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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-02-13 · Heft 7 (13.2.1841) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 7 (13.2.1841)
Date
1841-02-13
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 europäischen Juden Vorfahren sagten: wir sind im Galut! Auch diesen Begriff haben die hiesigen Juden nicht einmal. Denn dieser Begriff des Galut enthält einen unendlichen Fond von Bewußtsein, von Bewußtsein der ganzen Geschichte unsres Stammes, von früherer Herrlichkeit, jetziger Verwerfung und einstiger Wiederherstellung. Wo aber solch' ein Bewußtsein bei einem orientalischen Juden finden? Der weiß nur, er ist Jude, und ein Jude muß ein niedergetretenes,' beschimpftes, verstoßenes Leben führen. Die Reisenden kommen dann, und sehen die Perlen der Frauen, die Divane und Annehmlichkeiten in den Häusern der reichen Juden, und verwechseln damit welchen belebten Charakter. Demnächst von den Israeliten Europa's. Ja, von diesen, und nur von diesen. Was ist aber das Erste, was Ihr ihnen geben müsset? Das Gefühl, Menschen zu sein! Ohne dies ist gar keine Umgestaltung möglich. Der orientalische Jude muß zuvor wissen, empfinden, daß er auch Mensch ist, daß er auf eine menschliche, aufrechte Existenz einen Anspruch hätte, erst wenn er dieses Gefühl in sich ausgenommen, kann an wirkliche Erhebung gedacht werden. Wie ist ihm aber dies beizubringen? Man hat zwei Wege vor sich, entweder Schulen im Oriente anzulegen, oder — Jünglinge aus dem Oriente zu uns zu verpflanzen, und sie europäisch zu bilden für den Orient. Das erstere Mittel halte ich für unangemessen in der Gegenwart, bas letztere für höchst zweckdienlich. Schulen nach europäischem Schnitte im Oriente anlegen, wäre eine fruchtlose Treibhauspflanze, die aus ihrer, ganzen Umgebung keine Nahrung ziehen könnte. Das Höchste, was dadurch erlangt würde, wäre, die Schüler kramen etwas mehr im Gedächtniß zusammen^ um es im Leben schnell wieder zu vergessen. fehlt die eigene Anschauung, es bliebe Alles Un Hörensagen, und die europäischen Lehrer würden bald an ihrem Werke verzweifeln. Von irgendher ein Windstoß, ein kleines Versiegen der Hülssquellen, und Alles wäre wieder dahin. Große Kosten, kleine Erfolge, am Ende Wirkungslosigkeit. Jedenfälls aber dringe ich auf den einen Punkt, daß anzustellende Lehrer nur Juden seien. Denn man bekäme sonst nur Missionäre zu Lehrern, die Juden selbst würden sich zurückziehen, und beim besten Willen verstünden christliche Lehrer durchaus nicht, den orientalischen Juden zu fassen, und seinem Bedürfniß wie seiner Sagacität die Methode anzuschmiegen. Sondern das geeignetste Mittel bleibt es, Jünglinge (nicht Knaben), Jünglinge, die das Leben im Oriente schon kennen, nach Europa zu bringen, und hier ihnen eine angemessene, nicht gelehrte, sondern lebendige, lebensgemäße Ausbildung zu verschaffen. Diese dann, mit dem Menschenbewußtsein, mit dem Gefühldes Rechts und der Gesittung, durch die Gemeinden des Orients zerstreut, und ihre Wirksamkeit wird die nachhaltigste fein. Sie werden anfachen, entzünden, anfeuern. Sie werden eine elektrische Kette bilden zwischen den abend- und morgenländischen Israeliten. Sie werden die geeignetsten Mittel selbst suchen und finden, auf ihre Landsleute Einfluß zu gewinnen. Sie werden dabei mitten in den Familien, in den Gemeinden stehen, wohingegen europäische Ankömmlinge stets außerhalb derselben bleiben, isolirt. Da wäre aber nicht genug, heute es mit zehn Jünglingen zu versuchen, und dann ferrig. Sondern der Abgang muß immer wieder ersetzt, cs muß eine fortwährende Bildungsanstalt werden. Dies drei, vier Jahrzehend fortgesetzt, und es würden die Erfolge sich glänzend zu zeigen beginnen. Glauben Sie mir, jeder nur irgend erregbare europäische Israelit, wird, wenn er hierher versetzt wird, und war er in der Heimath der gleichgültigste Jude, hier, aus der tiefsten Indignation und Theilnahme heraus, voller Feuer, um wie viel mehr wird ein Landeskind, wenn er von Europa kommt, Feuer und Flamme, der höchsten Begeisterung voll werden! Doch heute nun genug hiervon. Ich werde im nächsten Schreiben dies weiter auszuführen suchen. Heute noch einen kleinen Blick auf die Wirklichkeit. Man irrt sich doch in Europa, wenn man den Vorfall zu Damaskus so vereinzelt auffaßt. Im Jahre 1839, es ist authentisch, hat man in einem vorderasiatischen Flecken, der Name ist mir im Augenblick entfallen, eine ganze Gemeinde von mehr als 209 Seelen ausgerottet, weil man einen Juden mit der Hand in einem Gefäß Blut kurz vor Ostern gefunden. Es war dem Juden gegen Rheumatismus seiner Hand gerathen worden, diese in das warme Blut eines frisch geschlachteten Hundes zu stecken — und dies war es, was so blutig gerächt

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