Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1841)
- Date
- 1841-02-06
- Page
- Seite 78 (sequence 10)
- Language
- German
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78 Ihm hülsreich zur Seite standen das Reprasentanten- Kollegium und die Baukommission, an deren Spitze der Kaufmann Herr Wolff Schiff mit dem löblichsten Eifer zur Beförderung des Baues mitwirkte, und schon seit 1829 Beitrage dazu sammelte. Es steht nun da das Gott geweih'te Haus, in seiner erhebenden freundlichen Pracht, und der innere Bau ist so ausgefallen, daß nichts zu wünschen übrig bleibt; er ist in gothischcr Bauart und im höchst einfachen Style gehalten. Der 20. Elul 5600 (18. September i) 3 Uhr Nachmittags, als der Tag, an welchem vor 30 Jahren hier eine herrliche Synagoge abbrannte, war zur Einweihungsfeier des neuen Tempels bestimmt. Der Rabb. Kand. Gebhard aus Tyrschtiegel war zur Abhaltung der Einweihungsrede hierher berufen worden, da unser würdige Rabbine S. Munk, wie Sie in No. 25 dieser Zeitung mittheilten, in ein besseres Leben übergegangen ist. Als der bestimmte Tag herangenaht war, konnten wir nur mit fröhlichem Herzen das Leben in unfern Straßen wahrnehmen, welches sich durch das Herbeiströmen so vieler Fremden kund gab. Um 2j Uhr Nachmittags, setzte sich ein solenner Zug aus dem Bet hamidr., bestehend aus dm Trägern der Gesetzrollen, dem Kantor mit dem Chore und den sammtlichen jüdischen jungen Leuten, welche brennende Wachskerzen trugen, in Bewegung. Es versammelten sich nun Alle, Männer und Frauen, Knaben und Mädchen, worunter eine große Anzahl Christen, welche sammtlich Eintrittskarten hatten, so wie der Magistrat, die katholische Geistlichkeit, die Honoratioren und die hohen Clvilbeamten hiesigen Orts, welche offiziell eingeladen waren, in dem Hause des Herrn. Die Beleuchtung war brillant. Die Stelle des erwähnten Herrn Vorsteher war mit einer Krone geschmückt, und ein hebräisches Gedicht deutete dieselbe. Vier Kommiffarien, Söhne der angesehensten Hauser, wiesen Jedem eine Stelle an und waren bemüht um die Aufrechthaltung der Ordnung, und so füllte sich das Gotteshaus nach und nach. Der Chor, aus vielen Knaben und mehreren jungen Leuten bestehend, nahm den für ihn, für immer bestimmten Platz auf der Gallerie ein. Die Feierlichkeit begann mit einer schönen einleitenden Musik, wahrend deß die gedachten jungen Leute, einige 60 an der Zahl, mit ihren brennenden Llchlern hereinkamen, und sich an den Seiten der Gänge aufstellten, was eine herrliche lebendige Dekoration verstellte. Hierauf wurde das ivi mit einer zu dieser Feier verfaßten Melodie, von unserm Vorbeter Herrn W. Alexander und dem Chore, begleitet von den herrlichen Akkorden der Musik, abwechselnd vorgetragen. Es folgte diesem auf gleiche Weise der 24 Psalm, und erhebende Stimmen hörten wir in oen Versen erschallen, als sich die zur Vorhalle führenden Thüren öffneten, und der Zug mit den Torarollen hereinkam. Nach Beendigung des 24 Psalms, trat der Redner vor das Allerheiligste, und im feierlichen Tone sprach er rDwD Diesem folgte ein dreimaliger Umzug um die Bima und das übliche- :n 'r? wurde vom Vorbeter und Chor gleichfalls abwechselnd vorgetragen. Hierauf ertönte abermals aus dem Munde' des Predigers das welches Ehl>r und Gemeinde wiederholten. Das darauf folgende ‘ins und Vr-tf ward wieder vom Vorbete^rezitirt und ebenfalls ^wiederholt. Die Einsetzung der Tora in die heilige Lade begann, inzwischen sang der Chor Nach diesem trat Herr Gebhard vor die Bundeslaoe, und sprach eine sehr treffliche geist- und gemüthsvolle Predigt über 1 Moses 28, 17. Ein Geber für König und Vaterland, und dann ein Schlußgesang Psalm 29 beendigten die Feier. — Es verließ Alles in andächtiger Aufregung und tiefergriffen den schönen Tempel. Den andern Tag als Sonnabend den 19. September, so wie an den später stattgefundenen Feiertagen, an welchen Herr Gebhard der nochmaligen Einladung unsrer Gemeinde Folge leistete, gewährte derselbe uns wieder geistige Genüsse, und selbst der strengste Orthodox ging tief angeregt und erbaut aus dem Gotteshause. Besserer Meinung wurden nun die andern Konfessionen von unserem Judenthume, indem sie die Synagoge bei jedesmaliger Predigt in zahlreicher Menge besuchten, und in derselben nur den Geist der Liebe und der Toleranz predigen hörten. Nachmittags des erwähnten Sonnabends hielt der zufällig hier anwesend gewesene Kandidat H. Grätz, Schüler des Rabbinen S. R. Hirsch, einen Vortrag, welcher wissenschaftlicher Tendenz war. Das Andenken dieser Tage wird nie von uns weichen, da mit diesen auch der Anfang zu den sehr gewünschten Kultusverbesserungen gemacht wurden, unter welchen besonders hecvorgehoben und erwähnt zu werden verdienen: die Einführung des Choralgesanges, die treffliche Einrichtung einer besondern Gallerie für Mädchen, welche nun fleißig das Gotteshaus besuchen; ferner das Abschaffen des skandalösen Mizwotversteigern während des Gottesdienstes und die störenden ‘paiö tö, welche bis auf die nächsten Verwandten reduzirt wurden. Sie sehen, geehrtester Herr