser verdienstvolle undaufgeklärte Mann für Israel gänzlich verloren. Denn bei seinem krassen Vorurtheile gegen Alles, was jüdisch ist, wie er gänzlich unser Streben und unsere Aufgaben verkennt, hat er nicht nur alle Formen der Religion abgeworfen, sogar seine Kinder läßt er auf christliche Weise, auch im christlichen Katechismus unterrichten, daß sie ja nicht irgend ein jüdisches Wörtchen erlernen, oder religiös sein, oder, Gott steh' uns bei! von den Schulkameraden „Jude" geschimpft werden sollen: Erscheinungen dieser Art sind hier zu Lande bei der ärztlichen Welt nicht selten. — Die Toleranz, die hier herrscht, verdient rühmliche Erwähnung. Das löbliche Komitat (das größte im Lande) antwortete d.n Deputirten, die beim Mangel einer Instruktion in der Emanzipationssrage um das abzugcbende Votutn ansragten, daß sie nicht nur nichts einzuwenden hätten, sie seien vielmehr von dem Wunsche beseelt, und äußern es einstimmig, daß dieses der Kirche, Vernunft und Politik so konforme Gesetz schon auf diesem Landtage, ohne Einschränkung durchgehen möge"). — Das hiesige National-Kasino, eines der bedeutendsten im Lande, mit mehr als 300 Mitgliedern, mit Namen der ältesten und einflußreichsten Aristokratie, hat viele israelitische Mitglieder, und Herr vr. Pvllak, vorher Bice-Präses des Vereins, ist jetzt zum Kassirer ernannt worden. Bei dem Ausschüsse ist auch ein jüdisches Mitglied, Herr Salomon Reich **). — Die meisten Judenfeinde finden sich unter den Halbwissenden, daher es Ihnen nicht aufzufallen braucht, daß hiesige Professoren in ihren Vorträgen auch einiges Gift auf uns speien. Die Herren sind in der Stadt selbst nicht gekannt, ohne allen Einfluß, und die Jugend wählt eher die liberalen Komitatsredner zu Mustern. — Zu dem Nutzen, den Ihre Zeitung hier gestiftet, ist auch, der nach dem Plane anderer dort erwähnten, jetzt hier entstandene Verein zur Verbreitung der Handwerke, zu rechnen, wie auch ein israelitischer Lcseverein. Arad, 12. Januar. (Privatmitth.) Ganz richtig habe ich in No. 48 v. I. unsere Freunde und Feinde angegeben. Auch hier ist der h-'he Adel Ungarns liberal. Unser Vorsteher H. Epstein, ist un- ") Wir können nicht umhin, die Einseitigkeit, mit der diese Weltfrage hier verhandelt wird, zu rügen. Der gefeierte Deotby selbst sprach, wie man vor sechszig Jahren sprechen mußte, von einer gekrümmten Nation, die zwar hinter der (Zivilisation weit zurückgedlieden, die bis jetzt von ganzer Seele nur schachert, nur meinte er, wenn wir Licht bekamen, so würde uns der grelle Gegensatz schnell bewegen, die Finsterniß, in der es uns jetzt behagt, aufzugeben. Als wenn wir noch nicht das Niveau der ungarischen Civilisation erreicht hatten! Eorrcsp. **) Undankbar wäre es, hier zwei edle Männer zu übergehen, die die uns so oft vorgesagle Christenlieoe durch Thaten bewiesen haben, nicht durch Worte allein. Seine Hochwücdcn Franz Lacesak, hiesiger röm. kath. Bischof, und Alex. Fürst Hohenlohe, Domprobst am Kapitel, haben nicht nur in Tagen der.Noch, bei der großen Feuersbrunst, durch ihre milden Spenden viele ganze Familien vom Hungertode gerettet, nicht nur lange für ihre Erhaltung gesorgt, sie haben ihnen auch Materialien verabreichen lassen, um ihre Wohnungen aufzubauen. Auf den Listen ihrer periodischen Almosen finden sich auch jüdische Namen. Gott allein kann sie dafür hinreichend belohnen! Corresp.