Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1841)
- Date
- 1841-02-13
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wurde! Ja, wenige Tage, bevor die Geschichte von Damaskus hier bekannt wurde, schwebten die 60,000 Juden Konstantinopel's in einer großen Gefahr. Ein Türke befindet sich mit seinem Söhnlein im Gewölbe eines Juden. Er will noch einen Weg machen, und bittet den Juden, seines Söhnleins unterdeß wahr zu nehmen. Der Jude vergißt, wahrend er Anderen verkauft, an den Knaben, und dieser entfernt sich. Der Türke kehrt zurück, und fordert seinen Sohn. Der Jude lacht, und sagt scherzend: ich habe ihn zu Ostern geschlachtet. Der Türke fällt über ihn her, es entsteht ein Auflauf, die Wache kömmt, man bringt mit unzähligen Schlägen unter großem Volksandrang den Juden zum Kadi, die Griechen, griechischen und katholischen Armenier, die gcbornen Feinde der Juden, schreien: Werft die Juden in den Bosporus. Der Kadi inquirirt — unterdeß kömmt die Nachricht, der Knabe ist wohlbehalten zu Hause angelangt. Der Jude wird natürlich frei gelassen, und der Haufe verläuft sich, doch in Etwas beschämt. Dies vernahm der Chackam-Baschi (Oberrabbine), läßt den Juden vorfordern, verweist ihm seinen Leichtsinn, denn wenn zufällig das Kind sich verlaufen, wäre das Ende nicht abzusehen gewesen, und läßt ihm 200 Stockschläge zur Warnung aufzählcn. Jndeß war dieses Ereigniß doch von sehr gutem Einflüsse, als drei Tage nachher die Nachrichten von Damaskus einliefen, und die Türken waren deshalb von vorne herein ungläubig gestimmt. Wie gesagt, diese Sache steht nicht so einzeln da, hat aber nun doch ziemlich auf die momentane Zerstreuung jenes schrecklichen Aberglaubens gewirkt. — Großbritannien. London, II. Januar. (Privatmitth.) Wir sind alle aufs Angelegentlichste beschäftigt, mit den Vorbereitungen zu einem würdigen Empfange des Sir Moses Montefiore und seiner Gemahlin, welche wir zu Ende d. M. erwarten. Dieser Empfang wird nach einem so grandiosen Maaßstabe statt finden, daß Aehnliches hier noch nie gesehen worden. Die Ceremonie wird in der Portugiesischen Synagoge vor sich gehen, deren Mitglieder und ihre Damen, so wie die Parnassim und die Elite der deutschen Gemeinden, die Verwandten des Sir M. und seine christlichen Freunde allein zugelassen werden, indem der Raum selbst dieses geräumigen Gotteshauses, kaum diese Personen wird fassen können. Viele hebräische Und englische Gesänge sind komponirt und werden eifrig einstudirt, und Herr de Sola wird die Gemeinde wieder einmal mit einer Rede erfreuen. Sollte diese, wie es wahrscheinlich ist, gedruckt werden, so wird derselben eine Uebersetzung des trefflichen Aufsatzes ihres unvergleichlichen ür. Zunz (aus der Leipz. Allg. Zeitung) beigegeben werden, so wie Noten und Auszüge aus Berichten, auf welche in der Predigt Bezug genommen wird; ein Eremplar sollen Sie gleich nach dem Erscheinen empfangen. Der Enthusiasmus, welcher in Bezug auf diese Feierlichkeit an den Tag gelegt wird, ist unbe- - schreidlich groß. Es ist schwer, den englischen Juden in diese Stimmung zu versetzen, aber ist dieses — was selten ist — einmal der Fall, so kennt sein Eifer kein Ziel, und zeigt sich nicht blos in Worten, sondern in Thaten! Ihm einen Beweis der Achtung und Liebe zu geben, ist der allgemeine Wunsch; die Reichen bieten ihre Hunderte (von Pfund Sterling, nicht von Thalern) dar, die Armen halten Versammlungen in wohlfeilen Tavernen, um ihre Penny- Subscriptionen zu sammeln; der einzige Unterschied der Meinungen besteht darin, daß man noch nicht einig ist, worin dieser Beweis der Hochachtung bestehen soll. Die Einen schlagen (a l’anglaise) ein großes Mahl vor, während dessen man ihm ein großes, aus Silber gearbeitetes Meisterstück überreichen will, und wo Reden gehalten werden sollen, schwerer noch als das Silbergeschirr — Andere schlagen (it rallemamle) eine Art Verein vor, zur Errichtung einer höhern Schule, welche auf ewige Zeiten den Namen Montefioresche Stiftung führen soll — noch Andere schlagen die Errichtung von Armenhäusern vor, und in einer Versammlung einer deutschen Gemeinde hat ein Vorsteher sogar die Idee gehabt, bei der Regierung um einen Platz einzukommen, auf dem man dem Sir M. eine Statue errichten könnte; und zwar sollte dieser Platz seiner Wohnung in Hyde Park gegenüber sein. Diesem Vorschläge ward die Einwendung entgegengesetzt, daß unsre Religion uns nicht erlaube, ein bew zu errichten, und es ward eine Säule statt dessen proponirt! Eine Menge von Vorschlägen sind gedruckt erschienen, unter denen sich das von Franklin aus Manchester