Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1841)
- Date
- 1841-02-13
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
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am meisten der Gunst erfreut; er schlägt eine Schule vor. P. 8. So eben ist eine große Versammlung gehalten worden, in der bestimmt worden, das Stück Silber anfertigen zu lassen, und daß dem Sir M. ein Plan zur Errichtung eines College (Universität) vorgelegt werden soll — ist er damit einverstanden, so ist mit Gottes Hülfe etwas Großartiges aus der Verfolgung von Damaskus entstanden! Deutschland. Leipzig, I. Februar. (Privatmitth.) Wir haben im vorigen Jahre die Errichtung eines Vereins zur Unterstützung hülssbedürftiger, jüdischer Studirenden in Leipzig unter dem Namen „Jeschuat-Achim besprochen. Vor wenigen Tagen ist der erste Bericht des Vereins erschienen, der den guten Fortgang desselben bemeldet. Der Verein zählt in diesem Augenblick .',3 Mitglieder, und sehr viele christliche Bürger von Leipzig haben zu dem Fond beigetragen. Er hatte so eine Einnahme von 4355 Thlr. und verbrauchte 1115 Thlr., so daß ein Kassenbestand von 324 Thlr. zurückblieb. Je erfreulicher dieser Stand ist, desto mehr müssen wir insonders die Meßfremden unsers Glaubens auf diesen Verein aufmerksam machen, und sie ersuchen, auch ihm bei ihrem Aufenthalte zu Leipzig ein Scherflein zuzuwenden. Um dieses Zweckes willen führen wir hier die Vorsteher namentlich auf, nämlich: H. E. Boas als Vorstand, die Herren V. Meyer, Isidor Kaim und Dr. Jul. Cossmann als Direktoren. Preußen. Bonn, 22. Januar. (Privatmitth.) Der hiesige Verein zur Heranbildung jüdischer Handwerker, der, wie ich Ihnen bereits in meinem Schreiben vom November meldete, am Geburts- und Huldigungstage Sr. Majestät gestiftet wurde, ist nun, von Sr. Excellenz dem Oberpräsidenten bestätigt, unter dem vom Vereine selbst gewählten Direktorium, bestehend aus den Herren S. Cahn, L. A. Katz, M. Cohen, S. Oppenheim, L. Ungar, L. Zuntz und Schullehrer W. Sulzbach, in Aktivität getreten. Eine, segenreiche Wirksamkeit dieser wohlthätigen Anstalt ist mit um so größerer Zuversicht zu erwarten, da bei der Wahl des Direktoriums nicht, wie bisher bei Besetzung von dergleichen Aemtern, kleinliche Rücksichten des Egoismus und Ehrgeizes obwalteten, wodurch bis jetzt für das hiesige israelitische Kirchen- und Schulwesen leider so wenig oder gar nichts geschah, — sondern Männer an der Spitze stehen, welche sich von vorn herein mit Ernst und Eifer der guten Sache annahmen. — Der edle Sinn unsrer christlichen Mitbürgerschaft, deren Elite, sobald sie von dem Vereine Kunde erhielt, ihren Wunsch ausdrückte, demselben beizutreten, verdient besonders hervorgehoben zu werden. Es zeigt sich hiebei wieder, daß der Deutsche, trotz dem, daß er in politischer Beziehung noch manches Vorurtheil nährt, doch in reinmenschlicher oder geistiger Hinsicht höher, als jede andre Nation steht; denn nirgend ist so viel echte Bildung, unter Juden wie Christen, als in unserm Vaterlande anzutreffen, und das sollte doch endlich auch von uns anerkannt werden! — Man ist gewohnt, die jüdischen Zustände fast ausschließlich von der politischen Seite ins Auge zu fassen; dies führt leicht zu der irrigen Ansicht, als ob in Deutschland eine judenfeindlichere Gesinnung, als in andern Landern herrsche, wo, wie z. B. in Frankreich, die Juden emanzipirt sind. Daß die Juden in Deutschland nicht allgemein und vollständig emanzipirt sind, ist allerdings ein trauriges Charakteristikon, aber nicht allein der jüdischen, sondern der deutschen Zustände überhaupt. Niu t nur der deutsche Jude, der Deutsche überhaupt steht in politischer Beziehung nicht so hoch, desto höher aber, wie gesagt, im Geistigen — und so wenig es Jemanden einsallen wird, der französischen Nation darum Judenhaß vorzuwerfen, weil dort der Jude geistig nicht so hoch, als in unserm Vaterlande steht: eben so wenig kann der deutschen Nation, weil er hier politisch nicht so hoch, als in Frankreich steht, deshalb jener harte Vorwurf gemacht werden. Es sind vielmehr die Nationen selbst in ihrer Totalität und nickt blos die Juden aus ihrer Mitte, welche mit jenen Schwächen behaftet erscheinen. Dem Juden werden die Schwächen der Nation, deren Glied er ist, allerdings fühlbarer, doch ist der Unterschied nur ein quantitativer; die Qualität des Uebels ist dieselbe und gewiß in einem tiefer liegenden Grunde, als im Judenhasse zu suchen. Die moderne Welt krankt noch an dem Gegensätze von Innerlichkeit und Aeußerlichkeit, von