Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1841)
- Date
- 1841-02-13
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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geistigem und politischem Leben, von Idealität und Realität; das ist der Grund des Uebels, sowol der germanischen als romanischen Nationen. Aus diesem unwahren Gegensätze muß und wird die europäische Menschheit sich gewiß herausarbeiten; aber jede Nation muß denselben aus ihrem eigensten Elemente heraus überwinden, und so lange er noch unüberwunden ist, wird dem deutschen Juden sein Vaterland eben so theuer, als dem sranzöjischen das (einige sein. Der deutsche Jude fühlt es, daß er, als Deutscher, von keiner andern Nation, etwa von der französischen, sein Heil zu erwarten habe — und wenn es Gottes Rathschluß ist, daß wir unfern Rhein gegen die Landsleute des Herrn Thiers verthcidigen müssen, so werden diese bald die Erfahrung machen, daß auch der deutsche Jude zum Bewußtsein seiner Nationalität gekommen! Bromberg, 20. Januar. (Privatmitth.) Die Preuß. Staatszeitung berichtet von hier über die Strafanstalt zu Koronowo. Man hat es schon häufig gewünscht, statistische Nachrichten über dergleichen Anstalten auch in Bezug der Konfessionen zu haben, um so mehr da dieselbe zugeständlich zum Vortheil der Juden ausfallen. Nach der Notiz der Staatszeitung befanden sich am Schlüsse des Jahres 1840 auf gedachter Anstalt 337 Individuen, worunter 90 Evangelische, 240 Katholische und 7 Juden sich befanden. Dies giebt auf 49 Individuen einen Juden; nun ist aber in der Provinz Posen (nach der letzten Volkszählung s. No. 85. 1837) der 14te Mensch, oder speziell im Regierungsbezirk Bromberg der I6te Mensch ein Jude, welches vorzügliche Verhättniß also! ein dreimal günstigeres als bei den übrigen Konfessionen! Berlin, 24. Januar. Die Leipz. Allg. Zeit, spricht sich bei Gelegenheit des jüngsten Ordensfestes über Ordenvertheilung aus, und wirft dabei folgende Frage aus. „Dennoch wird ziemlich allgemein die Ernennung eines Israeliten vermißt, was deshalb von Interesse, weil eben hierauf die Behauptung sich gründet, sie sei stiftungsgemäß unzulässig. Scheint dafür jedoch auch eine 20jährige Erfahrung zu sprechen, indem in dieser langen Zeit unter so viel tausend Ernennungen auch nicht eine einem Juden zu Theil wurde, so widersprechen derselben doch die im Verhältniß zahlreichen Besitzer des eisernen Kreuzes. So z.-B. sind von den blos aus Berlin 1813 als Freiwillige ausgezogenen Juden sechs mit Namen bekannte als Offiziere und mit dem eisernen Kreuz geschmückte heimgekehrt, von denen vier noch leben und es tragen. Dagegen hat freilich die Frau B. schon damals nur das Band und nicht das Kreuz des Luisenordens erhalten. Seitdem aber ist weder den vielen Juden, welche 1813—15 in den Lazarethen und 1831—37 bei der Cholera als Aerzte und sonst, noch denen, welche im Kommunaldienste sich ausgezeichnet haben, auch nur ein einziges Bändchen zuerkannt worden, während das fromme England wie das nicht fromme Frankreich, das reformirte Dännemark und Holland wie das katholische Belgien, Spanien und Oesterreich, und wenn wir nicht irren, sogar Rußland Juden zu Rittern und einige selbst zu Großkreuzen erhoben haben. Darum wäre wol gut, wenn Kundige über jene unklaren Verhältnisse Aufschluß ertheilten." Berlin, 28. Januar. In der Haude- und Spen. Zeit, lesen wir Folgendes. „Als ein Beitrag zur Charakteristik unseres aufgeklärten Jahrhunderts verdient erzählt zu werden, daß die Gothaer Feuer- Versicherungs - Gesellschaft kürzlich einem allgemein geachteten Manne in einem kleinen Städtchen bei Berlin die Aufnahme in die Assekuranz einzig und allein deshalb verweigerte, weil er — ein Jude ist, und, wie sich der betreffende Agent ausdrückte, Leute solchen Glaubens nur in Städten, wo sich eine Agentur befände, ausgenommen werden können. Lächerlicherweise war obengedachter Mann, früher in Berlin wohnhaft, eben bei der Gothaer Gesellschaft eine lange Reihe von Jahren versichert. Von einem Einzelnen würde nun dergleichen nicht befremden, denn wie Viele giebt es noch, die sich von Borurtheilen nicht trennen können: wenn aber eine so ausgebreitete Korporation, die den gebildeten Ständen angehört, sich solcher Vergehen gegen die Toleranz schuldig macht, was ist da erst vom Volk zu erwarten? Unlängst erregten die Gräuclthaten in Damaskus das Staunen und den allgemeinen Abscheu, und doch, geht man der Sache auf den Grund, herrscht hier in unserm lieben Deutschland fast derselbe Geist, der nur durch Polizei und Gesetze an der Ausübung ähnlicher Excesse gehindert wird. O, über die aufgeklärte Zeit!"